Firmenverkauf: Verlust voll Abschreibung, oder 60% nach §17 Estg?

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2 Antworten

Steuerlich führt eine Beteiligung i.S.d. § 17 EStG dazu, dass Veräußerungsgewinne (und auch Veräußerungsverluste) nach dem sog. Teileinkünfteverfahren des § 3 Nr. 40 EStG besteuert werden.

Dies bedeutet, dass Gewinne nur zu 60 % besteuert werden.

Im Gegenzug können Verluste aus der Veräußerung von GmbH-Anteilen auch nur zu 60 % steuerlich berücksichtigt werden.

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Petz1900 09.07.2017, 09:02

So ist's.

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fohfoh 09.07.2017, 13:38

Hallo,
danke für die Antwort.

In meinem Fall sieht es aber so aus, dass ich die Erlöse, die ich als Selbständiger mit dem Verkauf meines Produkts von der GmbH & KoKG auf mein Geschäftskonto erhalten habe, zu 100% versteuert habe. Also müssten im Gegenzug auch die Verluste zu 100% abzugsfähig sein.
Daher ist es nicht richtig den §17 Estg hier anzuwenden.

Außerdem, soviel ich weiss, werden ja selbst unter dem §17 Estg die Erlöse gegen die Verluste in Abzug gebracht bevor es zur Besteueung kommt.
Sehe ich das richtig?

Nun wurde es bei mir aber folgendermaßen gehandhabt:

Im Geschäftsjahr 2014 (zum Zeitpunkt des Firmenverkaufs) hatte ich von der GmbH & KoKG für den Verkauf meines Produkts, das von der GmbH & KoKG vermarktet wurde, ca. 15.000 Euro erhalten.
Der Verkauf der GmbH in 2014 löste dann in diesem Geschäftsjahr den Verlust meiner Stammeinlage über 12500 Euro aus.
Demnach müsste ich eigentlich nur die Differnz (2500 Euro) versteuern.

Das FA hat aber den Verlust der Stammeinlage nach §17Estg nur mit 60% anerkannt, und die Erlöse über 15.000 Euro wurden zu 100% versteuert.

Das kann doch nicht korrekt sein?!

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FordPrefect 10.07.2017, 12:04
@fohfoh

In meinem Fall sieht es aber so aus, dass ich die Erlöse, die ich als Selbständiger mit dem Verkauf meines Produkts von der GmbH & KoKG auf mein Geschäftskonto erhalten habe, zu 100% versteuert habe. Also müssten im Gegenzug auch die Verluste zu 100% abzugsfähig sein.

Nein. Begründung siehe § 17 EStG.

Daher ist es nicht richtig den §17 Estg hier anzuwenden.

Doch, denn genau darauf ist er anzuwenden. Umgekehrt würdest du dich ja auch nicht beklagen, müsstest du etwaige durch die Anteilsveräußerung entstandenen Gewinne nur zu 60% versteuern.

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Hier habe ich etwas gefunden:
https://www.steuerberaten.de/tag/beteiligung/gmbh/

>>
Hält ein Unternehmer eine Beteiligung an einer GmbH aus beruflichen
Gründen, zB. weil die GmbH ihm Aufträge beschafft, so gehört die
Beteiligung in das Betriebsvermögen des Unternehmers. Dadurch gehören
die Ausschüttungen dann zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb oder ggf. zu den Einkünften aus selbstständiger Arbeit. Ansonsten wird der Ertrag
ebenso versteuert wie oben erläutert. Veräußerungsgewinne sind in jedem
Fall zu versteuern, selbst wenn die Beteiligung weniger als 1%
ausmacht.
<<

Das bedeutet m.E. auch, dass die Verluste aus dem Verkauf der GmbH & KoKG mit den Erlösen aus der GmbH & KoKG, für die Betriebsgewinnberechung des Selbständigen verrechnet werden müssen.
Das hat das FA aber nicht gemacht, obwohl ich den Veräußerungsverlust als Betriebsausgabe in der EUR meiner selbständigen Tätigkeit angegeben habe.

Ich habe meinen Einspruch gegen den Steuerbescheid nun folgendermaßen formuliert ... vielleicht kann mir jemand noch einen Tipp dazu geben?!

>>>
Einspruch

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit widerspreche ich ihrer Entscheidung meinen Veräußerungsverlust der Agogo-Records GmbH nach § 17 EStG zu 60% zu versteuern, und gleichzeitig meine Erlöse aus der Agogo-Records GmbH zu 100% zu versteuern.

Begründung:

Die Gründung der GmbH & KoKG war eine berufliche Notwenigkeit, um Umsätze aus meiner hauptberuflichen Tätigkeit als Musikautor zu erzielen.
Die abzuschreibende GmbH Einlage über 12.750 Euro habe ich von meinem Geschäftskonto als Musikautor gezahlt, nicht aus meinem Privatvermögen, auf das sich der § 17 EStG bezieht.
Es handelt sich bei der Investition in die Agogo-Records GmbH definitiv nicht um Spekulationsgeschäfte aus meinem Privatvermögen, sondern zu 100% um eine Betriebsausgabe.
Deshalb ist der betriebliche Verlust aus dem Verkauf der Agogo-records GmbH vollumfänglich gegen meine betrieblichen Erlöse aus der Agogo-records GmbH abzuschreiben.

Sollte die Besteuerung dennoch nach §17 Estg durchgeführt werden, so müssten auch in diesem Fall, vor der Besteuerung, die erzielten Erlöse aus der GmbH mit dem Veräußerungsverlust verrechnet werden.

Meine Erlöse aus der GmbH lagen im Jahr 2014 bei 13.138,59 Euro (s. Analge-1)
Der Verlust, der Stammeinlage, der durch den Verkauf der GmbH in 2014 ausgelöst wurde, beträgt 12.750 Euro.
Somit bleibt von den erzielten Erlösen (13.138,59 Euro) abzüglich des Verlustes (12.750 Euro) nur die Differenz, 388,59 Euro, steuerbar.

Ich möchte Sie bitten meinen Steuerbescheid diebezüglich zu korrigieren.
MfG

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