Findet ihr man sollte Menschenleben für andere opfern dürfen?

25 Antworten

Ich war früher der festen Überzeugung, das Flugzeug sollte abgeschossen werden, da ja eh nichts mehr zu retten sei. Eine Überlegung aus dem Film, aus dem Du die Frage vermutlich hast, hat mich dann aber doch zum Nachdenken gebracht:

Die Argumentation basiert ja darauf, dass die Menschen im Flugzeug sowieso sterben müssen. Nun geht man ja davon aus, dass das für alle Menschen zutrifft, also auch für die im Stadion. Würde sich die moralische Situation ändern, wenn das Ziel nicht ein Fußballstadion wäre, sondern ein gigantisches Altenheim oder gar Hospiz (in dem sich zur Zeit keine Angestellten befinden)?

Inzwischen kann ich für diese Frage keine "allgemeine" Antwort mehr geben.

Und um mal von den eher "ungewöhnlichen" Szenarien wegzukommen, ähnliche Dilemmas gibt es ja auch im (mehr oder weniger) "Alltag": Wenn zum Beispiel ein Rettungswagen zu einem Verkehrsunfall mit mehreren verunglückten Personen kommt, muss die Besatzung entscheiden, um wen sie sich kümmert. Wenn es schwer verletzte Personen gibt, die mit der richtigen Behandlung eine hohe Überlebenschance haben, wird man vermutlich diese behandeln - auch wenn das bedeutet, dass noch schwerer verletzte Patienten mit geringerer Überlebenswahrscheinlichkeit nicht behandelt werden und ziemlich sicher versterben werden.

Das Abschießen eines Passagierflugzeugs muss von jemanden beschlossen werden. Im Endeffekt steht dann jeder, der das mitbeschlossen hat in Konkurrenz zu der Schuldfrage des Entführers bzgl. der Anzahl der Toten.

Das, was du hier machst, ist eine rein utilitaristische Entscheidung. Man wägt schlicht Menschleben gegeneinander auf. Damit ignorierst du den Konsequentialismus, die Goldene Regel und den Kant'schen Imperativ.

Der Entführer ist Schuld, wenn er das Flugzeug in die Menschenmassen navigiert.

Bei einem Abschuss müssen sich einige Menschen gegenüber den Angehörigen rechtfertigen, die umgekommen sind.

Bei keinem Abschuss müssen sich einige Menschen gegenüber den Angehörigen rechtfertigen, warum sie nichts unternommen haben.

Du musst moralisch auch berücksichtigen, wieviele Menschen in dem einen oder anderen Fall moralisch am Pranger stehen, wenn sie die eine oder andere Entscheidung treffen. Das zu ignorieren, ist auch unmoralisch.

Eigentlich möchte man Folgendes:

  • Insgesamt so wenig wie möglich Menschen, die sterben
  • Insgesamt so wenig wie möglich Menschen, die für das Sterben der Menschen verantwortlich sind.

Meine Lösungen:

Wenn ich Pilot wäre und einen Abschussbefehl bekäme, würde ich ihn wahrscheinlich nicht ausführen und mein Flugzeug auch abstürzen lassen, damit ich draufgehe. Die Schuldfrage wäre dann klar, aber es gibt niemanden mehr, der verurteilt werden kann, weder moralisch noch rechtlich.

Wenn ich Pilot wäre und keinen Abschussbefehl bekäme, hoffe ich, dass ich mein Flugzeug in das Passagierflugzeug steuere und dabei draufgehe. Die Schuldfrage wäre dann klar, aber es gibt niemanden mehr, der verurteilt werden kann, weder moralisch noch rechtlich.

Letzendlich liegt es immer final an denjenigen, die operieren und die Möglichkeit haben etwas zu tun oder zu verhindern, nicht an den "Schreibtischtätern". Moral lässt sich nicht einfach so abschütteln, nur weil man einen Befehl bekommen hat.

Du würdest also in jedem Falle Selbstmord begehen?

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@oelbart

Ich möchte das ein wenig erklären:

Es ist nicht so, dass ich mich jetzt ins Flugzeug setzen und dann einfach so handeln würde. Es gibt ja einfach so viele Entscheidungen davor, die man trifft, wo ich wahrscheinlich schon im Vorfeld gar nicht in die Situation komme.

Nur wenn ich mich entscheide, dann weiss ich auch, dass ich mit darauffolgenden Entscheidungen konfrontiert werde. Und die Frage ist, kann ich dannmit mit so einer Entscheidung leben. In der Situation würde ich hoffen, dass ich mich dafür entscheide, eine Situation zu schaffen, wo sich der Hass in der einen oder anderen Richtung auf etwas fokussiert, was dann doch nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann. Ein Pilot, der so oder so Befehle missachtet ist dann im Zweifel Schuld, egal was passiert. Dann kann man sich im Nachgang einfach nur darauf konzentrieren, wie man so eine Situation einfach nur hätte vermeiden können. Und ich hoffe, dass die Entscheidung dann nicht ist schießwütige Piloten an den Start zu schicken...

Es gab da ja so einen Film: Terror - Ihr Urteil. Im Nachgang gab es eine Talkshow "Plassberg". Ich bin in keinster Weise theologisch angehaucht. Aber Die Theologin in der Runde hat es auf den Punkt gebracht: EGAL wer wie welche Entscheidung trifft: NIEMAND kommt mit einer weißen moralischen Weste heraus. Es ist die Entscheidung zwischen Pest und Cholera und nicht die Entscheidung nach dem geringeren Übel. Am Ende würde ich mit dem Wissen lebend dem Hass der einen oder anderen Menschen ausgesetzt zu sein mich wahrscheinlich für den Exodus entscheiden und hoffen, dass nach mir sinnvollere Entscheidungen getroffen werden, um solche Situationen gar nicht erst aufkommen zu lassen.

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Ja, abschießen.

Es sterben auch sowieso mehr Menschen, als im Flieger sitzen.

Der Abschuss erfolgt über besiedeltem Gebiet.

Wie soll denn eine einzige Passagiermaschine alle 70.000 Menschen in der Allianzarena treffen können? Warum sollten alle Insassen des Flugzeuges sterben?

Zehn Minuten vor dem Absturzpunkt wird sich die Maschine bereits über bewohntem Gebiet befinden und ein Abschuss dort wahrscheinlich nicht viel weniger Menschen töten oder verletzen, als im Stadion.

Bis es aber so weit ist, ist jedwede Diskussion darüber müßig. Vermutlich liest auch keiner der Entscheidungsträger hier mit oder antwortet gar. Was ich finde bezüglich Deiner Frage, ist also nicht relevant.

Es sind ja aus irgendeinem Grund nur 170 Menschen Im Stadion

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ethisch eine ewiges plauder-Problem.

Ein Beispiel: was wäre, wenn der Entführer im Flugzeug gestoppt wird und es wegen Fehlkommunikation der Jetpilot nicht mitkriegt? Er schießt dann auf ein Flugzeug, das ungefährlich ist.

Ich persönlich sehe es so, dass man in solchen Situationen rational entscheiden sollte. Die Krankenkassen lassen auch wenige Menschen verrecken um die Gelder so zu verteilen, dass möglichst viele profitieren, das ist eben Effizienz.

Aber trotzdem denkt und fühlt der Mensch nicht rational.

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