Findet ihr die Keimbahntherapie sollte in Deutschland erlaubt werden?

... komplette Frage anzeigen

2 Antworten

Alle Auseinandersetzungen mit den Möglichkeiten der Keimbahntherapie, Keimbahnmanipulation oder -Modifiktion (KBT) müssen notwendigerweise spekulativ geführt werden. Denn anders als bei Überlegungen zur
Präimplatationsdiagnostik (PID), die man in der Bundesrepublik Deutschland vor Beginn einer KBT aufbauen müßte, kann weltweit niemand auf human-wissenschaftliche oder klinische Vorbefunde zurückgreifen.
aus: Pro und Contra Keimbahntherapie und Keimbahnmanipulation - Eine Literaturübersicht mit Kommentaren von Traute Schroeder-Kurth Übersicht: http://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-642-72288-2\_9


Das Verfahren steckt in der Erprobung und ist bislang weltweit noch nicht ein einziges Mal durchgeführt worden, weil die Forschungen dazu noch nicht abgeschlossen sind (Stand: 2013). In Deutschland wäre
die Keimbahntherapie verboten, weil sie unter das Embryonenschutzgesetz fiele.
aus: http://www.helpster.de/keimbahntherapie-pro-und-contra\_188363

Dies drüber ist ein guter verständlicher Text, der kurz das Thema zusammenfasst.

Präimplantationsdiagnostik (PID) ist die genetische Untersuchung eines Embryos vor dem Einsetzen in die Gebärmutter bei künstlicher Befruchtung. In der PID können mit speziellen Verfahren bestimmte und vorher ausgewählte Störungen und Fehlbildungen beim Ungeborenen festgestellt werden. Da die Nutzung der verschiedenen Untersuchungen Konsequenzen haben kann, ist es ist ratsam, sich vorher gut zu überlegen, welches Angebot man nutzen will. vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4implantationsdiagnostik


Contra: Welche Risiken birgt die Präimplantationsdiagnostik (PID)?

Es kommt vor, dass die Zellen des Embryos durch die Untersuchung geschädigt werden und daraufhin vernichtet werden. Daneben kann die Präimplantationsdiagnostik auch zu falschen Ergebnissen gelangen. Das bedeutet, dass gesunde Zellen eines Embryos fälschlicherweise für krank
gehalten werden können und die Embryonen nicht weiter zur künstlichen Befruchtung verwendet werden. Sie werden vernichtet. Auf der anderen Seite können Erkrankungen auch übersehen und der Frau Embryonen mit unerwünschten Eigenschaften in die Gebärmutter übertragen werden. Um die Ergebnisse der Präimplantationsdiagnostik zu überprüfen, schließen sich an eine erfolgreiche IVF oder ICSI mit PID daher oft Untersuchungen der pränatalen Diagnostik an, die mit weiteren Risiken für die Mutter und das Ungeborene verbunden sind.
aus: http://www.9monate.de/kinderwunsch-familienplanung/unerfuellter-kinderwunsch/praeimplantationsdiagnostik-pid-id94369.html

Aus medizinischer Sicht ist die PID ein aufwendiges, belastendes, wenig erfolgversprechendes und risikoreiches Verfahren:
Laut einer internationalen Erhebung wurden nur 14% der Paare, die sich einer PID-Behandlung unterzogen, nach mehreren Versuchen Eltern (ESHRE 2001). Dabei sind die Risiken durch die IVF beträchtlich: Viele Frauen haben schwere Nebenwirkungen durch die Hormonbehandlung. Dazu kommen Eingriffsrisiken und vermutlich ein erhöhtes Krebsrisiko. Weil meist mehrere Embryonen übertragen werden, kommt es gehäuft zu Mehrlingsschwangerschaften (27%) und Frühgeburten. aus: http://www.imew.de/de/imew-publikationen/imew-konkret/praeimplantationsdiagnostik/

Bei einer Embryobiopsie wird zuerst mit Hilfe von Säure, Laserlicht oder auf mechanischem Weg eine Öffnung in der den Embryo umgebenden Schutzhülle geschaffen. Anschließend werden dem Embryo mittels einer
Saugpipette eine oder zwei Zellen entnommen. Diese Zellentnahme verläuft nicht immer erfolgreich: In etwa 5 % der Biopsien gehen die abgespaltenen Zellen zugrunde und können nicht mehr genetisch untersucht werden. Demzufolge kann der betroffene Embryo grundsätzlich nicht mehr zu Fortpflanzungszwecken verwendet werden, weil nicht feststellbar ist, ob er den fraglichen Gendefekt trägt oder nicht.
In seltenen Fällen stirbt der Embryo direkt infolge der Biopsie ab. aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4implantationsdiagnostik#Embryobiopsie


Keimbahntherapie - Zusammenfassung:
- wissenschaftlich z.Z. nicht möglich
- ethisch bedenklich
- mit hohem Risiko für Mutter und Kind
- belasstend für die Eltern
- oft durch die medizinischen Eingriffe ein wesentlich höheres Risiko
- nur für wenige monogenetische bekannte Krankheiten möglich

Der Wunsch, ein wie auch immer gesundes (und perfektes) Kind zu bekommen, ist verständlich, kann aber medizinisch und technisch nicht erreicht werden. Die Versprechungen können groß sein und die weiteren Risiken auch.

Und, konnte ich weiterhelfen?

Gruß seniorix

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ja sie sollte erlaubt werden, natürlich erst wenn die entsprechenden Technologien ausreichend sicher sind, was noch ein paar Jahre dauern wird.

Die Keimbahntherapie ermöglich es uns das Ausrotten von Krankheiten gegen welche wir heute machtlos sind. Sie ermöglicht es uns sogar theoretisch unsere Evolution selbst in die Hand zu nehmen und Eigenschaften wie Krankheitsresistenzen künstlich zu erwerben. Diese Möglichkeiten aufgrund von Fortschrittsangst zu verwerfen wäre eine Schande.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?