Findet ihr den Nationalstolz gut oder eher nicht?

11 Antworten

  • Schwieriges Thema für Deutsche... seit der Nachkriegszeit ist "Stolz" nichts mehr, das gefördert und aktiv nach außen gelebt wird. Deutsche sind wesentlich weniger stolz auf ihr Land, auf ihre Staatsbürgerschaft und das, was man als eigene nationale Identität empfindet als andere Nationen.
  • Vor diesem Hintergrund unser aller Erziehung und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen werden die allermeisten Deutschen wohl sagen, dass sie vieles an Deutschland gut finden, dass sie gerne Deutsche sind, aber sie werden eher weniger davon sprechen, dass sie Nationalstolz empfinden oder "stolz sind, Deutsche zu sein".
  • Aus physiologischer und psychologischer Sicht ist Stolz das positive Gefühl, dass sich einstellt, wenn man selbst zufrieden mit seiner Leistung ist und dafür von anderen geachtet werden möchte. Es hebt also im allgemeinen auf das Spannungsfeld Leistung/Anerkennung ab. Stolz ist eine elementare, biologisch-evolutiv optimierte Emotion, die global und kulturübergreifend an Körpersprache einheitlich erkennbar ist.
  • Der Begriff Nationalstolz ergibt in dieser Definition vergleichsweise wenig Sinn, denn es fehlt die eigene Leistung, oftmals sogar die generelle Leistung. Man möchte für bloße Zugehörigkeit geachtet werden und sich gegenüber Dritten abgrenzen.
  • Konkret zu deiner Frage: Ich halte Nationalstolz im engeren Sinne insgesamt für eher negativ und nicht besonders wünschenwert. Im weiteren Sinne von "stolz auf gelebte Werte sein / stolz auf Erreichtes sein / stolz auf das sein, wofür das Land steht" kann man es gutheißen, wenn die Realität dies unterstützt. Ich finde es aber sehr negativ, wenn man Nationalstolz empfindet, obwohl objektiv betrachtet dafür keinerlei Grund herrscht.
  • Wenn Landsleute auf ein Land stolz sind, in dem offensichtlich Unrecht herrscht, Gesetze und Menschenrechte missachtet werden, soziale Konflikte zu eskalieren drohen, dann ist der stolz definitiv schlecht, denn er hindert daran, sich aktiv mit den Problemen auseinanderzusetzen. Stolz darf nicht einfach nur grundlos empfunden werden, sondern sollte auf tatsächlichen Errungenschaften beruhen.

Ich bin stolz auf mein Land und auf unser kulturelles Erbe. Und ich möchte ebenfalls meinen Beitrag zum Wohle unserer Nation leisten. Es sind ja nicht nur die Künstler und Regenten, die ein Land ausmachen, sondern vor allem auch die Handwerker, Beamten und die Angestellten, die Soldaten und die Sozialarbeiter, der kleine Mann und die kleine Frau eben.

Ich sehe allerdings immer einen Unterschied zwischen Staat und Nation, denn der Staat ist letzten Endes Produkt einer Regierung, während eine Nation das Produkt der ansässigen Volkes und seiner Kultur ist. Und ich bin sicher nicht auf jede Regierung hierzulande stolz, nur weil sie deutschstämmig ist.

Wenn man sich zum Beispiel auf Mozart beruft, wenn man seinen kulturellen Stolz als Deutscher ausdrückt und dann zu hören bekommt, dass man doch gar nicht darauf stolz sein könne, weil man zu keinem seiner Werke selbst etwas beigetragen hätte, dann muss ich dem entgegenhalten, dass Mozart ein patriotisch denkender Ehrenmann war und selbst einmal sagte:

„Was mich aber am meisten aufrichtet und guten Mutes erhält, ist, dass ich ein ehrlicher Deutscher bin.“

Ich finde Stolz auf sein Land super und total gerechtfertigt. In anderen Ländern hat man auch Nationalstolz und bei dem, was Deutschland alles Gutes in der Welt tut, ist Deutschland in meinen Augen das einzige Land, auf das man stolz sein kann. Aber nur Patriotismus. Nationalismus ist das genaue Gegenteil von gut. 🇩🇪🇩🇪

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