Finanzwirtschaft: Arbeitsmarkt - Berufe in der Zukunft?

4 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

das Verständnis von Digitalisierung ist nicht immer das, was dann auch in der Praxis so gehandhabt wird bzw. möglich ist. Es lässt sich nicht alles automatisieren und Strukturwandel bringt neue Möglichkeiten und Tätigkeiten mit sich.

Sicherlich wird angestrebt Workflows zu automatisieren und wenn das auf elektronischem Wege geht, schön! Früher dachte man auch, dass es mit der Rationalisierung in Fabriken sehr viele Menschen mit einem Jobverlust treffen würde. Einerseits war das auch so aber dann hat die Praxis gezeigt, dass das nur die halbe Wahrheit war. Viele dieser Menschen haben dann in anderen Bereichen gearbeitet, die es teils so vorher noch nicht gab. Es war eben ein Strukturwandel, der Arbeitsweise und Tätigkeiten der Menschen "verschoben" hat. Ähnlich kann man sich das auch bei der Digitalisierung vorstellen. Arbeitstätigkeiten von Menschen werden übernommen und neue Felder ergeben sich. Das bedarf natürlich einer Flexibilität der Menschen aber die Zeiten, wo Menschen nur einen Beruf gelernt haben und diesen dann das ganze Leben ausüben, sind für einen Großteil der Menschen sowieso vorbei. Von daher hast du sicherlich Recht, dass man annehmen könnte, dass ein höherer Prozentsatz der heutigen Jobs verschwindet. Nur lehrt einem auch die Vergangenheit, dass solch ein Strukturwandel dann neue Möglichkeiten mit neuen Tätigkeitsbereichen generiert.

Werden Analysten und Assetmanager, Investementbanker überhaupt noch in Persona verwendet werden oder sind Programme effizienter und günstige

Analysten sind wie Buchkritiker, sowas wird es immer geben. Lediglich die Hilfsmittel, derer man sich bedient, passen sich dem Fortschritt an und die notwendige Größe von Analystenteams könnte sich vielleicht nach unten verändern. In den 80ern hat man noch mühevoll Kurse ausgedruckt, per Hand Kursverläufe eingezeichnet und Mittelwerte mit Taschenrechner berechnet. Heute startet man das Chartprogramm und fügt einen Indikator hinzu. Selbst komplexere Simulationen komplexer Option-Strategien sind heutzutage möglich, wodurch verschiedene Zertifikate überhaupt erst möglich wurden.

Hinsichtlich Assetmanager und Investmentbanker muss man differenzieren zwischen einem Team, was rudimentäre Aufgaben abarbeitet (die dann automatisiert werden können) und Kernpositionen, worunter oben genannte zweifelsfrei gehören. Das sind Leute, die diese Bereiche anführen, wo alle Fäden zusammenkommen. Was optimiert wird sind die notwendigen Tätigkeiten, die deren Team zu erledigen hat und damit genügt ein kleineres Team für die gleichen Aufgaben. Viele quantitative Analysen passieren automatisch und der Manager generiert sich nur den aktuellen Report und weiss sofort Bescheid. Viele Analysen, die früher nur von Menschen ausgeführt werden konnten, können mittlerweile von KI-Software übernommen werden. Letztlich wird das aber nicht dazu führen, dass Analysten komplett ersetzt werden, lediglich deren Möglichkeiten Dinge zu betrachten weiten sich enorm aus. Allerdings ist Analyst als Berufsvorstellung auch nicht das, was man anstreben sollte.

Dann werden bei diesem Thema immer wieder Algorithmen genannt, die ja vollautomatisch handeln und den Menschen die Arbeit abnehmen. Das ist aber nur ein Teil des Bildes. Diese Algorithmen müssen geschrieben und iterativ weiterentwickelt werden. Für meine Handelssysteme z.B. führe ich intervallmässig statistische Berechnungen aus, basierend auf den sich ständig verändernden Märkten. Dann gibt es immer wieder das eine oder andere Infrastrukturproblem und all das kostet sehr viel Zeit aber von Menschen wird dennoch nur gesehen, dass Algorithmen eigenständig arbeiten ohne menschliches Eingreifen. Das ganze Drumherum ist ebenso viel Aufwand. Letztlich können solch automatische Trades mit Algos das manuelle Handeln an der Börse nicht wirklich ersetzen, sie ergänzen es lediglich und agieren auch in großem Maße als Liquiditätsprovider, was wieder für das manuelle Trading sehr wichtig ist.

Und was meint ihr wie schnell der Wandel der Finanzbranche kommen wird?

Seit den neunziger Jahren gibt es doch einen steten und schnellen Wandel, wo sich ständig neue Sachen und Möglichkeiten ergeben.

Kann man mit IT-Kenntnissen eine Zukunft in dieser Branche haben

Als IT-Berater und erst recht mit Fachwissen im Finanzbereich gibt es unzählige Möglichkeiten, die einem der Arbeitsmarkt da bietet. Das wird sich mit Sicherheit nicht großartig ändern, solange die Gesellschaft groß auf eine technische Infrastruktur angewiesen ist. Das einzige, was sich natürlich stetig ändern wird sind die Arbeitsbereiche und das notwendige Wissen. Seit einigen Jahren kann man Software entwickeln, in dem man mit UML Activity-Charts modelliert und dann der Code (wenn auch teils nur Stubs) generiert wird. Designer modellieren das, Entwickler spezifizieren dann die Schnittstellen und füllen die Komponenten mit der Funktionalität. Spätere Änderungen am Workflow lassen sich per Programm sehr schön definieren und umsetzen. Auf diese Weise sind Softwarearchitekturen handhabbar geworden, was früher nicht der Fall war und wenn dann nur mit mühseligem Suchen nach Bugs. Viele Programmierer programmieren nicht mehr ausschliesslich, sondern spezifizieren und modellieren auf einer Metaebene den Workflow. Das ist auch eine Art Shifting hin zu komplexeren, anspruchsvolleren Systemen, die früher nicht möglich waren.

So gesehen ist der IT-Bereich einer ständigen und schnellen Umwälzung unterworfen, genauso die Finanzindustrie, wo sehr viel Software und Infrastruktur im Hintergrund notwendig ist. In dem Bereich mit solidem Wissen aufzuwarten kann einem sehr viele Türen öffnen und ich spreche da aus Erfahrung.

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Danke, schätze deine Prognose sehr. Meinst du, dass sich in naher Zukunft die aktuelle Konstellation fortsetzt, und IT-Experten mit Finanzexperten zusammenarbeiten und erst in etwas fernerer Zukunft, wenn die ganzen Systeme weiter vereinfacht wurden, beide Wissenschaften in einem Beruf fusioniert werden? Nichts desto trotz sind schon heute in der Finanzbranche die IT-Kentnisse notwendig und mit den IT-Experten effizient kommunizieren zu können denke ich.

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@02567

Diese IT-Experten gibt es ja in den unterschiedlichsten Bereichen und der Finanzsektor ist ja nur einer von vielen. Fusionierung, also nicht wirklich aber es gibt natürlich welche, die vermehrt im Finance-Bereich arbeiten und dann verstärkt von Banken als Berater eingekauft werden. Man kann sich im Studium z.B. entsprechend spezialisieren. Vor Jahren war man immer sehr interessiert an welche, die sich mit Matlab auskennen, wenn es darum ging bestimmte mathematische Modelle zu erstellen und das in die IT-Umgebung zu integrieren.

Grundsätzlich haben größere Firmen meist eine eigene IT-Abteilung mit einer Stammbesetzung, die dann projektbasiert über externe IT-Berater ergänzt wird und bei Finanzsachen braucht es dann eben auch Berater auf diesem Gebiet. Die werden dann auch eingekauft und ergänzen das Beraterteam der Firma. Auch wenn das hohe tägliche Tagessätze sind und oft auch Jahre dauert, ist das gängige Praxis und wird von vielen Firmen so gehandhabt.

Bei größeren Softwareprojekten ist es dann meist so, dass die fachlichen Spezialisten entsprechende Spezifikationen / Pflichtenhefte schreiben und das auf Basis von Workshops, wo die angestrebten fachlichen Prozesse wochenlang mühselig erarbeitet werden. Da sitzen dann eher die Berater der Fachteams der Firma und der Kunden, nur ab und ab auch Entwickler. Dahingehend gibt es schon eine klare Trennung zwischen den fachlichen Beratern (für Finance) und den Entwicklern, die dann nur umsetzen. Je größer die Firma umso strukturierter und somit klarer die Trennung zwischen Fachteam und IT-Berater, die dann "nur" umsetzen.

Nichts desto trotz sind schon heute in der Finanzbranche die IT-Kentnisse notwendig und mit den IT-Experten effizient kommunizieren zu können

da gibt es ja unterschiedlichste Konstellationen vom Analysten und Fondsmanager, der ein kleines Team hat, das zuarbeitet bis hin zu größeren Institutionen, wo größere Teams an entsprechenden Algos schreiben oder dem Eigenhandel beim Privattrader, der alles in einem ist. Da ist die von dir angesprochene Kommunikation natürlich am effizientesten.

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Gute Frage, klar ist das jeder dessen Aufgabe es ist, Daten in einen PC einzugeben, arbeitslos werden wird. Auch wird jeder arbeitslos dessen Aufgabe es ist Daten zu analysieren und Aufgaben hat die Algorithmen mindestens genau so gut können.

Ja wer bleibt dann noch übrig in der Finanzbranche 🤔 der Vorstand und die Geschäftsführung inklusive sexy Sekretär/in, die IT, der Hausmeister und die die sich neue Produkte und Dienstleistungen ausdenken.

Meiner Meinung nach werden nur noch folgende Jobs bleiben.

Bereiche:

  • E-Commerce Bereich
  • Sachbearbeiter
  • IT-Berufe
  • Manager
  • Geschäftsführer
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In welchem Zeitrahmen siehst du uns in dieser Situation angekommen?

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@02567

Ich denke dass 2030 genau das schon eingetroffen ist eher sogar schon 2028

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