Finanzkrise in Griechenland - Wie hat alles angefangen und was sind die Gründe dafür - Lösungsvorschläge?

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6 Antworten

Das ist so einfach in ein paar Sätzen nicht zu beantworten, da die Gründe sehr vielschichtig sind.

Zum Einen sind Klientelismus und Korruption in Griechenland weit verbreitet und werden von breiten Schichten der Gesellschaft auch nicht als wirkliche Kriminalität angesehen. Dies führt dazu, dass viele Entscheidungen, die getroffen werden, jemanden begünstigen, aber zum Nachteil der Allgemeinheit ausfallen. Der Staatsapparat ist nicht zuletzt deshalb so aufgebläht, weil viele Posten nicht notwendig sind sondern nur als Gefälligkeit für einen Bekannten/Verwandten etc. geschaffen wurden.

Weiter ist die griechische Wirtschaft schon seit vielen Jahren einfach nicht konkurrenzfähig. Die Produktivität hängt den Lohnforderungen weit hinterher. Die Folge sind hohe Lohnstückkosten, nur geringe Absätze und damit verbunden einfach viel zu wenig Arbeitsplätze.

Ebenfalls sehr verbreitet in Griechenland ist Steuerhinterziehung. Auch diese wird von breiten Bevölkerungsschichten als Kavalliersdelikt angesehen.

Im Grundsatz haben die Griechen nicht das Staatsverständnis, welches in Deutschland die Regel ist. Dem Staat wird misstraut. Hieraus rühren Mitnahmeeffekte und "Steuervermeidung".

Griechenland hat nicht erst seit ein paar Jahren Probleme. Griechenland war eigentlich immer klamm oder pleite. Daher finden sich auch nur wenige Investoren, die in Griechenland etwas aufbauen wollen. Zu Zeiten der Drachme wurde diese mehrfach abgewertet, was externen Investoren extrem weh tut. Mit Einführung des Euro kam Griechenland an billige Kredite. Es wurden Wirtschaftsförderprogramme aufgelegt und die Wirtschaftsleistung stieg rasant an. Dieses Wachstum wurde jedoch auf Pump erkauft. Wachstum auf Pump treibt Löhne und Preise nach oben.

In der weltweiten Finanzkrise brach dieses Kartenhaus zusammen. Die Löhne und Staatsausgaben blieben nach wie vor hoch, die Umsätze der Unternehmen jedoch brachen ein. Eine Pleitewelle war unvermeidbar. Die Folge davon sehen wir heute. Massenarbeitslosigkeit, Armut und ein katastrophaler Staatshaushalt.

Will Griechenland im Euro bleiben, müssen die Löhne noch weiter runter. Sie müssen so weit runter, dass griechische Produkte wieder konkurrenzfähig sind. Mit sinkenden Löhnen werden auch die Preise wieder sinken. Das dauert alles seine Zeit, ist aber unerlässlich. In Griechenland hängt alles an der Arbeitslosigkeit. So lange die Unternehmen nicht konkurrenzfähgig sind, solange sie nicht expandieren können, wird die Arbeitslosigkeit anhalten. Mit dieser hohen Arbeitslosigkeit kommt Griechenland niemals auf einen grünen Zweig.

Ob man Griechenland irgendwann einen Schuldenschnitt gewährt, das muss sich noch zeigen. Aber der Schuldenschnitt ist nicht die Lösung des Problems. Er kann nur eine Begleitmaßnahme sein.

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Diagnose : Kapitalismus -> Therapie : Anarchie :)

Wie hat alles angefangen? Das kommt ganz darauf an wen du fragst, und wem der jenige Mensch den du fragst, die Schuld geben will. Tatsache ist, dass in Griechenland die Korruption ein sehr großer Faktor ist. Tatsache ist aber auch, dass die deutsche Politik, mit ihrer eigenen Korruption noch zusätzlich Kohlen ins Feuer geworfen hat. Stichwort Bankenrettung bzw. Troika.

Ich denke wirklich, dass die diversen "Krisen", die es in der Vergangenheit gab und auch in Zukunft geben wird, systemimmanent sind. Daher sehe ich eine mögliche Lösung nur in der Grundlegenden Veränderung des globalen Wirtschaft- und Herrschaft-Systems.

So weit so allgemein. Ich würde dir jetzt gerne ein Buch zum Thema empfehlen. Allerdings wird es nicht reichen nur eines davon zu lesen.

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Kommentar von MeineKarriere
27.01.2016, 12:29

Danke dir erstmal. Kannst du mir trotzdem noch das Buch nennen ?

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Kommentar von Interesierter
27.01.2016, 12:44

Ob Anarchie die Lösung ist, wage ich dann doch zu bezweifeln.

Frei nach den Grundzügen von Georg Wilhelm Friedrich Hegel.

Einsicht in die Notwendigkeit einer Sache bewirkt die Freiheit ihr
gegenüber, weil sie dann nicht mehr als Zwang, sondern als Bedürfnis empfunden wird.

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Die Ursachen der Griechenland-Krise liegen weit in der Vergangenheit und sind komplex. Das simple "Man darf eben nicht mehr ausgeben, als man einnimmt"(was in Bezug auf Staaten nicht stimmt; entscheidend ist das Verhältnis von Haushaltsdefizit und BIP) der Austeritätsjünger beschreibt das Problem nicht.

Griechenland hat viel mehr schwerwiegende strukturelle Probleme. Dazu gehören z.B. weit verbreitete Korruption, ein schlechtes Bildungssystem(Qualifikation der Arbeitskräfte ist ein wichtiger Standortfaktor) und eine allgemein stark regulierte Volkswirtschaft. 

All das führt zu einem Mangel an Wettbewerbsfähigkeit. Solange es keinen gemeinsamen Binnenmarkt gab, stellte das kein Problem dar; Griechenland konnte dieses Defizit durch Protektionismus ausgleichen. Und auch nach dem Eintritt in den gemeinsamen Binnenmarkt konnte Griechenland ohne Euro immer noch durch Abwertung der Währung die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Seit es den Euro gibt, gibt es für Griechenland keine Möglichkeit des Ausgleichs mehr.

Diese wirtschaftlichen Probleme sind auch eine der Ursachen für die hohe Staatsverschuldung: Einerseits führt eine schwache Wirtschaft automatisch zu einer höheren Staatsschuldenquote(weniger Steuereinnahmen, geringeres BIP-Wachstum, mehr Ausgaben für z.B. Arbeitslose). Andererseits war die griechische Politik häufig gezwungen, die Wirtschaft mit Geld zu unterstützen.

Das schwerste Problem Griechenlands ist aber wohl die starke Schattenwirtschaft. 20-30%(schätzungsweise, genau weiß man es natürlich nicht) des griechischen BIP werden im informellen Sektor erwirtschaftet. Einerseits entgehen dadurch dem Staat natürlich massenhaft Steuereinnahmen. Andererseits aber hat diese starke Schattenwirtschaft auch negative Auswirkungen auf die Volkswirtschaft, die die wirtschaftliche Entwicklung bremsen.

Zusammengefasst also: Das Spardiktat, dem Griechenland unterworfen wurde, ist sinnlos. Es hat die Lage tatsächlich noch verschlimmert, da es zu einem Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft geführt hat.

Notwendig wäre es dagegen, die Schattenwirtschaft zu bekämpfen, gegen Korruption vorzugehen, das Bildungssystem zu verbessern und Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit durchzuführen. Das ist bisher aber nicht geschehen, stattdessen wurde den Griechen das "Strukturanpassungsprogramm" des IWF aufgezwungen. Dieses hat nachweislich keine positiven Auswirkungen auf die Wirtschaft eines Landes. 

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Kommentar von Interesierter
27.01.2016, 12:52

Ich denke mal, mit dem Thema "Wettbewerbsfähigkeit" hast du schon den Nagel auf den Kopf getroffen. Auch die Schattenwirtschaft in Griechenland ist enorm.

Wo ich aber mit dir nicht einer Meinung bin, ist das Thema Austerität.

Um eine Volkswirtschaft wettbewerbsfähig zu machen, müssen die Lohnstückkosten stimmen. Das tun sie in Griechenland definitiv nicht. Sie sind viel zu hoch.

Hier könnte man nun auf zweierlei Wegen ansetzen. Man könnte die Produktivität erhöhen. Nur wie? Dazu sind riesige Investitionen nötig. Ob sie sich rechnen, weiss kein Mensch. Du bekommst das Geld dafür nicht zusammen. Ausserdem würde ein Großteil davon wieder in die braven Patschehändchen wandern, die so gerne und großzügig gefüllt sein wollen.

Die Alternative sind sinkende Löhne. Schauen wir in andere Länder. Es gibt viele EU-Länder, die niedrigere Löhne haben, als Griechenland. Deren Wirtschaft läuft. Auch die Preise, die letztlich die Produktionskosten widerspiegeln, würden zeitversetzt sinken. Mit sinkenden Preisen würden griechische Produkte wieder wettbewerbsfähig. Wachstum und Beschäftigung könnten so generiert werden.

Die IWF-Ansätze haben bisher in praktisch allen Staaten funktioniert, nur nicht in Griechenland.

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Weil korrupte Regierungen Geld ausgegeben haben was sie nicht hatten. Um wieder gewählt zu werden. Mit der Einführung des Euro waren Kredite verlockend (zu) billig.

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Lösungsvorschlag Griechenlands aus dem Euro austreten ganz einfach. Wie hat es angefangen die griechische Wirtschaft hat eine andere Form mit Geld umzugehen als die deutsche und die Deutschen wollen ihre Form von Sparen beibringen

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Kommentar von TheApfeluhr
27.01.2016, 12:01

Oder besser gesagt diktieren

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Kommentar von Lennister
27.01.2016, 12:28

Ein Euroaustritt Griechenlands würde zu einer humanitären Katastrophe und einer Staatspleite Griechenlands führen. 

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Kommentar von Interesierter
27.01.2016, 12:34

Und du meinst, wenn Griechenland aus dem Euro ausgetreten ist, dann ist alles in Butter?

Ich denke mal, hier irrst du dich. Auch nach einem Austritt ist Griechenland immer noch pleite.

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sie haben über jahre immer mehr geld ausgegeben als sie einnahmen hatten.

die lösung ist weniger auszugeben als man einnahmen hat

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Kommentar von Lennister
27.01.2016, 12:09

Oh je. Wieder einer, der keine Ahnung hat. 

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