Finanzierung von akademischen Zusatzveranstaltungen?

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1 Antwort

Hallo Melanie!

Für jegliche Art von Personal, ja sogar für jegliche Art von Ausgaben, gibt es an den Hochschulen im Grunde zwei Finanzierungsmöglichkeiten: Haushaltsmittel und Drittmittel.

Haushaltsmittel sind die "normalen" Mittel, die eine Hochschule zur Verfügung hat. Diese werde im Voraus (ein Jahr oder auch länger) entsprechend den zu erwartenden Bedarfen der einzelnen Fakultäten und der gesamten Hochschule geplant, dem Landesministerium vorgelegt und bestenfalls in vollem Umfang bewilligt. Die Planung findet in den Haushaltskomissionen der einzelnen Fakultäten und der Universität als Ganzes statt.

Die Drittmittel wiederum sind davon unabhängig und werden von der Universität oder einzelnen Fachbereichen durch Anträge eingeworben. Dazu gehören auch Mittel aus dem Qualitätspakt Lehre oder z.B. von der DFG, die zwar auch alle staatlich sind, aber eben auf Bundes- und nicht auf Länderebene angesiedelt sind. Diese Mittel sind in der Regel projekt- und zweckgebunden. (Man kann natürlich auch über die Privatwirtschaft Drittmittel einwerben.)

Die von dir angesprochene Zweckbindung trifft auch für die Haushaltsmittel zu, denn die Hochschule kann z.B. nicht Mittel für die Gebäudinstandhaltung in die Finanzierung der Lehre eines einzelnen Instituts umschichten. Aber ist z.B. innerhalb eines Lehrstuhls laut Haushaltsplan die Summe X für Hilfskräfte vorgesehen, dann liegt es in der Praxis am Lehrstuhl, wie diese Mittel nun tatsächlich eingesetzt werden.

Und damit sind wir bei den Tutoren. Diese sind üblicherweise studentische oder (wenn sie schon einen Bachelor haben und z.B. im Rahmen eines Master-Tutoriums angestellt werden) wissenschaftliche Hilfskräfte und werden damit auch über die Mittel des Lehrstuhls finanziert, an dem sie arbeiten. Diese Kosten wurden aber, wie gesagt, schon im Voraus geplant, denn Tutorien finden üblicherweise sehr regelmäßig und planbar statt. Und wenn doch einmal spontan eine studentische Hilfskraft benötigt wird, dann finden sich meist Möglichkeiten, diese noch über Umschichtungen am Lehrstuhl zu finanzieren.

Das Problem der Beständigkeit ist es nun, das die Finanzierung von Tutorien für die Lehre eines bestimmten Instituts oder Lehrstuhls über Drittmittel in der Regel ausschließt. Denn man kann nicht über zeitlich begrenzte Drittmittel die dauerhafte, grundständige Lehre finanzieren. Man muss bei der Verwendung von Drittmitteln also darauf achten, dass diese a) möglichst vielen zu Gute kommen und dass sie b) so eingesetzt werden, dass durch zeitlich begrenzte Maßnahmen langfristige Effekte entstehen.

An wen kannst du dich nun also wenden?  Suche den Kontakt zu dem Lehrstuhlinhaber, in dessen Bereich deine Idee fällt. Die Professoren und Dozenten kenne sich mit der Antragstellung und den notwendigen Formulierungen aus und wenn dein Vorschlag die Unterschrift eines Professors trägt, dann ist das auch nie verkehrt. Wenn du etwas  Institutsübergreifendes planst, dann kannst du dich auch an den Studiendekan deiner Fakultät wenden. Dieser ist für alles, was das Studium aus Studentenperspektive betrifft, zuständig. Und zu guter Letzt musst du wissen, dass in allen Gremien der Fakultät und Hochschule auch studentische Vertreter sitzen, die stimmberechtigt sind. Diese sind in der Regel auch hochschulpolitisch sehr fit.

Außerdem erkundige dich, wer die QSL-Mittel an deiner Hochschule vergibt
bzw. wo die Anträge eingereicht werden müssen. Dort findest du wahrscheinlich auch schon Hinweise zur Antragstellung.

Und zum Schluss noch ein Hinweis: Gib die Tutoren-Idee nicht gleich auf. Ich habe zwar geschrieben, dass eine Finanzierung über die QSL-Mittel wahrscheinlich nicht möglich ist, aber ich habe gerade an großen und gut ausgestatten Hochschulen schon mehr als ein drittmittelfinanziertes Tutorenprogramm völlig ohne Nachhaltigkeitskonzept gesehen. Am Ende kommt es auf die Formulierung im Antrag an und dabei helfen dir bei einer guten Idee sicher die Professoren deines Lehrstuhls und deiner Fakultät.

Beste Grüße und viel Erfolg!

PS: Danke für die interessante und ausführlich formulierte Frage!

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Kommentar von DieMelanie
13.07.2017, 09:40

Danke für diese sehr ausführliche und gute Antwort, das hatte ich ehrlich gesagt gar nicht erwartet. :D

Ich werde an der Sache dran bleiben und schauen, ob sich da etwas machen lässt. Ich werde von einem solchen Programm zwar nicht mehr selbst profitieren können, weil ich zum ältesten Jahrgang unseres relativ neuen Studienganges gehöre, aber erstrebenswert finde ich zumindest den Versuch trotzdem.

Liebe Grüße

Mellie

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