Feuchte Wände, nasse Fenster

9 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Naja, neue Fenster im Altbau... Vermutlich waren vorher Kastenfenster eingebaut, die eine Einbautiefe von gut 20cm hatten, was bedeutet, dass an der Fensterlaibung die warme Innenraumluft 20cm von der kühleren Außenluft durch das Kastenfenster getrennt war. Nebenbei boten die Kastenfenstenster bedingt durch die zwei voneinabder entkoppelten Rahmen einen hervorragenden Schallschutz, den nur noch moderne (und teure!) Schallschutzfenster erreichen. Schallschutz sollte vielleicht gerade in Berlin nicht unwichtig sein. Besser wäre es gewesen, nur die inneren Fensterflügel energetisch zu sanieren.

Naja, die Fenster sind in dem Haus nun Geschichte. Die neuen Fenster bieten mit nur noch ca. 8cm Einbautiefe eine wesentlich größere Wärmebrücke am Anschluss Rahmen/Wand. Wenn hier der Rahmen nicht ordentlich hinterfüttert wurde, die Fensterlaibung nur billig mit Gipsputz (der speichert viel Wasser) verputzt wurde und keinerlei Laibungsdämmung eingesezt wurde und die Raumluftfeuchte durch die luftdichten Fenster noch angestiegen ist, dann gibt es Schimmel an der Fensterlaibung durch Raumluftkondensat.

Es gibt zur Lösung verschiedene Wege. Grundsätzlich gleichmäßig durcheizen und regelmäßig lüften. Zum einen kann die innere Oberflächentemperatur durch etwas kapillararaktive Dämmung angehoben werden. Hier bieten sich Kalziumsilikatplatten (gibts z.B. bei Holz-Possling) an. Die sind teuer und deshalb nur an Problemstellen wirtschaftlich einsetzbar. Dadurch geht weniger Heizwärme an der Laibung verloren, die innere Oberflächentemperatur steigt, was Kondensat verhindern kann.

Viellleicht ist das Fensterbrett zu breit und verhindert, dass der Heizluftstrom die Fensterlaibung ausreichend erwärmen kann, oder der Warmluftstrom wird anderweitig eingeschränkt (Zimmerpflanzen, Vorhänge vor der Heizung, etc.)

Jetzt gehts an die Physik: Die Heizung bietet zu wenig Wärmestrahlung. Wärmestrahlung erwärmt direkt die Oberflächen und lässt die Raumluft kühler. Warme Wände ergeben eine höhere Behaglichkeit im Raum, da der Mensch mit den Umgebungsflächen im Strahlungsaustausch steht. Die Raumlufttemperatur ist zweitrangig. An warmen Oberflächen gibt es von kühlerer Raumluft kein Kondensatausfall. Schimmel kann also nicht mehr entstehen!

Einen hohen Strahlungsanteil bieten Öfen, Flächenheizung (Wand/Boden), Heizleisten und der Plattenheizkörper Typ 10 (ohne Konvektionsbleche).

Nun ist der Einbau eine Laibungsdämmung, das Kürzen des Fensterbrettes oder Änderungen an der Heizanlage Vermietersache und aus eigenen Erfahrungen: Vermieter können sich viel Zeit lassen...

Ich hatte ähnliches Problem im Berliner Altbau ungedämmt mit neuen Isoglas-Holzfenstern. Beim Einzug roch es schon muffig. Durch regelmößiges Lüften in den Griff bekommen. Im ersten Winter dann Schimmelbildung an der Außenwand. Schimmelsanierung durch Vermieter - Putzaustausch, vermutlich Neuverputz mit Kalkputz.

Nach zwei Jahren erneuter Schimmelbefall an gleicher Stelle trotz regelmäßigen Lüftens. Rumgegoogelt und bei Konrad Fischer hängen geblieben. Er empfahl die Herausnahme von 10cm Gummidichtung oben am Fenster. Skeptisch wie ich war überlegte ich mir die Maßnahme eine ganze Weile. Weil sich die Vermietung jedoch weiterhin nicht regte, griff ich zur Selbsthilfe und entfernte 12cm Gummidichtung der oben im Holzfenster lose eingelegten Dichtung an allen Fensterflügeln meiner Mietwohnung. Mit der Kerzenflamme kontrollierte ich auf Zugluft - alles ok.

In den folgenden Wochen stellte sich folgender Effekte ein: Im Bad trockneten die Handtücher schneller ab, es gab kein Kondensat mehr unten am Isoglasfenster. Es roch nicht mehr muffig. An der Außenwand wuchs der Schimmel nicht mehr weiter. Meine Frau (immer sehr temperaturempfindlich) stellte die Temperatur um 1-2 Grad niedriger ein - offensichtlich bei gleicher Behaglichkeit. Die Heizkosten blieben gleich.

Ich begann nach den Ursachen zu forschen, warum sich diese Effekte einstelllten.

Durch die Stoßlüftung vorher kam es zur Kondensation an der kühlen Stelle, da vor dem Lüften eine hohe Raumluftfeuchte herrschte. Da ich berufstätig war, war eine stündliche Lüftung nicht möglich. Feuchte Oberfläche führt zur Auffeuchtung der Wand dahinter. Die feuchte Wand bekommt nun einen schlechten Dämmwert, noch geringere Oberflächentemperaturen, noch mehr Kondensat auf der Oberfläche. Ein Teufelskreis.

Durch die leichte Permanentlüftung kam es nun nicht mehr zu diesen Feuchtespitzen. Es gab keine Ansammlung von Feuchte in der Raumluft, da die Feuchte permanent abgeführt wurde. Es bildete sich kein Kondensat mehr. Die Wand trocknete aus, das Schimmelwachstum stoppte, der Dämmwert erhöhte sich, die Wandoberfläche wurde wieder wärmer, die Raumtemperatur konnte gesenkt werden.

Ich war zufreiden mit dem Tipp von KF, aber jeder kann selbst entscheiden. Am sinnvollsten ist natürlich die Umstellung der Heizanlage auf viel Strahlungswärme, möglichst im Zusammenhang mit der Rohrführung vor allen (!) Außenwänden, aber das kostet Geld...

... hast ja ächt nen schönen Roman geschrieben ...

0
@AgeRestricted

Leider gabs nicht mehr Zeichen. :-) Schimmelbildung ist halt immer ein komplexes Problem mit verschiedenen Lösungsansätzen. Eigentlich müsste mas es sich vor Ort ansehen, hier sind nunmal nur allgemeine Ratschläge und Hinweise möglich.

0

Wow, is ja interessant... aber ich glaube in dem Falle verzichte ich mal auf Selbstjustiz. Ich wohne erst seit November in der Wohnung und weiß leider nicht wie die Situation beim Vormieter war bzw. wie der gelüftet hat. Und ob ich überhaupt die Chance auf Besserung habe, wenn selbst der Keller schimmelig is und somit die Feuchtigkeit von unten nach oben zieht?

0

Hallo, wende Dich nochmals, ggf. schriftlich, an den Vermieter und weise auf die Verschlimmerung hin. Dokumentiere und fotografiere sie. Offensichtlich wurden die Wände nicht richtig trocken gelegt, und bei der Renovierung geht das auch gar nicht. Die Ursache der Schäden wurde schon ausführlich erklärt. Der Schimmel muss schnell und fachmännisch entfernt werden; ggf. muss ein Gutachten erstellt werden. Schalte notfalls den Mieterschutz oder einen guten Anwalt für Mietrecht ein (Rechtsschutz?) . Alles Gute.

... NEE ! ... die Feuchtigkeit kommt von innen ! ... nämlich weil die Wand und das Fenster-Glas von außen her kalt und nicht isoliert ist .. besonders an den Fenster-Ecken .. bildet sich Kondens-Wasser .. wodurch ein günstiges Mileu für einen Schimmel-Pilz entsteht ! ... der meistens schwarz ist ... der Hausbesitzer müßte Thermoglas-Fenster einbauen .. und womöglich noch die Wand isolieren .. von innen oder von außen .. damit es nicht mehr kondensiert ... Lüften bringt garnix auf die Dauer ! ...

hilfe! Feuchte wände!(wasserschaden) und keine versicherung!

hab eben gesehen das oben an der wand übern Fenster Feuchtigkeit runter geflossen ist mittlerweile ist es so gelblich angetrocknet! (bild)

Entweder ist es vom Nachbarn über mir.... oder von außen (regen... obwohl es in den letzten 2wochen nicht geregnet hat!!) deswegen denke ich eher vom nachbarn!

wie läuft das jetzt ich hab nämlich keine versicherung brauch ich überhaupt eine ? (es ist ja nicht mein verschulden) muss es der vermieter zahlen wenn da was zu machen ist ?

oder wie läuft das ganze ???

...zur Frage

schimmel/feuchte wände

hallöchen sind vor knapp 2monaten eingezogen.haben festgestellt das wir im schlafzimmer inder ecke(außenwand)im bad sehr feuchte wände. in der küche unterm fenster der fließenspiegel is ab und zu nass,kinder zimmer ecke hab ich heu erst gesehn.....vermieter sind informiert laut bau gutachter wär nix an der außenwand.wo solls denn her kommen?welche rechte hab ich?

...zur Frage

Feuchtigkeit in Betondecke Neubau höher als an den Wänden Normal?

Hallo. Ich habe die Feuchtigkeit meiner Wände und Decken mit einem Feuchtigkeitsmessgerät gemessen. Die Wände (Ziegel) zeigen einen Wert von im Schnitt 55 Digis an. Also normale Feuchtigkeit. Nicht zu feucht. Jedoch an den Decken (Betondecke) zeigt das Gerät bei allen Räumen Werte von 65 bis 70 Digis an. Also viel höher als bei den Wänden.

Frage: Ist es normal, dass die Feuchtigkeit an den Decken höher ist als an den Wänden?

PS: Wir haben Fussbodenheizung. Bau ist 1 Jahr alt. Es wurde richtig geheizt und gelüftet.

Danke

...zur Frage

Was möchtest Du wissen?