Feuchte Wände in EG-Wohnung (kein Keller)

4 Antworten

Leider gibt es keine Angaben über die Art der Beheizung des Hauses, bzw. der Wohnung.

Die erdberührten Aussenwände bekommen an ihrer inneren Oberfläche in der Sommersaison annähernd die Temperatur des Erdbodens (ab etwa 1m Tiefe - dauerhaft ca. 8-10°C), da die Wandbereiche durch keine Wärmequelle auf ein höheres Temperaturniveau gehoben werden.

Im Sommer hat die Aussenluft eine hohe alsolute und oft auch relative Feuchte. Durch das Lüften, aber auch durch (Luft-)Undichtigkeiten des Hauses an Türen, Fenstern und Entlüftungen, gelangt diese feuchtwarme Luft in die Wohnung. An den kühleren, erdberührten Wandabschnitten kann es zu Auffeuchtungen bis zur Kondensatbildung kommen, da sich hier die warme Luft abkühlt, wobei die relative Luftfeuchtigkeit noch weiter ansteigt. Durch diese Auffeuchtungsvorgänge kann der Feuchtewert des Mauerwerks erheblich ansteigen, was den Dämmwert stark absinken lässt. Bereits 4% Feuchte am Vollziegel mindert den Dämmwert um 50%, bei 10% Feuchte am Vollziegelstein ist der Dämmwert bereits um 77% gemindert (nach J.S. Cammerer). Durch verringerten Dämmwert wird auch stärker die im Winter vorhandene Heizwärme nach außen abgeführt, so dass sich die innere Wandoberfläche durch Beheizung auch unter Umständen nicht ausreichend (über die Taupunkttemperatur) erwärmen kann.

Das über die sommerliche Lüftung mit der Sommerkondensatbildung in der Wand eingespeicherte Wasser kann ursächlich für die hohen winterliche Raumluftfeuchten sein, da muss der Mieter nicht zwangsläufig schlecht lüften. Durch die folglich hohe Luftfeuchte in der gesamten Wohnung kann sich nun auch an anderen - nicht erdberührten - Aussenwandflächen im Winter Schimmel bilden (vorrangig Ecken). Da der Vollziegelstein beispielsweise ein Porenvolumen von 23% hat, kann dieser weit über 100 Liter Wasser pro Kubikmeter einspeichern.

Sofern keine schwerwiegenden Defekte der Aussenabdichtung vorliegen, was ich nicht denke, da in der Fragestellung bereits geschrieben wurde, dass die Feuchtigkeit bei Beheizung - also offensichtlich im niederschlagsreicheren Winterhalbjahr - geringer wurde, kann das Feuchteproblem in der Wohnung mit dem gezielten Wärmeeintrag dauerhaft gelöst werden. Es bedarf vermutlich keiner weiteren (teuren und oft nutzlosen) Abdichtungsmaßnahmen.

Im Winterhalbjahr ist die Wohnung teilweise vom "warmen" Erdreich umgeben, was die Heizkosten mindert. Nun sollte man sich über diesen erfreulichen Umstand nicht zu früh freuen, denn diese Wärmemenge muss nun im Sommer der erdberührten Wand zugeführt werden, um hier Kondensat zu vermeiden und Feuchte im Wandquerschnitt zu verdrängen.

Eine Temperierleitung kann hier sehr hilfreich sein (siehe: temperierung.net). Die Temperierleitung ist ein Heizrohr, welches dicht unter der Putzoberfläche verlegt wird und den Sockel der Wand mit Wärme versorgt. Trifft Luft auf eine wärmere Wandfläche, so erwärmt sie sich daran, wobei die relative Luftfeuchtigkeit sinkt und die Luft dadurch in der Lage ist, die Wandfläche zu entfeuchten. Es kommt NICHT mehr zur Auffeuchtung und NICHT mehr zur Kondensatbildung. Damit gibt es keinen Schimmel mehr durch Raumluftkondensat. Durch die Temperierleitung sollte die Wandoberflächentemperatur nur geringfügig über die Raumlufttemperatur gehoben werden, wozu nur eine geringe Wärmemenge benötigt wird. Der Raum selbst wird dadurch also im Sommer nicht beheizt.

Generell sollte die Art der Beheizung geprüft werden. Es gibt Heizsysteme, die auf viel Warmluft setzen (der klassische Heizkörper unter dem Fenster) und Heizsysteme mit einem hohen Anteil an Wärmestrahlung - Flächenheizungen. Die hydraulische Heizleiste (mal googeln!) als "Sonderbauform einer Strahlungsheizung" bietet ebenfalls einen hohen Anteil an Wärmestrahlung und ist besonders für Problemzonen an Außenwänden zu empfehlen.

Bei der konvektiven Art der Beheizung (über Warmluft) muss die Aussenwand über die Raumluft erwärmt werden. Die Raumluft kühlt also unter der Abgabe der Wärmemenge an die Wand in unmittelbarer Nähe der Aussenwandoberfläche ab, wobei die relative Luftfeuchte ansteigt - es besteht die Gefahr der Schimmelbildung durch Feuchtigkeit.

Da Wärmestrahlung Oberflächen direkt erwärmt, ist die Oberfläche der Wand bei einem ausreichend hohem Anteil an Wärmestrahlung im Raum, etwas wärmer als die Raumluft, was Kondensat - wie oben beschrieben - gänzlich vermeidet. Durch viel Wärmestrahlung werden auch noch Heizkosten eingespart, wegen dem verringerten Warmluftpolster unter der Decke, den trockeneren und dämmfähigeren Aussenwänden und wegen geringerer Lüftungswärmeverluste, da die Raumluft (bei gleicher Behaglichkeit durch die wärmeren Wandoberflächen) kühler ist. Es reicht auch das einmalige Lüften am Tag, da die Wände nicht mehr schimmelgefährdet sind.

Insgesamt sollte also die Heizanlage auf mehr Wärmestahlung getrimmt werden und die kühlen, erdberührten Wandabschnitte müssen auch im Sommer direkte Wärme (Temperierleitung oder Heizleiste) erhalten.

Danke Onki73 für den interessanten Ansatz.

Es gibt Fußbodenheizung in der Wohnung (grobflächige Schleifen, wie das vor 30 Jahren verlegt wurde). Die Ecken sind nicht mit Schleifen versehen und dementsprechend kalt. Als weitere negativer Punkt könnte der nicht verklebte, sondern nur schwimmend verlegte Laminat im Schlafzimmer sein. Habe inzwischen gelernt, dass man auf Fußbodenheizung den Parkett /Laminat verkleben muss... Ausserdem wurde am Ende des Sommers zu spät geheizt. Die warme feuchte Luft hat durch Abkühlen viel zu viel Feuchtigkeit übrig.

Zum Schlafzimmer: Es gibt sog. ETP Platten (Klimaplatte oder wie auch immer die heissen) mit einem Kalkputz drauf. Die 2 Wände im Erdreich sind Betonwände, die anderen Ziegelwände. Darf denn die Heizung im Sommer gar nicht abgeschaltet werden??

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@applesauce12345

Da, wo die Wände erdberührt sind, kommt im Sommer auch wenig Sonnenwärme an. Die Wände bleiben innen auch kühler. Deshalb ist hier auch im Sommer eine leichte Beheizung der Wandfläche (nicht zwangsläufig der Raumluft!) angebracht und auch gerade in den Ecken (Scheuerleiste), da hier die Raumluftkonvektion geometrisch bedingt stark eingeschränkt ist und es hier zur einer Wärmeunterversorgung mit kühlen Oberflächen und Auffeuchtungen, bzw. Schimmel kommen kann. Sommerliche Heizwassertemperaturen zwischen 22°C und 25°C dürften in der Regel ausreichend sein (im Winter ca. 5°C mehr - je nach Größe der Heizfläche). Steigt die Raumluffemperatur im Sommer über 25°C dann an, wird vom Heizwasser keine Wärme mehr an die Raumluft abgegeben. Das System ist selbstregulierend, sofern "Heizwasser" mit ausreichend geringem Temperaturniveau zur Verfügung gestellt werden kann.

Wird eine Wandheizung noch zusätzlich an den erdberührten Wänden installiert (entweder eingelassen im Bestandsputz, in den bestehenden Klimaplatten oder in aufgeklebten 5cm dicken Ytong-Platten), so wird ja dem Raum nicht zwangsläufig im Winter eine zusätzliche Wärmemenge zugeführt. Die Wärmemenge wird nur besser verteilt.

Durch die sommerlicher Beheizung wird allerdings dem erdberührten Raum nun eine Wärmemenge zugeführt, welche dieser Raum eigentlich schon die ganze Zeit benötigt hätte, um "gesund" und trocken zu bleiben.

Der Wärmebedarf des Raumes wird durch zusätzliche Heizflächen auch nicht verändert. Die Wärme wird besser verteilt, d.h. die abgegebende Wärmemenge der Heizfläche des Bodens verringert sich in dem Maße, wie die Wandheizung nun die Wärmemenge in den Raum gibt.

Da die benötigte Wärmemenge gering ist, um die höheren Oberflächentemperaturen zur Raumluftkondensatvermeidung zu schaffen, kann auch eine Warmwasserbereitung auf alternativen Wege (unabhängig von der bestehenden Heizanlage) sinnvoll sein. Es gibt Möglichkeiten, das "Heizwasser" solar zu erwärmen oder auch mittels elektr. Heizstab.

Es wird aber sicherlich eine Lösung über die bestehende Heizanlage möglich sein. Die Heizung wird ja nun nicht unter Volllast laufen mit dem entsprechden Verbrauch. Wenn der Heizungsfachmann vor Ort ist, vielleicht auch gleich mal über eine thermische Abgasklappe sprechen. Diese wird in das Abgasrohr einsesetzt und unterbindet den Schornsteinzug (Luftzug), wenn der Brenner nicht heizt. Der Luftzug im Schornstein kühlt nämlich unnötig das Heizwasser im Wärmetauscher der Heizung aus, was zu Verlusten führt. Die Verluste vergrößern sich noch erheblich, wenn die Umwälzpumpe nach Ausschalten des Brenners das Heizwasser durch die Anlage pumpt. Ausserdem wird durch den Schornsteinzug auch wieder Raumwärme nach draußen befördert (soweit die Heizung im beheizten Raumvolumen liegt).

Letztendlich muss man berücksichtigen, dass Heizkosten immer auch Gebäudeerhaltungskosten sind und die sinnvoll eingesetzte Heizwärme langfristig vor hohen Sanierungskosten schützt.

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Ich würde mich mal mit einem Bauingenieur zusammensetzen. Der kennt die Bausubstanzen sehr gut und kann da sicher auch sehr gut Auskunft geben. Wenn er von der DEKRA kommt, wird es teuer, aber wahrscheinlich doch noch günstiger, als wenn du weiter Geld für eigene Spekulationen ausgibst.

Das ist eine Sache für den Vermieter - Schimmel ist bis dahin sein Problem, bis er dir nachweisen kann dass du Schuld bist. Schreib ihm einen Brief, dass er einen Spezialisten kommen lassen soll. Er MUSS sich darum kümmern.

Er ist doch offensichtlich der Vermieter, da er von Schimmelproblemen in einer vermieteten Wohnung schreibt.

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