Festangestellte bekommen viel mehr als ich?

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8 Antworten

Offensichtlich ist auf Dein Arbeitsverhältnis bei Deinem Leiharbeitgeber einer der beiden Tarifverträge für die Zeitarbeit anzuwenden (BZA oder iGZ).

Unter dieser Voraussetzung gelten die im Tarifvertrag geregelten Entgelte - unabhängig davon, was der Kundenbetrieb seinen Arbeitnehmern zahlt. In diesem Fall sollte im Arbeitsvertrag aber auf die Tarifanwendung verwiesen werden und der Tarifvertrag selbst müsste bei Deinem Arbeitgeber an geeigneter Stelle zur Einsichtnahme ausgelegt sein (Tarifvertragsgesetz TVG  § 8 "Bekanntgabe des Tarifvertrags").

Ist auf Dein Arbeitsverhältnis allerdings kein Tarifvertrag für die Zeitarbeit anzuwenden, dann hast Du nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz AÜG § 10 "Rechtsfolgen bei Unwirksamkeit, Pflichten des Arbeitgebers zur Gewährung von Arbeitsbedingungen" Abs. 4 Anspruch auf dasjenige an Entgelt, das ein vergleichbarer Arbeitnehmer des Kundenbetriebs erhält. Zahlt Dein Arbeitgeber dieses Entgelt nicht, kannst Du - sofern Du die "Vergleichbarkeit" nachweisen kannst - gegenüber Deinem Arbeitgeber entsprechende Forderungen geltend machen.

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Gerecht ist das definitiv nicht, aber es ist halt so. Die Zeitarbeitsfirma, bei der du angestellt bist, hat weitere Kosten fuer Verwaltung und Vermittlung und muss dich auch weiter bezahlen, wenn sie keine Stelle fuer dich hat.

Bei den Angestellten der anderen Firma ist das eben nicht der Fall. Du kannst nur versuchen, dich auf Festanstellungen weiter zu bewerben.

Ist leider so.

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Familiengerd 09.12.2015, 12:52

Die Zeitarbeitsfirma, bei der du angestellt bist, hat weitere Kosten [...].

Damit hat das Problem des Fragestellers nichts zu tun!

Offensichtlich ist auf ihn einer der beiden Tarifverträge für die Leiharbeit anzuwenden, in denen eigene Entgelte vereinbart worden sind.

Nur dann, wenn kein solcher Tarifvertrag anzuwenden ist, hat der Fragesteller Anspruch ein Entgelt in Höher desjenigen vergleichbarer Arbeitnehmer im Kundenbetrieb.


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Als Leiharbeiter bist du ebenfalls Angestellter und dein Halter wird gesetzlich für dich das Gleiche bekommen wie die dort Angestellten. Dass er nicht alles an dich weitergibt, erscheint mir logisch, denn er will auch etwas verdienen und muss dazu die Risiken deines potentiellen Versagens tragen.

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Triari 08.12.2015, 22:28

"Dein Halter"? :D

Heißt das wirklich so oder bin ich der Einzige, für den das komisch klingt? Man ist der Halter seines Hundes, aber seiner Angestellten?

Sorry für den kleinen Offtopic-Einwurf :)

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skychecker 08.12.2015, 22:37
@Triari

Das Zeitarbeitsunternehmen bekommt sogar in der Regel und nach dem geschlossenen Vertrag deutlich mehr als die festen Mitarbeiter.

Grundsätzlich haben diese eben auch das entsprechende Betriebsrisiko zu tragen (Urlaub, Krankheit, Abmeldung des Mitarbeiters, und, und, und).

Zudem kommt ja auch noch der ursächliche Gedanke dazu, warum es Zeitarbeit ursächlich gibt.

Sie dient ja in der Regel dazu, ein bestimmtes Peak bei den Einsatzfirmen abzudecken, ohne dass sich hier die Einsatzfirmen dafür langfristig (zu) viel Personal binden zu müssen und damit Kosten für Einstellungen und Entlassungen zu  minimieren.

Durchaus logisch, man kann es lieben, muss aber nicht.

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TomRichter 08.12.2015, 22:55
@Triari

Sklavenhalter ist eine gängige Bezeichnung für den Besitzer eines oder mehrerer Sklaven.

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AlexChristo 09.12.2015, 08:14
@TomRichter

Wer Leiharbeiter und Sklaven gleich setzt, der sollte sich mal über die Unterschiede informieren. Ein Sklave hat keine Entscheidungsmöglichkeit, ein Leiharbeiter schon...

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Familiengerd 09.12.2015, 12:56

Dass er nicht alles an dich weitergibt, erscheint mir logisch

Damit hat das Problem des Fragestellers nichts zu tun!

Offensichtlich ist auf ihn einer der beiden Tarifverträge für die Leiharbeit anzuwenden, in denen eigene Entgelte vereinbart worden sind.

Nur dann, wenn kein solcher Tarifvertrag anzuwenden ist, hat der Fragesteller Anspruch ein Entgelt in Höher desjenigen vergleichbarer Arbeitnehmer im Kundenbetrieb.

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> Ist das gerecht?

Ist das Leben ein Ponyhof?

Die Politik, Unternehmer zu stärken und Gewerkschaften zu schwächen, kommt bei den Wählern offenbar gut an. Deine Misere ist nicht Kollateralschaden, sondern erklärtes Ziel dieser Politik.

Wer hat's erfunden? Siehe hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Agenda_2010

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Familiengerd 09.12.2015, 12:57

Deine Misere ist nicht Kollateralschaden, sondern erklärtes Ziel dieser Politik.

... und diese Antwort Unsinn!

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Ginalolofrigida 09.12.2015, 19:44
@Familiengerd

Das finde ich gar nicht unsinnig. Es kann doch keiner bestreiten, daß die Leiharbeitgesetze ein Entgegenkommen für die Arbeitgeber sind und den Druck auf die AN erhöhen. Inwiefern Gewerkschaften direkt betroffen werden, weiß ich nicht, aber diese Gesetze verschlechtern eindeutig den sozialen Zusammenhalt, sowohl firmenintern wie auch gesellschaftlich.

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Familiengerd 09.12.2015, 20:12
@Ginalolofrigida

Es war/ist nicht "erklärtes Ziel dieser Politik", mit dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz AÜG "Unternehmer zu stärken und Gewerkschaften zu schwächen", eine solche Behauptung ist durch keine Tatsachen zu belegen, darum Polemik und sonst nichts.

Es gibt objektiv nachvollziehbare Gründe, die Möglichkeit der Zeitarbeit zu bieten - und davon profitieren auch viele Arbeitnehmer.

Etwas ganz Anderes ist das Problem, dass die Nutzung der Leiharbeit durch viele Firmen - sowohl auf Verleiher- wie auch auf Entleiherseite - missbräuchliche Ausmaße und Umstände angenommen hat, das Gesetz selbst keine Instrumente gegen viele Missstände bietet und die Politik das Problem zwar schon vor langer Zeit erkannt, aber bisher nichts dagegen unternommen hat.

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TomRichter 09.12.2015, 22:34
@Familiengerd

Zitat aus Wikipedia: "Das AÜG wurde durch das Erste Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt („Hartz I“) mit Wirkung zum 1. Januar 2003 geändert: Das besondere Befristungsverbot, das Synchronisationsverbot, das Wiedereinstellungsverbot und die Beschränkung der Überlassungsdauer auf höchstens zwei Jahre wurden aufgehoben."

Es dürfte schwer fallen, diese Änderungen als zu Gunsten der Arbeitnehmer zu interpretieren.

Auch dass "die Politik das Problem zwar schon vor langer Zeit erkannt, aber bisher nichts dagegen unternommen hat." legt zumindest den Schluss nahe, dass sie mit Absicht nichts unternimmt.

Und für all die, die noch an arbeitnehmerfreundliche Gesetze glauben, hier noch ein Bericht über die Auswirkungen der Leiharbeit:

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/leiharbeit-der-wegwerfmann/4134694.html

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Nein, aber gültiges Gesetz.

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Havenari 09.12.2015, 12:01

Es gibt kein Gesetz, das vorschriebe, dass Leiharbeiter schlechter bezahlt werden müssen.

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FragaAntworta 09.12.2015, 12:21
@Havenari

Von müssen habe ich nicht geschrieben, aber sie werden es. Der FS bekommt auch nur den Mindestlohn für diese Arbeit. AÜG (Arbeitnehmerüberlassungsgesetz).

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Familiengerd 09.12.2015, 12:48

Nein, aber gültiges Gesetz.

So pauschal ist das falsch - denn "es kommt 'drauf an"!

Nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz AÜG § 9 "Unwirksamkeit" Abs. 2 hat der Leiharbeiter dasjenige an Entgelt zu erhalten, was vergleichbare Arbeitnehmer im Kundenbetrieb erhalten - es sei denn, die Leiharbeitsfirma als Arbeitgeber unterliegt einem der beiden Tarifverträge für die Leiharbeit (BAP oder iGZ), die eigene Entgelte regeln.

Also:

>> Ist auf den Leiharbeitnehmer ein Tarifvertrag anzuwenden, dem Leiharbeitgeber unterworfen ist, dann gelten die dort festgelegten Entgeltbestimmungen.

>> Ist der Leiharbeitgeber keinem Tarifvertrag unterworfen, dann hat der Leiharbeitnehmer das Entgelt vergleichbarer Arbeitnehmer des Kundenbetriebs zu erhalten.

Der Leiharbeitgeber macht sich gegenüber dem Leiharbeitnehmer schadenersatzpflichtig (§ 10 "Rechtsfolgen bei Unwirksamkeit, Pflichten des Arbeitgebers zur Gewährung von Arbeitsbedingungen"), wenn er ihm nicht das Entgelt vergleichbarer Arbeitnehmer des Kundenbetriebs zahlt, obwohl er das müsste, sofern kein Tarifvertrag anzuwenden ist.

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FragaAntworta 09.12.2015, 13:09
@Familiengerd

Aha, danke, Dein Kommentar geht nur leider an der Wirklichkeit vorbei. Macht aber nichts, theoretisch hast Du ja Recht.

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Familiengerd 09.12.2015, 13:17
@FragaAntworta

Arbeitnehmer müssen aber erst einmal wissen, welche Rechte sie haben, damit sie überhaupt eine Grundlage haben, um gegen die eventuelle Missachtung von Gesetzen vorgehen zu können.

Meinen Kommentar muss ich übrigens dahin gehend korrigieren, dass sich das Recht auf Bezahlung für vergleichbare Arbeit im Wesentlichen aus § 10 Abs. 4 ergibt. Zahlt der Arbeitgeber dieses Entgelt nicht, dann kann der Arbeitnehmer (unter den genannten Voraussetzungen) gegenüber seinem Arbeitgeber entsprechende Forderungen geltend machen.

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Ginalolofrigida 09.12.2015, 19:32
@Familiengerd

... Ich verstehe nicht, wie er den Nachweis für höheren Lohn bei Kollegen bringen kann. Ich dachte, in den meisten Betrieben ist es verboten, solche Infos weiterzugeben. Oder gilt dieses offiziellen Geheimniskrämerei-Gebot nicht intern?

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Familiengerd 09.12.2015, 19:48
@Ginalolofrigida

@ Ginalolofrigida:

Arbeitnehmern darf nicht verboten werden (auch nicht arbeitsvertraglich), sich über die Höhe ihrer Entgelte auszutauschen.

Die Rechtsprechung (Landesarbeitsgericht LAG Mecklenburg-Vorpommern, Urteil vom 21.10.2009, Az.: 2 Sa 237/09) sieht im arbeitsvertraglichen Verbot, über die Gehaltshöhe zu sprechen, einen Verstoß gegen die Koalitionsfreiheit nach dem Grundgesetz GG Art. 9 Abs. 3, weil nur über solche gegenseitige Informationen kontrolliert werden kann, ob vertragliche Vereinbarungen (Tarifvertrag) und der arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz (nicht zu verwechseln mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz AGG), der willkürliche Benachteiligungen einzelner Arbeitnehmer oder Gruppen von ihnen verbietet und auch auf die Lohngestaltung anzuwenden ist, vom Arbeitgeber eingehalten werden (Bundesarbeitsgericht BAG, Urteil vom 15.07.2009, Az.: 5 AZR 486/08).

Der Fragesteller hat also durchaus die - legale - Möglichkeit, sich über die Entgelte anderer Arbeitnehmer mit diesen auszutauschen! 

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Ginalolofrigida 10.12.2015, 08:15
@Familiengerd

Danke sehr, ich fand schon immer diese Verbotsklauseln in Arbeitsverträgen irgendwie unheimlich... 

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Das ist nun mal so, bei Leiharbeitern verdient die Zeitarbeitsfirma mit. Streng dich also an, damit du auch eine Festanstellung bekommst.

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Familiengerd 09.12.2015, 12:55

bei Leiharbeitern verdient die Zeitarbeitsfirma mit

Damit hat das Problem des Fragestellers nichts zu tun!

Offensichtlich ist auf ihn einer der beiden Tarifverträge für die Leiharbeit anzuwenden, in denen eigene Entgelte vereinbart worden sind.

Nur dann, wenn kein solcher Tarifvertrag anzuwenden ist, hat der Fragesteller Anspruch ein Entgelt in Höher desjenigen vergleichbarer Arbeitnehmer im Kundenbetrieb.

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Zeig Deinem Chef daß Du mehr machst als Deine Kollegen. Vielleicht wird Deine Mehrarbeit tolleriert.

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18,84 ist auch nicht schlecht...

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