Fertiges Weltbild?

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14 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich persönlich bin der Ansicht, dass es immer Gesetzmäßigkeiten geben wird, die wir nicht nachvollziehen werden können - entweder weil sie unser rationales Verständnisvermögen überschreiten, oder weil sie Teil eines kreativen Chaos sind, in dem sich keine dauerhaften Gesetzmäßigkeiten mehr finden lassen.

Da stößt man dann auf paradoxe Probleme, für die man vielleicht gerade einmal Hypothesen entwerfen kann, die aber nie über diesen Status einer plausiblen Theorie hinauskommen werden.

Im Sci-Fi-Roman "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams wird ein Supercomputer mit der Frage "„nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest" gefüttert. Der Rechner benötigt 7,2 Millionen Jahre Berechnungszeit und antwortet dann "42".

Etwas ähnliches könnte uns auch passieren, denn selbst wenn ein Computer eine für uns unlösbare metaphysische lösen könnte, wäre immer noch die Frage, ob wir die Antwort verstehen könnten.

Ein anderes Zitat von Douglas Adams greift ein vergleichbares Problem auf

"Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch noch etwas Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. - Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist."

Meiner Meinung nach passiert in der Wissenschaft genau so etwas: Grundlegende Fragen der Wissenschaft sind heutzutage geklärt. Doch je mehr man jetzt ins Detail von Genetik, Atomaufbau usw. geht, desto mehr neue Fragen ergeben sich dadurch.

Ich denke, letztlich ist das rationale Denken alleine eine Sackgasse, das nicht alle Dinge erfassen kann. Bei mangelndem Bewusstsein für die langfristigen Konsequenzen kann Wissenschaft sogar gefährlich werden.

Mir fällt dazu ein längeres Zitat des Zen-Lehrers Shohaku Okumura ein

Bis zu meiner Zeit als Jugendlicher war die grundlegende Botschaft des japanischen Bildungssystems und der japanischen Gesellschaft im Allgemeinen "Wir machen die Welt durch wissenschaftliche Erkenntnisse und Technologie besser!"

Aber irgendwann begannen die Menschen zu sehen, dass Wissenschaften und Technologie viele Probleme für Mensch und Umwelt verursachen können, wenn sie nur in den Dienst unserer menschlichen Begierden gestellt werden.

Wir dachten einst, dass der Mensch der wichtigste Teil einer Welt ist, in der uns alles gehört - doch in Wahrheit sind wir nur ein kleiner Teil der Natur.

Die Menschen haben schließlich begonnen zu erkennen, dass wir zugrunde gehen, wenn wir die natürliche Umwelt zugrunde richten, genau wie Krebszellen absterben werden, wenn ihr Gastkörper stirbt.

Nun beginnen wir zu sehen, dass wir ein gemeinsames Leben mit der Natur und all ihren Lebewesen teilen. Man könnte sagen, dass die Gesellschaft die Erkenntnis des Buddha vom "bedingten Entstehen" zu verstehen beginnt.

Indem wir unsere einseitige Wahrnehmung ändern, können wir natürlich und in Übereinstimmung mit allen Wesen leben, Dies meint der Buddha, wenn er im edlen achtfachen Pfad von der "richtigen Ansicht" spricht.

Für Meister Dogen ist Zazen (absichtslose Sitzmeditation) der Dreh und Angelpunkt um unsere verkehrten Ansichten zu ändern.

Anders gesagt

Wenn der Mensch eine Atombombe bauen kann, wird er eine bauen. Wenn er eine bauen kann, wird er sie auch ausprobieren. Wenn er sie ausprobieren kann, wird er sie auch praktischen nutzen wollen.

Das Ergebnis kennen wir...

Sollten wir dann wissenschaftlich auf extrem hohem Niveau sein, aber unser ethischen Verantwortungsbewusstsein und unser Weitblick damit nicht Schritt halten, dann wars das.

Wir haben viele konkrete Probleme, wie etwa Krankheiten und Umweltzerstörung, die noch nicht gelöst sind.

Daher habe ich beispielsweise wenig Verständnis für Weltraumforschung, die zwar unser intellektuelles Wissen erweitert, aber überhaupt keine Verbesserung für das Leben auf dieser Erde darstellt.

Meiner Meinung nach sollten wir mit unserem Wissen zunächst Probleme lösen können, anstatt uns immer abstraktere Fragen zu stellen.

"Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

...und Bücher über Quantenphysik sind vermutlich auch nicht gerade schmackhaft...

Fazit

Ich denke, das wissenschaftliche Erkenntnisse nur einen Teil unseres Weltbildes ausmachen, auf ihre Weise beschränkt sind und der Gedanke auch nicht weiter gehen kann, als der Denker.

Wir sollten außerdem ethische und soziale Fragen niemals ausklammern, wenn wir uns nicht als empathische Wesen korrumpieren wollen.

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@Enzylexikon

Ein toller Veortrag, der jedoch aus meiner Sicht nicht ausschließt, dass der Realismus alle erfassen könnte, wenn die richtige Frage gestellt würde.

Mein neues Auto z.B.

4 Räder, Lenkrad, Sitze (5), Pedale (Gas Bremse Kupplung), Schaltung (5 vorwärts und 1 Rückwärtsgang) Karosserie (Rundherum verglast) Türen, damit man raus und reinkommt, Motor, damit man nicht trampeln muß.

Trotzdem sagt der Händler beim Verkaufsgespräch: Da ist aber wirklich nix dran, an dem Auto.

Also: was erwarten wir von einem Auto?

Fahren soll es? ok klappt. Naß wollen wir nicht werden? klappt auch.

Was ist also der Grund, dass man nicht mit dem Zufrieden ist, was man hat?

Meine Forderung an ein Auto ist: möglichst einfach und kostengünstig von A nach B kommen. Die Forderung hat das Ding erfüllt. Was brauche ich also mehr? NIX.

Das ist dann die Frage gewesen: Wozu brauche ich eine Atombombe, wenn die Befürchtungen von Oppenheimer waren, Dass bei der Detonation ALLE Atome in der Umgebung sich vermutlich an der Kettenreaktion beteiligen. Das hätte die Auslöschung des Planeten zur Folge gehabt. Trotzdem hat er den Versuch mit unterstützt und entscheident mitgestaltet.

Selbstzerstörung als möglicher Testerfolg? Wie blöd muß man sein?

Also lautet die Frage immer noch: Wozu?

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Vielen Dank für den Stern. :-)

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Das mechanistische Weltbild Descartes begründete den physikalischen Determinismus, der durch Newton dann sehr bekannt wurde. Innerhalb dieser deterministischen bzw. reduktionistischen Physik, auf der auch der philosophische Determinismus beruht, ist es nicht möglich, einen freien Willen unterzubringen.

Das Problem: der Determinismus als allgemeingültiges Prinzip wurde widerlegt und von der Physik 1986 offiziell zu Grabe getragen. Schuld daran hat die Theorie Dissipativer Strukturen von Ilya Prigogine, für die er 1977 den Nobelpreis erhielt. Prigogine hat sozusagen die Physik des Lebendigen entwickelt und innerhalb dieser Physik braucht man keinen Substanzdualismus mehr, weil das Entstehen von Neuem mittels Emergenz erklärt werden kann. Prigogine ist auch ausführlich auf das Problem Gehirn eingegangen und nach seiner Theorie sind Bewusstsein, Geist und Seele Emergenzen der Hinrtätigkeit. Die zugehörige Forschung steht erst am Anfang, sie ist erst etwa 10 Jahre alt. Die Theorie Dissipativer Strukturen (alias Physik des Lebendigen, Emerhenztheorie, Chaostheorie, Nichtlinera Physik, Nichtlineare Dynamik) wird in der Hirn- und Kognitionsforschung inzwischen breit adaptiert und hat schon zu ersten Erfolgen geführt.

Tatsächlich haben Hirnstrommessungen und Auswertungen von Hirnströmen im Licht obiger Theorie ergeben, dass das Gehirn im bewussten Zustand in einem Zustand permanenter Instabilität (Chaos) arbeitet. Es gibt praktisch keine Vorhersagbarkeit insofern, dass man aus einem bekannten Zustand auf den Zustand in ein paar Sekunden schließen kann. Determinismus ist ein Grenzfall in der Nähe des thermodynamischen Gleichgewichtes, während das Gehirn soweit weg vom thermodynamischen Gleichgewicht arbeitet, wie es nur geht.

Ich habe in der Vergangenheit ein wenig Descartes gelesen. Trotzdem habe ich nichts von dem verstanden, was du hier geschrieben hast ;-)))

Hast du für Amateure wie mich vielleicht ein paar Buchempfehlungen für Anfänger, um sich mehr mit den Theorien von Descartes zu beschäftigen?

Die meisten Bücher schreiben nur über Descartes oder sind Müll. Würde mich über ein paar nützliche Empfehlungen sehr freuen.

Vielen Dank im Voraus! :-)

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@Toton

Leider kann ich mangels Wissen kein Buch empfehlen. Mir scheint, es gibt da einen echten Mangel sozusagen an "Einführungsliteratur".

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@Toton

Jedenfalls gibt's da noch einen Dämon, der immer mit Descartes in Verbindung gebracht wird.

Auf Wiipedia ist vielleicht https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes#Erkenntnistheorie der direkteste Link.

Ich stichele mal ein wenig, wenn Ilya Prigogine als der Alleinlöser des Rätsels genannt wird.
Als wären der Welle-Teilchen-Dualismus oder die Heisenbergsche Unscharfe nicht Grund genug.
Zur Not in Verbindung mit der Chaostheorie.
Aber letzlich war der Beitrag wohl richtig und wichtig, einen Nobelpreis bekommt man ja nicht wegen der Farbe seiner Schuhbänder.

Mein Namensfetter Isaac (nicht der, nach dem ich mich benannt habe) ist da auch Täter oder Opfer gewesen, so nach dem Motto "Das Universum ist wie ein Uhrwerk".

Die großen Katastrophen, die beiden Relativitätstheorien, und schlimmer noch, die Quantenphysik hat er nicht mehr erleben dürfen.

սoʇʍəN әɯoɹәԸ sɐաօч, nicht Isaac.

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Seit der Quantenphysik (spätestens) ist die Physik nicht mehr im ganz strengen Sinne "deterministisch" (siehe auch "Laplace'scher Dämon"), im subatomaren Bereich geht es z.B. nicht ohne Wahrscheinlichkeitsfunktionen statt deterministisch "sauberer" Kausalität. Von einem einzelnen Atomkern eines radioaktiven Elements kann man nicht sagen, wann es zerfallen wird. Die Halbwertszeit ist eine statistische Größe, die sich erst durch die sehr hohe Zahl von Atomen in der makroskopischen Welt ergibt.

Siehe auch "Chaostheorie" (eine kleine Ursache kann eine sehr große Wirkung haben). Man kann zwar weiträumige Klimamodelle erstellen, jedoch kann man für einen bestimmten Ort keine ganz exakte Wettervorhersage machen. Je kleiner das System, desto unschärfer wird die Vorhersage.

Der Begriff "übernatürlich" ist recht schwierig, man kann darunter sehr vieles verstehen. Wenn ich nun (als Beispiel) an "Aliens" denke, dann könnte man auch sagen: angenommen, es gäbe tatsächlich außerirdische Lebensformen, und diese hätten uns tatsächlich mal besucht: das wäre dann ebenso "natürlich" wie die Existenz von Tiefsee-Lebewesen. Das, was zweifelsfrei existiert, verliert seinen Status als "Übernatürliches" dann, wenn man es in die Standard-Wissenschaften integriert.

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