Fehler im Massenwirkungsgesetz?

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Der Fehler liegt an Deiner Erwartungshaltung. Wenn Dein Beispiel valide ist (also nicht aus einem offensichtlichen Grund scheitert, wie Meister Rülps ein paar auf­ge­zählt hat), dann erhältst Du tatsächlich K=7⁄6, das ist zwar eine Spur größer als Eins, aber wirklich nicht viel. Das Gleichgewicht wird also in der Mitte liegen, und das ist genau das, was Du von vornherein angenommen hast: Alle Produkte und Eduk­te liegen in ähnlichen Konzentration vor.

Gleichgewichtskonstanten sind nicht immer einfach zu interpretieren, und das häu­fig gehörte Argument „K>1 bedeutet, daß das Gleichgewicht auf der Produktseite liegt“ gilt strikt nur für Reaktionen mit einem Produkt- und einem Eduktmolekül (also Um­la­ge­run­gen). In vielen Fällen (nämlich, wenn sich die Teilchenzahl während der Re­ak­tion än­dert) hat K ja eine Dimension, und dann ist es ja völlig unmöglich, zu ent­schei­den, ob die Konstante größer oder kleiner als Eins ist (ist ½ m größer oder klei­ner als Eins? Und wie sieht es mit 50 cm aus?).

Deine Gleichgewichtskonstante ist z.B. auch mit einer Zusammensetzung c(A)=6, c(B)=6, c(C)=6, c(D)=7 verträglich, und dann hast Du dann wirklich Deiner Erwartung entsprechend „mehr“ Produkte als Edukte. Das ist auch leicht zu verstehen: Denn fürs Massenwirkungsgesetz sind die Produkte (im mathematischen Sinn) der Kon­zen­tra­tio­nen relevant, und Du hast aber die Summen betrachtet.

In Dei­nem Bei­spiel hattest Du auch für die Produktkonzentrationen ziemlich unter­schied­liche Zahlen gewählt, und damit eine Schieflage produziert. Denn wenn Du zwei Zahlen mit konstanter Summe miteinander multiplizierst, dann wird das Pro­dukt um­so kleiner, je weiter die Zahlen auseinanderliegen: 10⋅3 < 9⋅4 < 8⋅5 < 7⋅6 ob­wohl die Sum­me der beiden Zahlen immer 13 ist.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Chemiestudium mit Diss über Quanten­chemie und Thermodynamik

Du arbeitest hier mit Konzentrationen und nicht mehr mit Stoffmengen. Du erhältst somit nicht mehr K, sondern K(c), das ist das eine.

Was die Teilchen betrifft, musst Du auch darauf achten, in welchem Aggregatzustand die sich und ob ggf. die Reaktion irgendwie thermodynamisch in eine Richtung begünstigt ist. Gleichzeitig muss darauf geachtet werden, ob diese Teilchen überhaupt an der Rkt. beteiligt sind oder z.B. nur als Lösemittel dienen

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – BSc in Biochemie

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