Faust: woran erkennt man, dass Mephisto nicht erkennt, welches Ziel Faust eigentlich in seiner Wette verfolgt?

2 Antworten

An sich gewinnt Mephisto ja die Wette, weil er Faust zweimal erfolgreich verführt. Aber das reicht dem Goetheschen Gott nicht aus. Worin das begründet ist, dafür gibt es mehrere Interpretationen.

Wer die Frage gestellt hat, folgt offenbar der, dass Faust insofern Recht behält, als er nie aufhört zu streben, weil er am Schluss von Faust II: Vers 11581 "dürft" (Konjunktiv II, Irrealis) sagt und in Vers11936ff. ausgesagt wird: "Wer immer strebend ..."

Das ist allerdings nur eine Interpretation von mehreren möglichen. 

Mephisto ist dem Bild des Satan im AT-Buch Ijob nachempfunden, und hier wie im Faust wettet Satan nicht mit Faust, sondern mit Gott. Satan ist auch nicht der Teufel, sondern der Ankläger, der Staatsanwalt, der bei Gott ein und ausgeht, und die Menschen, Gottes Lieblings- und Hätschelgeschöpfe, anklagt, denunziert, und der Schein-Heiligkeit, der Schein-Güte bezichtigt. Was Faust will, ist dem Mephisto völlig klar und ist ihm ebenso völlig egal - Mephisto ebenso wie der althebräische Satan will den Menschen keine Wünsche erfüllen, sondern sie als Täuscher und Selbsttäuscher enttarnen.

Was möchtest Du wissen?