"Faule" und inkompetente Kollegin "verpetzen"?

9 Antworten

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Zunächst mal tut es mir leid für dich, dass du diesen Stress durchmachst. Ich war mal in einer sehr ähnlichen Situation und musste dir einfach schreiben :-)

Damals hatte ich mich fürs Gehen entschiede und zahle heute einen hohen Preis dafür, weil ich in einem Unternehmen landete, wo ich gemobbt werde und nicht reinpasse. Deshalb würde ich es heute anders angehen.

Ich weiss nicht, weshalb du dich verpflichtet fühlst, dieses Commitment einzugehen, aber bei mir war es so: Ich hatte damals in einem Grossunternehmen eine echt gute Stelle bekommen, obwohl ich mein Studium abgebrochen hatte. Natürlich war ich unendlich dankbar dafür und fühlte mich verpflichtet, nicht nur die Extrameile, sondern das Dreifache zu gehen als die anderen. Die damaligen Chefs sind natürlich nicht doof und sahen meine Abhängigkeit. Ich musste also vermeintlich mehr leisten als alle anderen Bachelor ofs und Master ofs.. aber eben vermeintlich.

Niemand zwingt uns, abnormal viele Überstunden zu machen. Niemand zwingt uns, das eigene Leben "auf Hold" zu stellen und nur noch zu funktionieren.

Bleibst du? Dann verkaufe dich nicht unter deinem Wert, sonst schädigst deiner eigenen "Marke" langfristig. Du scheinst die Prozesse und das Stakeholder Management wahnsinnig im Griff zu haben. Das ist viel Wert! Was du meines Erachtens brauchst sind Entscheidungskompetenzen, oder ein paar weitere kompetene Teamkollegen. Auf Teamhead-, oder Projektebene könntest du den Takt angeben, und die Deadlines bestimmen, etc.

Deine Kollegin, man kann ihren Approach gut, oder schlecht finden, profitiert von diesem System. Es ist die Aufgabe ihres Vorgesetzten, ihre Leistung zu überprüfen. Diese Kompetenz hast du jetzt in dieser Konstellation nicht. Du musst aber auch nicht deine Gesundheit aufs Spiel setzen, das wäre wirklich fatal!

Vielen lieben Dank für deine Antwort!

Du hast in vielen Punkten so Recht! Und auch, wenn es bei dir ein Wechsel vom Regen in die Traufe war, was mir unheimlich leid tut, weil es schlimm klingt, was dir danach widerfahren ist – ich habe mich auch für's Gehen entschieden. Es fiel schwer, weil ich an meinem Job an sich und dem hart erarbeiteten Ruf sehr hänge, aber was nützt es mir, wenn ich gleichzeitig keine Perspektive habe und andere, wie du richtig erkannt hast, sich darauf ausruhen.

Meine Motivation für das Über-Commitment war übrigens eine andere – zum Einen habe ich an mich selbst den Anspruch, meinen Job gut zu machen. Und wenn es sonst niemand im Team macht, muss ich halt das Team allein voranbringen. Zum Anderen muss ich wohl an meiner Ellbogen-Mentalität arbeiten, lernen, Andere offen auflaufen zu lassen. Das fällt mir aber schwer aus Angst, dass die Konsequenzen daraus letztlich schwerwiegender für mich sind als die Extrabelastung und die aufgestaute Wut bzw. die Faust in der Tasche.

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Vielen Dank euch allen für die vielen Antworten und die unterschiedlichen Sichtweisen – ich konnte aus allen etwas mitnehmen! :-)

Kurzes Update: Ich habe beschlossen, das Team zu verlassen, die Gelegenheit war günstig, denn es hat sich ein interner Wechsel angeboten.

Die Kollegin war natürlich nicht der einzige Grund, vielmehr reicht es mir, dass in diesem Team offenbar nachweisbare Leistung und Engagement nicht belohnt werden, Arbeitszeitbetrug und Inkompetenz jedoch schon, die lange versprochene Beförderung ließ auch immer noch auf sich warten... Sollen sie sehen, wie sie allein klarkommen. Ich freue mich auf eine spannende, neue Perspektive! Und baue auf Geheiß der Personalabteilung vor dem Wechsel erst einmal einen Monat Überstunden ab. :-)

Bewerbe dich direkt bei einem anderen Unternehmen und teile deinem Chef mit, dass du in 5 Monaten kündigen wirst.
Lege der Geschäftsleitung deine Arbeitsstundenliste vor (schade, dass es keine Arbeitszeiterfassung mehr gibt) und verlange eine sofortige Gehaltsanpassung oder Prämie.

Die Zeichen sind recht deutlich, dass du kurz vor einem Burnout stehst.
Ergreife die Initiative.

Schwierige Situation.

Ich selbst kann da v.a. eine enorme Überlastung lesen. Du (ihr) werdet mit Arbeit überschüttet, die man zu zweit nicht schaffen kann. Zwar macht sie kaum was, aber auch mit ihr wäre es augenscheinlich viel zu viel. Du hast von der Arbeit für sieben (!) Leute gesprochen. Und ihr seid nur zwei.

Hast du bisher schon mal darüber nachgedacht, deine Stelle zu wechseln? Du solltest dermaßen gut und qualifiziert sein, dass du mit Kusshand woanders genommen wirst. Und dann zu besseren Bedingungen und realistisch-schaffbaren Anforderungen. So wie das momentan aussieht, wirst du in spätestens einem Jahr ein Burnout haben!

Wechsel die Stelle und dann steht dein Arbeitgeber mit deiner Kollegin da und sieht, was das für eine Nullnummer ist. Es gibt einfach Sachen, wo es sich nicht zu kämpfen lohnt. Du hast da einfach einen ganz blöden Job - mit oder ohne deine Kollegin. Geh dahin, wo du bessere Bedingungen hast!

Ja, ich denke sehr konkret über Stellenwechsel nach. Objektiv jammere ich aber anscheinend auf hohem Niveau, da bei anderen AG Gehalt und (theoretische) Flexibilität deutlich schlechter ausfallen. Ich hab auch an sich kein Problem mit Mehrarbeit im Rahmen (theoretisch kann ich auch alles bis 50h/ Woche abfeiern) – wenn besagte Kollegin halt nicht zu den gleichen Bedingungen einen "faulen Lenz" machen könnte.

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@PsychOpilio

Liebes, denk nicht nur darüber nach, sondern nimm es in Angriff. Ich rate dir das sehr.

Und ehrlich - ein bisschen bist du an dem Dilemma schuld, denn du lässt den Mist mit dir machen. Ich kenne solche Persönlichkeiten wie dich. Die reiben sich auf, bis aufs Blut - damit die Firma flutscht. Aber keiner sieht es und dankt es. Wenn du das System nicht änderst, wird es sich nicht ändern, denn deine Kollegin hat keinen Grund - es läuft ja alles. Du hältst es nämlich mit deinem Überengagement am Laufen. Ich kenne einen Haufen Leute, die sich mit so einer Haltung kaputtgespielt haben. In allen möglichen Berufen. Du stützt ein System, das dich ausbeutet. Du fütterst deine Kollegin quasi mit durch, weil du ihre Arbeit machst. Warum sollte sie sich ändern? Das würde ja bedeuten, sie müsste mehr machen. Wozu, wenn du es machst?

Das ist das eine. Aber selbst MIT einer vollwertig arbeitenden Kollegin wäre es ja zu viel Arbeit. Darum raus da. Verlass das System. Dirchbrich deine Routine, kümmere dich um dich.

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Ich nehme an, dass es keinen Betriebsrat bei euch gibt, sonst würdest du ja nicht so viel arbeiten.

Ich finde, dass du den Fall hier sehr gut geschildert hast und du das so bis auf ein paar Sätze deiner Chefin sagen solltest. Es ist jetzt mehr Arbeit für dich, weil du ihr noch immer viel erklären musst, dir wird Kritik zugetragen und die Kollegin - so nett sie auch ist - ist in diesem Unternehmen keine Hilfe.

Ich glaube, diese unangebrachten Höflichkeit und die Zurückhaltung sind oft die Gründe, warum inkompetente Leute auf guten Posten sitzen und die Profis einem anderen Job nachgehen. Wenn hier ggf. noch eine Probezeit besteht, kann die Chefin sich glücklich schätzen, wenn du ihr Licht ans Fahrrad machst. Wenn dann keine Probezeit mehr ist, wird man die Kollegin gar nicht mehr los.

Tatsächlich haben wir einen Betriebsrat – großes Unternehmen. Aber der Gang dahin wäre für mich die Ultima Ratio, lieber würde ich die Sache intern zund ohne großes Blutbad klären können.

Die Probezeit hat die Kollegin übrigens schon hinter sich, meine (damals diplomatisch formulierten) Bedenken wurden angehört, aber nicht weiter verfolgt, da "es ja ok ist, wenn sie [die Kollegin] für sich einen Weg findet, Aufgaben zu erfüllen bzw. Output zu generieren, selbst wenn sie selbst es nicht kann".

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@PsychOpilio

Schwierig! Was wäre denn, wenn du strikt auf deine vertraglich zugesicherte Arbeitszeit bestehen würdest? Es gibt ja ein Arbeitszeitgesetz und dein Unternehmen hat sich daran zu halten. Dann würdest du auch deutlich aufzeigen, dass du in der gleichen Zeit mehr Ergebnisse liefern kannst. Das sollte ja auch der Chefin zu denken geben.

Euer Betriebsrat taugt übrigens nichts, weil er deine Arbeitszeit nicht auf dem Schirm hat.

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