FAMILIE FUGGER UND 2.WELTKRIEG?

6 Antworten

Von den Fugger, die als Fürsten und Grafen, Nachkommen der Augsburger Kaufleute waren, ist kein antinazistisches Wort, geschweige denn eine Tat bekannt, solange Hitlers Stern leuchtete.

Hier in der Bundesrepublik wird allerdings ein Fugger als Widerstandskämpfer gefeiert: **Joseph-Ernst Fürst Fugger von Glött *** * (1895 – 1981)

Als das Nazi-Regime nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wahllos um sich schlug, wurde er tatsächlich verhaftet und vor Gericht gestellt. Während andere zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden, stellte Freisler dem Fürsten im Januar 1945 vor dem sogenannten Volksgerichtshof nahezu ein Ehrenzeugnis aus. In der Begründung des mehr als milden Urteils stand:

“Josef Ernst Fugger von Glött kam einmal ahnungslos in eine Besprechung mit Anhängern des Moltke-Kreises in München hinein, in der er erkannte, dass hier eine Schweinerei im Gange sei. Er lehnte jede Mitarbeit ab …

Er hat uns in der Hauptverhandlung gesagt: Wie ich das hörte (gemeint sind die Vorstellungen der aristokratisch-bürgerlichen Nazigegner, angesichts der voraussehbaren militärischen Niederlage einen General als Reichsverweser einzusetzen und die Militärdiktatur in Deutschland zu errichten – d. Verfasser), dacht ich: „Teifi, so a Schweinerei“ …

Fürst Fugger ging mit Reisert zusammen früher als die anderen weg; auf dem Weg um Bahnhof fragte ihn Reisert, ob er denn da mitmachen wolle; das habe er entschieden abgelehnt … An weiteren Besprechungen im Moltke-Kreis nahm Fürst Fugger nicht teil. Er ist also zweifellos am wenigsten in die Sache verwickelt. … Für ihn stand das Ganze auch nicht im Entferntesten in Verbindung mit Gedanken, wie sie später zum 20. Juli führten. Und endlich hat Fürst Fugger zu Glött auf uns einen offenen Eindruck gemacht.“

(Diese Ehrenerklärung stammt aus den Akten des Deutschen Instituts für Zeitgeschichte in München und trägt das Rubrum IV G, 10 B, 67 G, 44 sowie den Vermerk „Geheime Reichssache“)

Es ist kein einziger Fall in der Praxis des Freislers bekannt, wo der übelste Nazi-Blutrichter mit so freundlicher Nachsicht über einen Angeklagten urteilte.

Es gibt Quellen, die mehr als nur vermuten lassen, dass der Fürst sich dieses Wohlwollen mit schwersten Aussagen gegen Mitangeklagte erwarb, obwohl er in der Voruntersuchung mit Samthandschuhen angefasst wurde.

Nach dem Krieg pflegte er die Pose des Widerstandskämpfers und schreib in seinem Buch „Weg in den inneren Widerstand“

Nie werde man in Zeiten der Tyrannei von der Mehrheit des Volkes das widerstehende Martyrium verlangen können.

Man müsste laut lachen, würde einem nicht speiübel davon werden. Albert Norden schrieb dazu:

Er, der Repräsentant eines Geschlechts, das es über die Jahrhunderte bis in unsere Tage immer mit den Tyrannen gehalten hat und durch sie Reichtum und Macht gewann, trägt einen elitären Pessimismus zur Schau: Mit dem Volk ist nichts zu machen, wir wenigen Hochgestellten mussten das Martyrium tragen.

Wahrheitswidrig wird der Fürst als „aktiver Widerstandskämpfer“ und Angehöriger des Kreisauer Kreises ausgegeben. Der Fürst war aktiver Agent der Nazidiktatur. In einem geheimen Dokument des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS vom 24. Mai 1940, das die Tätigkeit der „Mitglieder ehemaliger Fürstenhäuser“ betrifft, steht unter Punkt 11:

Im Auftrag des OKW der Abwehrstelle oder des Reichsführers SS: Fugger von Glött, Josef, Ernst, Gutsbesitzer, geboren am 26. Oktober 1895 in Kirchheim. (Schreiben des Führers des SD-Leitabschnittes Berlin im Sicherheitsdienst des Reichsführers SS vom 24.05.1940 an das Reichssicherheitshauptamt. Betr.: Mitglieder ehem. Fürstenhäuser, Eingangsnummer 7733 (24.5.1949))

Er war also für Himmler beziehungsweise den Spionagedienst des Oberkommandos der Wehrmacht tätig.

Der SS-General und später hingerichtet Kriegsverbrecher Ernst Kaltenbrunner schrieb in den Berichten über den 20. Juli 1944 an Martin Bormann, wie dieser in der Untersuchung den Oberstleutnant Stelzer belastet hatte und setzte fort:

Fugger gesteht, dass ihm bei ‚der Sache nicht wohl gewesen‘ sei. Die Ausgangsbasis für alle Besprechungen sei ein tief gehender Defätismus gewesen und er müsse unumwunden anerkennen, dass alle Pläne hochverräterischen Charakter hätten.

(Spiegelbild einer Verschwörung. Die Kaltenbrunner-Berichte an Bormann und HitIer über das Attentatvom 20. Juli 1944. Geheime Dokumente aus dem ehemaligen Reichssicherheitshauptamt, Stuttgart (1961), S. 389)

Weiter schreibt Kaltenbrunner, dass Fugger am Nationalsozialismus lediglich den starken Zentralismus beanstandet und er als bayerischer Partikularist für den Förderalismus früherer Zeiten eintritt.

Gegen die Zerschlagung der Arbeiterbewegung, gegen die Konzentrationslager und Massenmorde an Antifaschisten, Juden und Slawen, gegen den Angriffskrieg hatte der Fürst nichts einzuwenden.

Die Bundesrepublik zeichnete Joseph-Ernst Fürst Fugger von Glött 1965 mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland aus.

Ein weiter Vertreter dieser Familie hat sich auch hervorgetan. Graf Leopold Fugger aus der fürstlichen Familie Babenhausen.

Als Major der Luftwaffe betrieb er während des spanischen Bürgerkrieges Wirtschaftsspionage. Unter seiner Leitung wurden 1937 und 1938 spanische Bergwerksgebiete fotografiert. Er brachte es zu Orden und Ehren und wurde von Hitler zum General befördert. Noch in Kriegsgefangenschaft wütete er gegen Offizierskameraden, die mit Hitler brachen.

Dass man in der Bundesrepublik nicht all zu viel findet, was Fugger und den 2. Weltkrieg in Verbindung bringt, verwundert angesichts dieser Tatsachen und angesichts des immer noch großen Einflusses dieser Familie gar nicht.

Wenn dich das Thema Fugger interessiert, dann empfehle ich dir folgendes Buch, aus dem ich den größten Teil dieses Beitrages „geklaut“ ;-) habe:

Albert Norden. Herrscher ohne Krone, Dietz Verlag, Berlin 1973

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Im Artikel über die Fuggerei bei Wikipedia findest du das hier:

Im erhaltenen Luftschutzbunker von 1943 werden die Entstehungsgeschichte des Bauwerks, die Augsburger Bombennacht vom 25./26. Februar 1944, die Wiederaufbaujahre und die Erweiterung der Fuggerei bis 1973 dokumentiert.

Inzwischen kann ich Dir eine indirekte Verbindung liefern.

In WK2, aber auch schon vorher, gab es das Wort "fuggern".
Es bedeutet "schachern".

(Sinngemäß aus einem Interview mit Elisabeth Gräfin Thun-Fugger, Welt online von heute)

P.S.: Du hast übrigens Konkurrenz bekommen. Schau dich mal um...
Dort wird auch eine Verbindung eines Nachfahren zum Widerstand im "Dritten Reich" genannt.

Gruß, earnest

was genau bedeutet dieses wort "schachern" ?

Danke für die antwort ! :)

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@factORfiction

-feilschen, den Preis drücken, knallhart (ver)handeln (aus der Gaunersprache)

P.S.: Gern geschehen.
DIESE Quelle - von heute! - kennt Dein Lehrer vielleicht noch nicht.

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