Falsikation?

3 Antworten

Wenn man eine wissenschaftliche Theorie aufstellt, dann kann sie nur dann von den anderen, dem gleichen Fachbereich zugehörigen Wissenschaftlern akzeptiert werden, wenn sie ausreichend gut begründet ist. 

Und genau hier liegt das Problem, denn ist sogleich zu fragen, welche Kriterien denn nun eine ausreichend gut begründete Theorie erfüllen muss? Früher dienten dazu die sog. Verifikationen. Das waren z.B. Experimente, die mit der Theorie in Einklang zu bringen waren, d.h., die sie bestätigten. Je mehr solcher Beweise für eine Theorie nun vorgelegt werden konnten, dessto besser war die Theorie abgesichert.

Popper allerdings meinte, dass eine Theorie durch noch so viele Verifikationen nicht ausreichend zu bestätigen ist. Sie muss vielmehr prinzipiell der Falsifikation gegenüber offen sein, d.h., sie muss so angelegt und formuliert sein, dass prinzipiell eine Widerlegung möglich ist. Erst dann kann sie als gültige Theorie zugelassen werden. Wenn also nur ein einziges Experiment eine Theorie, die über zahlreiche bestätigende Versuche gestützt ist, widerlegt wird, dann muss sie als ganzes in Frage gestellt werden. Es muss nach einer Modifikation der alten Theorie oder nach einer Ersatztheorie gesucht werden.

In der Wissenschaftstheorie wurde dazu gern das simple Beispiel gebracht, dass die Aussage: "Alle Schwäne sind weiß" in dem Moment widerlegt ist, wo ein einziger schwarzer Schwan entdeckt wird. Popper schrieb dazu in seiner bedeutenden Schrift: "Logik der Forschung": "Wir fordern zwar nicht, dass das System auf empirisch-methodischem Wege endgültig positiv ausgezeichnet werden kann, aber wir fordern, dass es die logische Form des Systems ermöglicht, dieses auf dem Wege der methodischen Nachprüfung negativ auszuzeichnen: Ein empirisch wissenschaftliches System muss an der Erfahrung scheitern können." (Logik der Forschung S.13.) 

Ein hier gern angeführtes Beispiel ist die "Theorie der Psychoanalyse", die von zahlreichen Wissenschaftlern deshalb in Frage gestellt wird, weil all die Leute, die ihre Gültigkeit bezweifeln von den Psychoanalytikern als Menschen bezeichnet werden, die sich gegen die Akzeptanz der Theorie sträuben, die also innere Widerstände dagegen aufgebaut haben (z.B., weil sie es als unerträglich empfinden würden, wenn eine Anderer in die dunklen Abgründe ihrer "Seele" Einblick nehmen wollte). 

Trotzdem bleibt natürlich auch das Poppersche Kriterium der Falsifizierbarkeit nicht als absolutes Kriterium erhalten, denn ein Kritiker kann selbstverständlich sogleich anmerken, dass sich ja genau das Falsifikationsexperiment als unkorrekt herausstellen könnte, und man nun erst wieder herangehen müsste, eben dieses falsifizierende Experiment durch Verfikation als belastbares Experiment zu bestätigen. In der Wissenschaftswelt spricht man hier von einem unendlichen Regress, der theoretisch nie zu einem Abschluss gebracht werden kann.

Das Problem, dass wir der Wahrheit nur näherkommen, sie aber nie endgültig behaupten können, kannten schon die Epikureer. Da wurde bereits der Begriff der Wahrheitswahrscheinlichkeit geprägt. Aufgegriffen hat es dann wieder David Hume, der zeigte, dass alle Gesetze, die wir kennen, Schlüsse aus langen Reihen der Erfahrung sind. Dass aber die Induktion, der Schluss in die Zukunft, dennoch immer mit Ungewissheit behaftet ist (der berühmte schwarze Schwan bei Popper). Daran knüpft Karl Raimund Popper an und verlangt von "guter Wissenschaft", dass ihre Hypothesen immer so formuliert sind, dass man sie prüfen und evtl. widerlegen kann. Solange sich Theorien in der Erfahrung als stabil erweisen, gibt es keinen Grund, ihre vorläufige Gültigkeit anzuzweifeln. Was K.R. Popper als unwissenschaftlich darstellt, sind Theorien, die sich sozudagen einigeln, die einer offenen Überprüfung nicht standhalten und sich mit faulen Tricks selbstimmunisieren. Wenn z.B. jeder, der ihre Ergebnisse untersuchen will und deren Gültigkeit dabei in Zweifel zieht, für unzurechnungsfähig erklärt wird. Religiöse Theorien haben das hin und wieder an sich, wenn erklärt wird, dass einem eine tiefere Erkenntnis nur zugänglich ist, wenn man der Erleutung teilhaftig wurde, und dass jeder, dem das mangelt, halt nicht erleuchtet ist. Das ist ein sich selbst bestätigender und absichernder Ringschluss, der sich einer Falsifikation verweigert. Darum ist diese Theorie nicht wissenschaftlich sondern reiner religiöser Glaube.

Oha, jetzt kriegen wir es mit Karl Popper zu tun...

Verifizieren und Falsifizieren bezieht sich auf eine Theorie.

Bei der Verifikation werden die Aussagen der Theorie durch entsprechende Belege positiv bestätigt ("bewiesen").

Bei der Fasifikation wird mit oder ohne Erfolg versucht, die Theorie zu widerlegen ("das Gegenteil wird bewiesen").

Vielen Dank :)

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