Falsches Eintrittsdatum im Arbeitsvertrag

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Hallo stelari,

ich bin seit vielen Jahren im Personalmanagement eines Arbeitgebers tätig, der mit einer Gesamtbeschäftigtenzahl von über 6000 Arbeitnehmern wohl zu den größeren Arbeitgebern zu zählen ist.

Ich selbst habe in meiner beruflichen Praxis h u n d e r t e !! von Mitarbeitern eingestellt und mit Arbeitsverträgen ausgestattet.Es ist natürlich nicht die Regel, aber es kommt gelegentlich vor, dass, sofern alle Einstellungsvoraussetzungen vorliegen, eine Beschäftigung aufgrund einer mündlichen Vereinbarung konkret und f a k t i s c h beginnt, bevor die Personalverwaltung das gesamte schriftliche Procedere rein technisch umsetzen kann/konnte.Aufgrund einer solchen mündlichen Einstellungszusage !!! beginnt ein Arbeitnehmer also d e f a c t o !!! zu arbeiten, ohne im Besitz eines schriftlichen Arbeitsvertrages zu sein.Wenn eine Beweisbarkeit für die mündliche Einstellungszusage vorliegt und die Beweisbarkeit ergibt sich "konkludent" (=konkretes schlüssiges Handeln) aus dem Verhalten deiner Bekannten, sich bei der Arbeitsverwaltung aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet zu haben, besteht nicht nur die Möglichkeit, sie hat sogar ein
"e i n k l a g b a r e s" !!! Recht darauf, den Eintrittstermiin im schriftlichen Arbeitsvertrag auf den 16.05. festgelegt zu bekommen.

Die Einrede der Firma, das ginge rückwirkend nicht mehr, ist völliger Quatsch.

Das Hauptproblem in der Sache sehe ich in der Frage bzw. dem Zweifel an der Seriösität der Firma (Arbeitgeber).Wie oben ausgeführt ....."konkludentes Handeln" als Beweis für die Angabe deiner Freundin, dass der 16.05. vereinbarter Arbeitsbeginn/Eintrittstermin war, ist Beweis genug, um den Anspruch auf rückwirkende "schriftliche" Einstellung zum 16.05. auch -wenn nötig- gerichtlich durchzusetzen.Welchen Grund sollte deine Freundin denn sonst haben, sich bei der Agentur für Arbeit als "Arbeitslose" a b z u m e l d e n, wenn nicht den, dass sie ab 16.05. tatsächlich, also aufgrund einer mündlichen Einstellungszusage d e f a c t o eingestellt worden zu sein.

Zu Frage 2:

Natürlich entstehen deiner Bekannten Nachteile, weil sie ja von der Schriftform her für 2 Tage weder arbeitslos noch beschäftigt war. Diese Tage fehlen ihr bei ihrem jetzigen konkreten Arbeitseinkommen, der Krankenversicherung, der Rentenversicherung, der Arbeitslosenversicherung, mithin überall.Gleichzeitig fehlen ihr - aufgrund ihrer ja objektiv und defacto bestehenden Berufstätigkeit ab 16.05. - die beiden Tage, 16. und 17.05. im Zeitraum ihrer vorangegangenen Arbeitslosigkeit, einschließlich Arbeitslosengeld und Sozialversicherungsleistungen.

Also, ran an den Feind, und die korrektur des schriftlichen Arbeitsvertrages auf den Arbeitsbeginn 16.05. verlangen.Ansonsten Hinweis an den Arbeitgeber, dass der Anspruch durch Klage beim Arbeitsgericht durchgesetzt wird.Da hat deine Bekannte die besten Karten. Es ist verdammt problematisch, in prozessrechtlichen Angelegenheiten 100%ige Prognosen zum p o s i t i v e n Ausgang eines Prozesses zu machen, weil es selten Sachverhalte gibt, die überhaupt eine 100%ige Erfolgsprognose zulassen.Aber hier würde ich eine 99,9 %ige Erfolgsprognose abgeben, allerdings unter der Voraussetzung, dass alle in dem von dir geschilderten Sachverhalt der Wahrheit entsprechen und auch deine Bekannte dich mit den zugrundeliegenden Angaben z w e i f e l s f r e i !!!! zutreffend informiert hat.

Trotz aller Erfolgsaussichten gibts natürlich immer noch ein Problem:

Gebäudereinigungsfirmen (ich will das jetzt nicht komplett verallgemeinern) sind jedoch manchmal Unternehmen, in denen einiges drunter und drüber geht und auch nicht immer das Maximum an Zuverlässigkeit bzw. Seriösität zum tragen kommt.Außerdem behandeln diese Unternehmen ihre Mitarbeiter oft mit "harten Bandagen". Will sagen, wenn man denen natürlich gleich zur Durchsetzung seines berechtigten !!! Anspruches mit dem Arbeitsgericht droht und das auch mit Recht !!!, reagieren die oft mit sehr großer Verärgerung und sind nicht zimperlich in der Wahl ihrer Mittel. Das heißt, dass deine Bekannte evtl. beim Arbeitsgericht Recht bekommt und der Arbeitgeber verpflichtet wird, den Arbeitsvertrag auf den 16.05. auszustellen. Doch dann bekommt deine Bekannte evtl. zwei Wochen später die Kündigung, was ja bei so einem "jungen" Arbeitsverhältnis jedem Arbeitgeber sehr !!! leicht gemacht wird.Bekanntlich werden bei neuen Mitarbeitern arbeitsvertraglich sogenannte Probezeiten von z.B. 3 Monaten vereinbart. Innerhalb der Probezeit kann ein Arbeitgeber innerhalb der Probezeit - o h n e !!! Anggabe von Gründen zum Monatsende das Beschäftigungsverhältnis k ü n d i g e n.

Du siehst, trotz bester Rechtslage, "eine unangenehme Kiste" - die ganze Sache

Man weiß nicht, wie der Arbeitgeber reagiert.

Viele Grüße und viel Erfolg

hotteb

Das ist egal. Hauptsache die Beiträge werden für das gesamte Einkommen entrichtet. Da hier das Datum im gleichen Monat liegt spielt das keine Rolle. Sowohl für die Renten- als auch Krankenversicherung gilt der Monat als mit Pflichtbeiträgen belegt.

Hallo,

im Gebäudereinigungsgewerbe ist VOR Beschäftigungsbeginn eine Sofortmeldung vom Arbeitgeber zu machen. Wenn die Beschäftigung vorher aufgenommen wurde, sind auch für die Zeit vor der Meldung Entgelt und Beiträge zu zahlen. Problematisch ist in der Praxis häufig die Beweisfrage. Ggf. Beratung durch Betriebsrat, Gewerkschaft, Anwalt für Arbeitsrecht oder Arbeitsgericht einholen. Oder die Krankenkasse einschalten, damit diese ggf. die Sozialversicherungsbeiträge für 2 Tage eintreiben.

Für die 2 Tage besteht auf jeden Fall ein Krankenversicherungsschutz (evtl. über Ehegatten oder Eltern oder eigene kostenlose Versicherung nach § 19 SGB V).

Oder man verbucht das Ganze als negative Erfahrung im Arbeitsrecht und beginnt nächstes Mal erst, wenn man eine schriftliche Bestätigung über den Beschäftigungsbeginn vorliegen hat.

Im Übrigen würde ich alle Einzelheiten des Arbeitsvertrages genau durchlesen und auch den passenden Tarifvertrag durchgehen (besonders auch das Thema Fristen).

Gruß

RHW

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