Falls ein Arzt in seiner Praxis keinen Pharmavetreter empfangen will und sich nur aus ...

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5 Antworten

Zu 1: Warum sollte er Ärger mit seinen Kollegen bekommen? Es ist ihm doch selbst überlassen, wie er sich weiterbildet oder ob er die Angebote der Pharmafirmen ablehnt.

Zu 2: Ich bezweifele, dass die Polizei etwas derartiges äußert, zumindest wäre eine Quelle für diese Behauptung nicht schlecht.

Jeder Arzt kann frei entscheiden, ob er Pharmavertreter empfängt oder nicht und wie er sich fortbildet. Wer sich pharmaunabhängig fortbilden will, findet monatlich dutzende Veranstaltungen aller Fachrichtungen, bei denen es auch die zum Nachweis benötigten CME-Punkte gibt. Die meisten Fortbildungen werden ohnehin im Selbsstudium durchgeführt. Jede ärztliche Fachzeitschrift bietet heutzutage solche CME-Fortbildungen an.

Ein Arzt kann auch keine Probleme bekommen, wenn er Pharmavertreter abweist, und was sollten die Kollegen auch dagegen haben? Ich persönlich handhabe die Pharmabesuche selektiv. Pharmavertreter, die mir auf die Nerven gehen, weil sie z.B. zu aufdringlich sind, werden beim nächsten Besuch abgewiesen. Außerdem gehen Patienten immer vor, ein Pharmavertreter kann also nur zu mir vordringen, wenn das Wartezimmer leer sein sollte - was nicht oft der Fall ist.

Die Polizei äußert sich übrigens zur Korruption im Gesundheitswesen gar nicht. Das tun höchstens die Politiker und die kranken Kassen, die damit aber eher von ihren eigenen derartigen Problemen ablenken wollen. Natürlich gibt es Korruption auch im Gesundheitswesen, wobei die Behauptung, niedergelassene Ärzte könnten dafür nicht bestraft werden, absolut falsch ist. Lediglich im StGB gibt es keinen entsprechenden Paragraphen, in der Berufsordnung der Ärzte aber schon. Die Frage ist jedoch, wo eine übliche Werbemaßnahme aufhört und die Korruption anfängt. Eine gesponsorte Fortbildung mit gemeinsamen Abendessen ist sicher keine Korruption, wenn die Fortbildung aber mit der ganzen Familie drei Wochen lang auf Barbados stattfindet, wird der betreffende Arzt eher in Erklärungsnöte geraten. Der einzelne "kleine" niedergelassene Arzt ist für die Pharmaindustrie aber viel zu unwichtig, als dass hier Korruption im großen Stil betrieben würde. Der Kassenarzt kann ja aufgrund seine Budgets heutzutage ohnehin nicht mehr frei über seine Therapie entscheiden. Was nützt es ihm also, wenn er zuerst Zuwendungen von der Pharmaindustrie erhält und anschließend, wenn er die deren teuere Medikamente verschreibt, von den Kassen mit ruinösen Regressforderungen konfrontiert wird?

Ich weiß, dass Deine Behauptung so nicht stimmt.

Die Ärzte empfangen sehr wohl Pharmavertreter. Spätestens nach dem zweiten, dritten Kontakt werden die wohl an die Praxismitarbeiterinnen weitergeleitet.

Ich habe für einen marktführenden Pharmakonzern mit Arztpraxen telefoniert. Dabei ging es in einem Fall um ein Medikament zur besseren Standfestigkeit (ähnlich Viagrä) . Jeder, wirklich jeder angerufene Arzt hat mit mir gesprochen,, nicht zuletzt wegen der Ärztemuster im Wert von rund 50 EUR.

Korruption gehört offenbar immer dazu. Ich selbst habe erlebt, dass ein Ärzt aus den neuen Bundesländern ganz klar Forderungen gestellt hat, ohne deren Erfüllung wolle er nicht mit Pharmavertretern reden. Und soweit ich weiß, hat er das gewünschte Computerequipment bekommen.

Und zuletzt ist da doch eine enorme Gewinnspanne dabei. Wie sonst kann eine komplette Arztpraxis einen Mittelmeer-Urlaub machen, wenn nicht die Pharmaunternehmen sowas sponsern?

Nachtrag:

Mir fällt gerade noch ein, dass die Praxen die Besuchzeiten der Pharmavertreter reglementieren, weil ja doch die Behandlung der Patienten vorgehen sollte. Daher kann aber der Eindruck entstehen, der Doc mag nicht mit den Pharmavertretern sprechen.

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@BuddyOverstreet

Ich weiß, dass Deine Behauptung so nicht stimmt.

@ Buddyoverstreet: Beziehst Du dich auf die Frage oder auf eine der Antworten?

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@PatrickLassan

Natürlich beziehe ich mich auf die Frage. Hätte ich mich auf eine der Antworten bezogen, wäre mein Beitrag ein Kommentar und keine Antwort gewesen.

Die Polizei würde niemald derartige Informationen veröffentlichen, nicht einmal die Staatsanwaltschaft.

Letzlich steht es dem Arzt frei, sich aus allen möglichen Quellen zu informieren. Ich denke, derartige Informationen können höchstens von der Pharma-Lobby kommen und sind daher nicht besonders aussagekräftig.

Ich selbst habe in verschiedenen Kampagnen mit Arztpraxen telefoniert und kenne keinen Fall, in dem ein Arzt grundsätzlich die Pharma-Informationen abgelehnt hat.

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Das ist jedem Arzt absolut frei gestellt, ob er Pharmareferenten empfängt oder nicht. Die ganz grosse Mehrheit will allerdings auf die Informationen nicht verzichten. "Laut Angaben der Polizei sollen viele Pharmafirmen korrupt sein"....woher hast Du diese Weisheit ? Das ist mir absolut neu, dass sich die Polizei zu so einem Thema in dieser Weise äussert.

Das kann jeder Arzt frei entscheiden.

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