Fall für den Therapeuten, aber traue mich nicht :D?

5 Antworten

Hallo.

Erstmal glückwunsch, dass du dich entschieden hast, mal mit nem Therapeuten zu quatschen. Dieser Schritt ist einer der schwersten im ganzen Prozess.

Zu deinen Fragen:

  • Musst du vorher zur Krankenkasse?

Nein. Es gibt letztlich zwei Wege: Entweder du sprichst mit einem normalen Arzt (z.B. Hausarzt oder Psychiater) in der normalen Sprechstunde über deine Probleme und bittest ihn/sie um eine Überweisung zur Psychotherapie.

Letztendlich brauchst du den Arzt aber nicht. Du kannst auch direkt zu einem Psychotherapeuten gehen und nach einem Erstgespräch fragen. Das mit der Krankenkasse wird dann dort übernommen.

  • Wie läuft das beim Psychologen ab?

In aller Regel werden wenn du das erste mal da bist vier "Probatorische Sitzungen" vereinbart. In denen wird dein Problem umrissen und erörtert ob eine Therapie nötig ist. Keine Angst, in aller Regel wird man nicht einfach abgelehnt. Wenn du ein psychisches Problem hast (Und dazu ist ausreichend, dass es dir einfach nicht gut geht), wird nach den probatorischen Sitzungen weitergemacht. Psychotherapeuten erwarten übrigens grundsätzlich garnichts von dir. Also mach dir hier keinen Leistungsdruck oder sonstiges. Dass es dir nicht gut geht reicht aus. Auf Rückfragen kannst du dann ja immer noch antworten oder auch nicht.

  • Besteht die Möglichkeit alles aufzuschreiben?

Na klar. Und das ist vermutlich auch nicht die schlechteste Idee. Ein Therapeut hat jedenfalls nichts dagegen und schaden kann es nicht. Du wirst aber mit Rückfragen rechnen müssen.

  • Wie läuft das mit der Diagnose

Die Diagnose ist für Therapeuten in der Regel nicht besonders entscheidend. Eine typische Diagnose lautet zum Beispiel "Depression". Und die Diagnose ist letztlich auch nur für die Krankenkasse wichtig. Ob du jetzt noch zusätzlich eine Angsstörung, ein Suchtproblem, eine Borderline Persönlichkeitsstörung oder sonstwas hast, ist egal. Entscheidend ist nur, wie dein Therapeut dich wahrnimmt. Du musst auch auf keinen Fall alles von Anfang an erzählen. Ich behaupte, es ist eher ungewöhnlich, dass schon nach 5 Sitzungen alle Probleme auf dem Tisch liegen. Also mach dir keinen Kopf. Erzähle soviel, wie du dich wohlfühlst. Das reicht.

  • Kann der Psychologe dich zu einem anderen Arzt schicken?

Klar kann er zum Beispiel sagen, es wäre sinnvoll einen Psychiater aufzusuchen oder mal generell den Gesundheitszustand überprüfen zu lassen. In der Regel machen das Psychologen aber nicht.

  • Sitzt man da eigentlich auch stundenlang im Wartezimmer?

Nein, anders als Ärzte haben Psychotherapeuten feste Termine. Und darum gibt es keine Wartezeit. Das kommt höchstens ausnahmsweise vor.

  • Was macht man denn nun eigentlich, wenn es mit dem Therapeuten nicht klappt?

Eine gute Frage. Es ist sehr, sehr wichtig, dass du mit deinem Therapeuten ein gutes Verhältnis hast. Studien zeigen, dass das womöglich sogar der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Therapie ist. Wenn es nicht klappt, dann kann man das erstens ganz offen sagen und zweitens auch einfach einen neuen suchen und keine weiteren Termine mit dem alten ausmachen. Mit der Krankenkasse musst du nicht sprechen. Das erledigt dann wieder dein neuer Therapeut.

Übrigens: Medis bekommst du nicht vom Psychotherapeuten (Zumindest in der Regel nicht). Denn das ist meistens ein Psychologe. Medikamente dürfen aber nur von Medizinern verschrieben werden. Darum haben die meisten Leute einen Psychiater zu dem sie alle drei Monate für neue Medis gehen und einen Psychotherapeuten den sie einmal die Woche sehen.

Alles Gute!

Also vorweg, Psychologen kommen in dem Ganzen gar nicht vor, es sei denn sie haben eine Fortbildung zum Psychotherapeuten gemacht.

Du gehst zum Hausarzt und erzählst ihm in groben Zügen, dass du meinst, eine Therapie zu brauchen.
Er überweist dich zu einem Therapeuten, den du dir oft selbst suchen musst.
Da sind leider lange Wartezeiten üblich.
Wenn du einen gefunden hast, macht der bei Bedarf bis zu 5 Probesitzungen, es sei denn die Chemie zwischen ihm und dir stimmt gleich.

Dann geht es ins Eingemachte, was für dich aber kein Problem sein wird, denn der Therapeut führt sich behutsam entlag deiner inneren Grenzen.

Die Kostenfrage klärt der Therapeut mit deiner Krankenkasse.

Wie du siehst, alles kein Problem....

Erstmal, ich finde es eine tolle Idee wie du das wichtigste unterstreichst. Dein Text ist gut lesbar.

Sooo. Nun zur Beantwortung.

1. Behandelt und diagnostiziert wirst du vom Psychotherapeuten. Das ist ein Psychologe, der dann noch ne therapeutische Ausbildung hintendran gehängt hat. Also wenn du nur zu einer Praxis gehst hast du nur mit einer Person zu tun solange du keine Medikamente brauchst. Für Medikamente ist der Psychiater zuständig (Arzt mit Fachgebiet Gehirn).

2. Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine Therapie zu machen.

  • Einmal in der Woche bei einem Psychotherapeuten in einer Praxis. Das geht normalerweise 1,5 bis 3 Jahre lang.
  • Tagesklinik: du gehst morgens zur Klinik, machst dort Therapie, und gehst Abends nach Hause. Von Montags bis Freitags. Das geht ein paar Wochen bis ein paar wenige Monate lang.
  • stationäre Klinik. Du lebst für ein paar Wochen bis Monate in der Klinik und machst dort Therapie.
  • (Betreutes Wohnen): Es gibt betreutes Wohnen Angebote extra auch für psychisch Kranke mit Therapie Angebot. So zum Beispiel die RPK in Hamburg. Dieses legt den Fokus stark auf die Stabilität im Alltag und Alltagsaufgaben. Vorteil ist das man dort von einem Jahr bis mehrere Jahre bleibt.

Zur Therapie in einer Praxis: Normalerweise kann man ziemlich schnell ein Erstgespräch ausmachen. Das findet innerhalb der nächsten 1-3 Monate statt und soll klären ob der Klient behandlungsdürftig ist und ob die Chemie stimmt. Dafür einfach beim Therapeuten anrufen oder per Mail anschreiben. Wenn alles klappt wird man auf die Warteliste gesetzt. Bis man dann tatsächlich Therapie bekommt kann es tatsächlich etwas dauern.

Tagesklinik & stationär: Dafür auch einfach in der Klinik mit dem Angebot anrufen. Manchmal muss man noch einen Fragebogen ausfüllen. Das sagen sie dir dann am Telefon. Wartezeiten betragen zwischen 2 Wochen und 3 Monate in der Regel. Dann ist man schon drinnen. Bei Suizidgefahr kannst du allerdings sofort stationär in eine Klinik. Einfach dort hinfahren und zur Notaufnahme.

Betreutes Wohen: Auch einfach erstmal anrufen. Meist soll man dann erstmal zu einem Infotermin kommen. Dann klärt man das mit der Krankenkasse, und dann kommt man auf die Warteliste. Das erklären sie dir aber sonst auch alles noch am Telefon. Wartezeiten betragen zwischen einem Monat und vielen Monaten. Oft kommt man aber nach so 3-5 Monaten rein.

Ich wünsche dir alles Gute.

Es kam mir doch gleich komsich vor, als ich "Psychologe" geschrieben habe... Ich meinte natürlich den Psychiater :)

Wenn der Therapeut keine Medikamente verschreiben darf, muss ich eh zum Psychiater. Wende ich mich da trotzdem zuerst an den Therapeuten? Oder kann ich auch zuerst (nur) zum Psychiater?

Ich verstehe halt nicht so ganz, ob ich dann zwei Leuten das selbe erzählen muss: Einem, damit er mit Tabletten gibt und einem, damit er mir erzählt, was ich machen soll.

Danke auch für die anderen Erklärungen :)

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@asky261

Dem Psychiater musst du eigentlich nur deine Symtome vorstellen. Also du wirst schon mit ihm oder ihr reden, aber du musst jetzt keine einzelnen Traumata aufarbeiten oder Skills lernen, also du machst dann dort keine Therapie sondern es geht dann nur um welche Meds am geeignetsten für dich sind bei deinen Symptomen und deiner Geschichte.

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