Fahrtkostenerstattung beim Einsatz in einem fremden Betrieb ?

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Wenn Die beiden Studios (gleichgültig, ob ihre jeweiligen Betreiber Mutter und Tochter sind) betrieblich nichts miteinander zu tun haben - das Studio der Tochter also kein Betriebsteil des Studios der Mutter ist, in dem Du arbeitest -, und wenn im Arbeits-/Praktikumsvertrag keine Klausel enthalten ist, die es Deinem Arbeitgeber erlaubt, Dich auch an einem anderen Betriebsstandort einzusetzen, dann musst Du nicht ins Studio der Tochter fahren.

Die Tatsache, dass das Studio, in dem Du arbeitest, umgebaut wird, enthebt Deine Chefin nicht der Verpflichtung, Dich trotzdem weiterhin für die vereinbarte Arbeitszeit zu bezahlen (das gilt übrigens auch für die 450-€-Arbeitskräfte).

Ein Arbeitgeber ist verpflichtet, den Arbeitnehmer für die vereinbarte Arbeitszeit zu beschäftigen. Tut er das nicht - gleichgültig, aus welchen Gründen (auf ein "Verschulden" seinerseits kommt es nicht an) -, hast Du trotzdem Anspruch auf Bezahlung; ob der Arbeitgeber Dich nun nicht mehr haben will, ob nicht mehr gearbeitet werden kann, weil der Strom ausgefallen ist, ob der Betrieb umgebaut wird: es spielt keine Rolle, warum er Deine Arbeitsleistung nicht annehmen will oder kann, er kommt in den sogenannten "Annahmeverzug".

Grundlage für diese Regelung ist das Bürgerliche Gesetzbuch BGB § 615 "Vergütung bei Annahmeverzug und bei Betriebsrisiko":

Kommt der Dienstberechtigte mit der Annahme der Dienste in Verzug, so
kann der Verpflichtete für die infolge des Verzugs nicht geleisteten Dienste die vereinbarte Vergütung verlangen, ohne zur Nachleistung verpflichtet zu sein. [Das gilt] entsprechend in den Fällen, in denen der Arbeitgeber das Risiko des Arbeitsausfalls trägt.

Der Arbeitgeber darf die Stunden, die Du tatsächlich nicht leisten konntest, also nicht nacharbeiten lassen oder mit Deinen Ansprüchen (Überstunden, Urlaub, Entgelt) verrechnen.

Und selbstverständlich darfst Du auch nicht abgemahnt werden, wenn Du für die Zeit, in der Dein Arbeitsplatz umgebaut wird, nicht in einen fremden Betrieb fährst - eine solche Abmahnung wäre das Papier nciht wert, auf dem sie stehen würde; und ebenso selbstverständlich könntest Du für Dein Einverständnis damit die Erstattung Deiner zusätzlich anfallenden Kosten verlangen.

Ob die Tochter Dir gegenüber weisungsbefugt ist oder nicht, hängt  nicht davon ab, ob sie als weisungsbefugte Person in Deinem Vertrag genannt ist, sondern alleine davon, welche "Stellung" sie innerhalb des Betriebs Deines Arbeitgebers hat; hat sie mit diesem Betrieb formal nichts zu tun, kann sie als Betriebsfremde Dich natürlich auch nicht abmahnen, und eine solche Abmahnung ist dann selbstverständlich wieder völlig wertlos für denn Arbeitgeber.

So weit die rechtliche Seite. Wie Du Dich allerdings gegenüber Deiner Chefin durchsetzen, behaupten kannst oder willst, ist dann noch eine andere Frage, Die ich Dir allerdings nicht beantworten kann.

Was machen denn die anderen Mitarbeiter des Studios? Nehmen die Urlaub?

Wenn dein Arbeitsvertrag es nicht hergibgt, musst du dich nicht anderweitig einsetzen lassen. Wenn du aus von dir nicht zu verantwortenden Gründen- Umbau- deine Arbeitskraft nicht zu einsatz bringen kannst, kann dein Chef es dir nicht zur Last legen und dir die Tage auch nicht abziehen.

Eine Abmahnung kann sie dir nicht aussprechen, lt. Arbeitsvertrag ist sie nicht dein Chef- und dein Chef darf es auch nicht, s.o.

Die anderen Mitarbeiter sind alles 450€ Arbeitskräfte und nicht auf den Job angewiesen. 

Also kann meine Chefin mir nichtmal die fehlenden Arbeitsstunden als Minusstunden anlasten? Ich muss 35 Stunden die Woche arbeiten und komme da nicht hin. Aber andererseits ist es auch nicht meine Schuld, dass sie umbauen.

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Nehmen die Urlaub?

Müssen sie nicht!

Sie sind während des Umbaus so zu bezahlen, wie sie bezahlt worden wären, wenn nicht umgebaut würde (siehe ansonsten meine eigene Antwort).

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