Fahrerflucht - Mein Einfluss als Geschädigter auf den Fortgang des Verfahrens.

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7 Antworten

Zunächst einmal eine Antwort hier richtig stellen, einen Anhörungsbogen bekommst Du nicht, den bekommt man bei Ordnungswidrigkeiten, nicht bei Straftaten.

Bei Straftaten wird man als Zeuge geladen, zur Polizei zunächst. Das erübrigt sich, denn Du warst ja schon dort.

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Der gute Mann war eventuell völlig überfordert und ist weiter gefahren. Man wird ihn aufsuchen,, das Fahrzeug begutachten und ein Strafverfahren wegen unerlaubtem Entfernen von der Unfallstelle gegen den Mann einleiten.

Zudem wird man, sein Alter wissend, auch der Eindruck, der gewonnen wird, wenn man ihn aufsucht, wird hierbei nicht unerheblich sein, auch von Seiten der Ermittlungsbehörden die Notwendigkeit erkennen, die Geeignetheit zur Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr zu beurteilen.

Dies letztlich zu beurteilen obliegt der Führerscheinbehörde.

Kommt man dort zum Schluß, dass der Mann die Eigenung hierfür nicht mehr besitzt, wird man im die Fahrerlaubnis dauerhaft entziehen.

Man wird dies jedoch auch der Staatsanwaltschaft bzw. dem Gericht mitteilen.

Die Sachlage im Strafverfahren sieht dann anders aus, es ist dann eher mit Milde zu rechnen, da der ja aufgrund einer Ausnahmesituation bzw., aufgrund einer Ungeeignetheit abgehauen ist und nicht völlig mit Berechnung.

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Du selbst wirst hierzu nichts tun können. Es ehrt Dich, diesen Umstand zu erkennen und Dir darüber Gedanken zu machen, dennoch bist Du als Geschädigter Zeuge im Strafverfahren und Zeugen wird man außerhalb ihrer Zeugenaussage keinerlei Einfluß auf ein Verfahren gestatten.

DerLuko 14.09.2010, 21:29

Vielen Dank für diese wirklich sehr informative Antwort!

Dass ich außerhalb einer Zeugenaussage keinen weiteren Einfluss haben werde, ist mir klar. Allerdings frage ich mich, was in einer Zeugenaussage abgefragt werden kann oder was man sagen "darf". Meine Einschätzung zur Verfassung des Mannes ist ja ein sehr subjektiver Eindruck und keine Schilderung von Tatsachen, eher eine Interpretation von Tatsachen und die könnte ja vielleicht unzulässig sein? Könntest Du mir hierzu vielleicht noch etwas schreiben?

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DerLuko 14.09.2010, 21:33

Vielen Dank für Deine wirklich sehr informative Antwort.

Dass ich über eine Zeugenaussage hinaus keinen Einfluss haben werde, ist mir klar. Ich frage mich aber, was ich in einer Zeugenaussage sagen "darf", und was nicht. Muss ich mich an nackte Tatsachen halten, oder darf ich auch subjektive Eindrücke zu Protokoll geben? Es könnte ja unzulässig sein, die Tatsachen zu interpretieren.

Noch ein konkretes Beispiel: er ist nach dem Unfall auffällig langsam weggefahren. Das könnte ich einfach so aussagen, habe ich auch getan. Meine Interpretation wäre aber, dass er das deshalb getan hat, weil er verwirrt, perplex und überfordert war. Ist eine solche Interpretation Sache des Zeugen, darf er sie vornehmen, oder obliegt das dem Richter?

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fastlink 14.09.2010, 22:04
@DerLuko

Selbstverständlich kannst Du auch aussagen, dass Du den Eindruck hattest, dass der gute Mann mit der Situation völlig überfordert war, zunächst zu einer Handlung fähig war, gestützt auf die Vorkommnisse. Als Anzeichen hierzu natürlich, dass der erst einmal teilnahmslos dasaß und anscheinend nicht einmal in der Lage war, das Geschehene soweit zu erfassen, dass Du aus Deimem Fahrzeug gar nicht rauskommen konnstes und als Du weggefahren bist, nicht, wie bei einer Flucht normalerweise zu erwarten, wild aufs Gas ging sondern langsam davonfuhr.

Das ist ein subjektiver Eindruck, dennoch hattest Du diesen aus den genannten Gründen heraus im Moment des Herganges und natürlich kannst Du das auch vorbringen.

Es gibt objektive und subejktive Straftatbestände. Der Vorsatz ist ein subjektiver Straftatbestand und um diesen zu beurteilen, sind subjektive Eindrücke des Tatherganges genau so wichtig wie objektive und gehören genau so dazu, wie die reine nackte Schilderung des objektiven Tatherganges.

Wenn Du zu dieser Auffassung gelangt bist, kannst Du diese auch mitteilen.

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ein 85jähriger sollte wissen, welche Konsequenzen Fahrerflucht hat und das ist einfach auch bei offensichtlichler Überforderung nicht entschuldbar, sondern ist im Gegenteil ein Grund, ihm die Fahrerlaubnis möglichst lange (möglichst auf Dauer) zu entziehen. Bleib bei der Wahrheit und Du kanst ja durchaus sagen, dass der alte Herr offensichtlich mit den Situationen im Strassenverkehr generell überfordert ist, aber wahrscheinlich wirst Du gar nicht mehr weiter befragt.

Das sieht stark nach Unfallflucht aus. Da wird Opa wohl verurteilt. Wenn er wirklich 85 Jahre alt und beim Autofahren überfordert ist, wird er möglicherweise auch seinen Führerschein verlieren. Das kannst Du nicht mehr verhindern. Vermindern könntest Du allenfalls Deine Schadensersatzforderungen, wenn Du oder Deine Werkstatt den Schaden nicht in voller Höhe geltend machst. Das nutzt vor allem aber der Versicherung.

Der Mann wird ausgeforscht und befragt (Alkotest). Eine Anzeige wegen Fahrerdlucht wird gelegt werden (Amtsarzt, Führerscheinentzugsverfahren). Es liegt im Ermessen des Staatsanwaltes ob es zu einer Gerichtsverhandlung kommt (vermutlich aber schon). Bei Personenschaden findet die sicher statt. Dann musst du selbstverständlich als Zeuge aussagen. Dein Unfallgegner wird einen Schock gehabt haben, das wird der Richter aufgrund des Alters vermutlich als strafmildernd werten (oder auch nicht).

Du kriegst eh einen Anhörungsbogen oder wirst vernommen. Da kannst - und solltest - du das alles beitragen. Gute Idee und Anerkennung, daß Du Dir so viele Gedanken machst.

Was willst Du denn da mildern.

Sei froh, dass Du nicht querschnittsgelähmt bist.

Der Mann gehört von der Straße.

DerLuko 14.09.2010, 01:35

Ja. Meine Einschätzung ist auch, dass der Mann den Führerschein eindeutig abgeben sollte und ich bin froh, dass es nur ein Blechschaden war und dass er kein Kind überfahren hat. Einen Führerscheinentzug hielte ich deshalb für angemessen.

Aber die Milderung könnte sich ja beispielsweise vielleicht auf die Höhe der verhängten Geldstrafe beziehen.

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MARIECHENHEIDI 14.09.2010, 01:41
@DerLuko

Die Gerichte sind auf solche Fälle vorbereitet! Da gibt es sehr wahrscheinlich keine Gerichtsverhandlung. Seine Versicherung zahlt den Schaden und die Polizei wird ihm erklären, das er sich wohl aufgrund seines Alters als fahruntüchtig erwiesen hat...Wenn er gegen eine Strafe wegen Fahrerflucht Widerspruch einlegt - was ich nicht denke - würden die Richter entscheiden. Aber aufgrund seines hohen Alters wird er sicher schon das Mindeststrafmaß erhalten: Führerscheinentzug!!! Danach MPU! Ja, auch ohne Drogen und Alkohol gibt es die...

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Sturmwolke 14.09.2010, 01:41
@DerLuko

> Ich habe, wenn ich darüber nachdenke, aus verschiedenen Gründen den Eindruck gehabt, dass der Mann mit der Situation überfordert war.
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Du könntest genau das bei Deiner Zeugenaussage vor Gericht sagen.

Wie hoch die Strafe letztendlich ausfallen wird, hängt dann aber auch vom Verhalten Deines Unfallgegners vor Gericht ab.

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die bestrafung hengt von schadenkosten!

DerLuko 14.09.2010, 01:37

Ist das so? Das war mir neu. Grundsätzlich wird ja nicht die Verursachung eines Schadens bestraft, sondern die Vereitelung der Feststellung der Personalien des Schadensverursachers, also ein Angriff auf die Rechtssicherheit im Verkehr. So würde ich das jedenfalls verstehen. Dann würde ich weiter aber sagen, dass die Schadenshöhe für den Ausgang des Urteils keine große Rolle spielen kann. Oder weißt Du mehr?

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eiskenn 14.09.2010, 01:39
@DerLuko

hatte vor kurzem das gleiche! mir hat es der anwalt erzählt!

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FuerDenFall 14.09.2010, 01:40

Bei VU-Flucht wird je nach Schadenhöhe der Führerschein sofort eingezogen oder nicht. Bestrafung hängt davon nicht ab.

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