Fachbuch umschreiben und dann veröffentlichen - Urheberrecht

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1 Antwort

Was meint der Chef mit umschreiben? Lediglich andere Formulierungen wählen - oder sich lediglich vom alten Werk inspirieren lassen für ein neues Werk?

Die Gerichte meinen dazu: "Das geschützte ältere Werk darf danach nur als Anregung für das Zweitwerk dienen. Die Züge des Erstwerks müssen gegenüber denen des Zweitwerks verblassen." schmunzelkunst.de/saq.htm#freinutz.

Mehr zum Thema Bearbeitung versus Freie Benutzung siehe da.

Ob es allerdings billiger ist, ein fremdes geschütztes Werk umzuschreiben und danach alles von versierten Anwälten prüfen zu lassen,

oder gleich ein eigenes neues Werk zu schreiben, das sollte sich der Chef schon überlegen vor einer Abmahnung wegen Unterlassung und Schadensersatz.

Gruß aus Berlin, Gerd

Eine genaue Definition davon wie der Chef das Buch geschrieben haben möchte hat er nicht gegeben. Auch fehlt mir die nötige Fachkompetenz ein medizinisches Thema so neu zu schreiben das die Informationen einen Neuwert bilden könnten.

Irgendwann hat der Chef mal erwähnt das er mit Klagen gegen ihn rechnet und damit ziemlich sicher hier weder ein "neues" Buch schreiben lassen will oder es auch nur von jemanden mit Fachkompetenz bezüglich Medizin oder Urheberrecht prüfen lassen will. (Immer ist das Geld dafür nicht da....)

Nun wäre die Frage darf ich rechtlech gesehen eine solche Aufgabe überhaupt übernehmen? Zumal ich da ziemlich sicher Urheberrecht veletzen würde...

Viele Grüße

Higgs

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@higgsparticle

Wenn an dem alten Text tatsächlich nur dessen schöpferische Formulierung geschützt ist, ist man schon eher auf der sicheren Seite, wenn man keine dieser geschützten Formulierungen verwendet -

sondern den reinen ungeschützten Inhalt anders formuliert.

Aber eine schöpferische Zusammenstellung von Inhalten ist nunmal auch ein geschützes Werk im Sinne des UrhG - etwa ein kreativer Gedankengang.

Und dann kommt ja noch der Schutz für Sammelwerke nach UrhG § 4: http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/index.html.

Das Verfassen eines solchen Plagiats ist aber nicht strafbar und nicht abmahnbar im Sinne von UrhG § 97 - erst die Verwertung des Plagiats im Sinne von UrhG § 15.

Und der Verwerter wäre ja der Chef. Ob der Schreiber als Mittäter in Frage kommt oder als Helfer, wäre die nächste Frage: StGB § 27 Beihilfe (1) Als Gehilfe wird bestraft, wer vorsätzlich einem anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat Hilfe geleistet hat.

Aber die Geschädigten sind ohnehin so gut wie nie an eine Strafverfolgung interessiert, sondern nur an einer Unterlassung plus Schadensersatz.

Und deshalb merke man:

UrhG § 109 Strafantrag

In den Fällen der §§ 106 bis 108 und des § 108b wird die Tat nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, daß die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.

Wer also nicht bandenmäßig fremde Werke verbreitet (etwa als Fahrer eines LKW voller schwarz gebrannter CDs ;-), muss selten befürchten, als Gehilfe bestraft zu werden.

Gruß aus Berlin, Gerd

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