Facharbeit in Sozialwissenschaften zum Thema "Toxic Masculinity"?

3 Antworten

Du könntest dir Gedanken dazu machen, weshalb man heute Männer toxisch nennen darf, aber Frauen niemals.

Mir scheint es mehr, als wüsstest du nicht, was Toxic Masculinity ist. Wenn Interesse besteht, kann ich das gerne erklären, ansonsten hilft auch Wikipedia.

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@Xxxyyy2801

Danke für den Tipp! Ich kopiere dir die Passage von Wikipedia raus, die du lesen solltest:

Der Begriff der „toxic masculinity“ ist seit seiner Prägung auf Kritik gestoßen und wird kontrovers diskutiert.
Sprachlich legt das durchaus polemische Attribut toxic den irreführenden Kurzschluss nahe, dass Maskulinität bzw. männliches Verhalten per se als giftig zu verstehen sei ( The idea that all men are inherently bad for being men), was der Unschärfe der Formulierung geschuldet ist und einen umfassenden Diskurs darum angestoßen hat, welche männlichen Verhaltensweisen gesellschaftlich toleriert bzw. unterbunden werden sollten und wem die Verfügungsgewalt über derartige Bestimmungen zustehe. Dem Begriff wird außerdem Misstrauen entgegengebracht, weil er als Modewort ausgehöhlt scheint und in der Hashtag-Kultur des 21. Jahrhunderts auf schlagwortartig verdichtete Thesen mit Anschuldigungscharakter verdichtet worden ist (z. B. #MasculinitySoFragile, #FailingMasculinity). Einigen feministischen Kritikern geht der Begriff nicht weit genug, da er impliziere, dass Männlichkeit „entgiftet“ werden könne, Männlichkeit aber als solche problematisch sei. Auch die Verwendung der Gift-Metapher wird wegen ihrer historischen Vorbelastung durch den Nationalsozialismus kritisiert.
Die Psychologen Martin Seager und John A. Barry bemängeln, dass es abseits anekdotischer Erzählungen für das Konzept der „toxischen Männlichkeit“ keine Belege gebe und kritisieren den diskriminierenden Charakter der Zuschreibung „toxic“. Der weitläufige Gebrauch dieser Zuschreibung, die mit dem männlichen Geschlecht in Verbindung steht, sei ein Zeichen von fehlender Empathie gegenüber Männern. Ferner kritisieren Seager und Barry, dass es sich bei dieser Bezeichnung um ein kognitiv verzerrendes und negativ konnotiertes Label handele, zu dessen Konsequenzen unter anderem sich selbsterfüllenden Prophezeiungen (vgl. Etikettierungsansatz) gehören würden.
Die Medizinhistorikerin Ali Haggett hält die Beschreibung von Gewalt und sexuellem Fehlverhalten als toxische Männlichkeit für mitverantwortlich dafür, dass die psychische Gesundheit speziell von Männern kaum untersucht werde. Schädliche Verhaltensweisen würden der toxischen Männlichkeit zugeschrieben anstatt die sozialen und emotionalen Gründe für dieses Verhalten zu untersuchen; Männern werde weniger Empathie entgegengebracht. In dem Klima, das von der #MeToo-Bewegung erzeugt worden sei und das die Auffassung festige, Frauen seien überall in Gefahr, sei es unwahrscheinlich, dass sich daran etwas ändert.
Andrea Waling kritisiert, dass das Konzept der toxischen Männlichkeit im Gegensatz zur „gesunden Männlichkeit“ aus einem Missverständnis von Raewyn Connells Arbeit von 1987 über hegemoniale Männlichkeit entstanden sei. Für Waling ist der Begriff toxische Männlichkeit aus feministischer Sicht problematisch, weil er Männer als Opfer einer unvermeidlichen Pathologie darstelle. Es sei ein essentialistischer Ansatz, der soziale und materielle Einflüsse und die persönliche Verantwortung der Männer ignoriere. Des Weiteren kritisiert Waling, dass toxische Männlichkeit bestimmte traditionell männliche Eigenschaften ablehne, die in manchen Situationen angemessen seien. Carol Harrington warnte davor, dass das Konzept im feministischen Kontext dazu führen könnte, strukturelle Probleme zu depolitisieren und einzig auf individuelles Fehlverhalten von Männern zu reduzieren.
Der Kriminologe Michael Salter kritisiert, dass das Konzept der toxischen Männlichkeit die vielfältigen Ursachen für das Fehlverhalten von Männern verschleiere und es stattdessen einzig auf angeblich „krankhafte“ Anteile von Männlichkeit und kulturell bedingte Geschlechterkonstrukte reduziere. Dies würde zu teilweise unzureichenden und nicht spezifisch an die Gegebenheiten angepassten Gegenmaßnahmen führen. Die Ursachen für männliches Fehlverhalten seien nicht überall dieselben und es müssten auch materielle Einflüsse mit einbezogen werden. Das Argument liberaler Feministen über toxische Männlichkeit habe es beispielsweise der Alkoholindustrie erlaubt, durch den Fokus auf Männlichkeit den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und häuslicher Gewalt zu verschleiern.
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@diderot2019

Ich empfehle dir nicht einen Artikel, den ich nicht selbst gelesen habe... das wäre schon arg inkompetent. Der Abschnitt sagt jedoch trotzdem nicht, dass der Begriff Männer als toxisch bezeichnet.

Ich vermute mal, dass du es nicht für gut hältst, Männern zu verbieten Gefühle zu zeigen, um Hilfe zu bitten und andere Wege als Gewalt zur Problemlösung nutzen. Genau das ist nämlich Toxic Masculinity, die wiederum nicht nur zu Gewalt von Männern gegen andere, sondern auch zu einer erhöhten Selbstmordquote bei Männern führt.

Wo genau ist der Begriff Toxic Masculinity also deiner Meinung nach also problematisch?

(Und übrigens, viele dieser Kritikpunkte problematisieren den Begriff eher als Gewalt von Männern entschuldigend, als als männerfeindlich, ne?)

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@Xxxyyy2801
Der Abschnitt sagt jedoch trotzdem nicht, dass der Begriff Männer als toxisch bezeichnet.

Da ist die Formulierung

...legt das durchaus polemische Attribut toxic den irreführenden Kurzschluss nahe, dass Maskulinität bzw. männliches Verhalten per se als giftig zu verstehen sei ...

Ich bin dem Begriff zum ersten Mal in einem Zeitungsartikel begegnet, bei dem die Überschrift etwa lautete: "Sind Männer toxisch? - Ja, Männer sind toxisch!" - Den exakten Wortlaut weiss ich nicht mehr. Solche Sprüche sind heute salonfähig. Sie dürfen sogar in durchaus etablierten Zeitungen im Titel gedruckt werden und das ruft kaum Empörung hervor. Der Wikipedia-Artikel ist gemässigter. Das heisst aber nicht, dass der Begriff nicht von vielen Feministinnen genau so verwendet wird, wie ich ihn das erste Mal getroffen habe.

Ich vermute mal, dass du es nicht für gut hältst, Männern zu verbieten Gefühle zu zeigen, um Hilfe zu bitten und andere Wege als Gewalt zur Problemlösung nutzen.

Niemand verbietet den Männern, Gefühle zu zeigen. Aber verschiedene typisch männliche Gefühle werden gar nicht als Gefühle anerkannt, insbesondere von denen nicht, die von 'toxischer Männlichkeit reden. Ich denke z. B. an die Begeisterung für ein Fussballspiel, die Freude an Technologie oder an einer physikalischen oder mathematische Formel oder die Lust auf Sex (die wird ja sogar als toxisch angesehen) oder umgekehrt natürlich das Bedauern oder die Niedergeschlagenheit, wenn es in diesen Bereichen nicht so läuft, wie erhofft.

Niemand hat etwas dagegen, wenn Männer in Trauerfällen weinen. Aber es ist auch sehr angenehm, wenn in schwierigen Situationen manche Leute einfach die Zähne zusammenbeissen und ihren Job machen, so dass die Gemeinschaft aus der schwierigen Situation wieder rauskommt. Wenn es einer Frau schlecht geht, überträgt sie das miese Gefühl viel eher auf ihre Umwelt. Es ist nicht nur schlecht, das Männer dies weniger tun.

Genau das ist nämlich Toxic Masculinity, die wiederum nicht nur zu Gewalt von Männern gegen andere, sondern auch zu einer erhöhten Selbstmordquote bei Männern führt.

Dass es so viel Gewalt gegen Männer gibt, ist tatsächlich ein Problem, das viel zu wenig wahrgenommen wird. Wir reden ständig über die Gewalt gegen Frauen. Dass Männer viel öfter schwere Körperverletzungen durch Gewalt erleiden, wird kaum je erwähnt. Gegen diese Feststellung wehren sich aber meiner Erfahrung nach genau die Leute, die eben Männer sowieso schon als toxisch betrachten. Wenn ein Mann verprügelt werde sei das deshalb nicht so schlimm, weil der Täter ja auch ein Mann sei. Ausserdem habe der Mann ja vermutlich den Streit provoziert. Das letztere dürfte man ja über eine Frau nie sagen.

Bei der Selbstmordquote wäre ich interessiert, wie viele dieser Männer mit einer toxischen Frau verheiratet waren.

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@diderot2019

Warum fragst du mich das und recherchiert nicht selbst? Abgesehen davon, doch, dass Männer weinen, ist gesellschaftlich nicht anerkannt. Vielleicht hast du das Glück, noch nie gehört zu haben "Jungs weinen nicht!", ich und ein großer Teil meines Umfeldes leider nicht. Den Begriff habe ich noch nie als "Männer sind toxisch" gehört und ich bin in einem Umfeld mit relativ vielen Feministinnen. Und Victim Blaming bei häuslicher Gewalt gegen Männer habe ich noch nie von Frauen gehört, sondern immer von Männern im Sinne von "Was für ein Loser, dass er sich nicht gegen eine Frau verteidigen kann".

Naja, ansonsten empfehle ich dir das Video zu Toxic Masculinity von Pop Culture Detective, denn dir weiter zu erklären, was Toxic Masculinity ist definitiv nicht mein Job.

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@Xxxyyy2801
Abgesehen davon, doch, dass Männer weinen, ist gesellschaftlich nicht anerkannt.

Also du hast an der Beerdigung deines Vaters geweint und da wurdest du kritisiert?

Den Spruch "Jungen weinen nicht!" kenne ich. Jungen dürfen nicht weinen, wenn jemand sagt, ihre Milchschnitte mache sie dick. Sie dürfen nicht weinen, wenn sie eine Stunde spazieren müssen. Bei Mädchen lässt sich das leider manchmal nicht verhindern. Es ist auch lästig bei Mädchen. Aber bei manchen gehört das eben dazu. Wenn sie um andere Menschen trauern oder wenn sie im Tennis gewinnen dürfen sie schon weinen.

Und Victim Blaming bei häuslicher Gewalt gegen Männer habe ich noch nie von Frauen gehört, sondern immer von Männern im Sinne von "Was für ein Loser, dass er sich nicht gegen eine Frau verteidigen kann".

Ich habe nichts über häusliche Gewalt gesagt. Meistens ist die Gewalt gegen Männer nicht im Haus. Die Männer werden von anderen Männern verprügelt, auf der Strasse oder im Ausgang. Weil die Täter auch Männer sind, findet man diese Verletzungen nicht so schlimm. Von Frauen kommt dann nicht der Spruch: "Was für ein Loser!", sondern es kommt der Spruch: "Aber der Täter war doch auch ein Mann!" Oder: "Vermutlich hat der Geschlagene ja den Streit provoziert. Männer tun das, weil sie toxisch sind."

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Auf Wikipedia findest du massenhaft Informationen über Incels und andere Gruppierungen von Männern, die sich toxisch verhalten.

Das weiß ich. Es geht mir mehr um ein näheres Thema. Der Ansatz von "Toxic Masculinity verursacht Gewalt und höhere Suizidraten bei Männern" ist z.B. mehr Pädagogik, als SoWi. Und das ist bei den meisten Sachen in Bezug auf Toxic Masculinity der Fall.

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Du könntest was über die Incel-Bewegung schreiben. Findet man auf gutefrage ja leider auch zuhauf.

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