F60.9 - Bedeutung?

4 Antworten

1. Teil Meiner Antwort:

Persönlichkeitsstörung, nicht näher bezeichnet

Definition

Unter einer Persönlichkeitsstörung versteht man ein tief verwurzeltes, anhaltendes, stabiles Verhaltensmuster, das die Betroffenen in ihrer Sozialfähigkeit beeinträchtigt und nicht direkt auf eine Erkrankung des Gehirns oder auf eine andere psychiatrische Störung zurückzuführen ist. Die Betroffenen reagieren starr auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen. Gegenüber der Mehrheit der Bevölkerung zeigen sie ein deutliches Abweichen in Wahrnehmung, Denken, Fühlen und in Beziehungen zu anderen. Dementsprechend gehen Persönlichkeitsstörungen in der Regel mit sozialen Beeinträchtigungen einher.Persönlichkeitsstörungen lassen sich nach den vorherrschenden Verhaltensmustern in unterschiedliche Formen einteilen, so z. B. in paranoide, schizoide, antisoziale, emotional instabile, hysterische, zwanghafte, ängstliche und abhängige Störungen.

Ursachen

Die individuelle Persönlichkeit zeichnet sich durch unterschiedliche Persönlichkeitszüge aus. In der Persönlichkeitsforschung wurde anhand vieler Studien das so genannte Fünf-Faktoren-Modell herausgearbeitet,das eine wesentliche Rolle bei der Beschreibung einer Persönlichkeit spielt:- Extraversion: kontaktfreudig-zurückhaltend,- Verträglichkeit: friedfertig-streitsüchtig,- Gewissenhaftigkeit: gründlich-nachlässig,- Neurotizismus: entspannt-überempfindlich,- Offenheit: kreativ-phantasielos.Bei einer Störung der Persönlichkeit sind bestimmte Persönlichkeitszüge extrem ausgeprägt, dabei unflexibel oder unangepasst. Weitere Kriterien, die für eine gestörte Persönlichkeit sprechen, sind die Dominanz bestimmter Persönlichkeitsmerkmale und die Tatsache, dass durch die hieraus resultierende Auffälligkeit das Befinden, die soziale Anpassung oder berufliche Leistungsfähigkeit der Betroffenen in einem relevanten Maße einschränkt.Die Entstehungsursache der Persönlichkeitsstörung ist nicht eindeutig zu definieren, da die menschliche Person zwar das Produkt aus Anlage und Umwelt ist, aber auch das, was sie daraus macht.Hier eine kurze Erläuterung verschiedener Modelle zur Ursache der Persönlichkeitsstörung:- Aus psychodynamischer Sicht liegt die Ursache in einer Störung einer der frühkindlichen Phasen (orale, anale und phallische Phase). Eine Störung in der oralen Phase würde dieser Theorie zufolge zu forderndem und abhängigem Verhalten führen, wie es zum Beispiel bei der abhängigen und bei der passiv-aggressiven Persönlichkeitsstörung der Fall ist. Das Bestehenbleiben von Zügen der analen Phase führt dagegen zu rigidem Verhalten und emotionaler Distanz und kann ein Faktor für die Entstehung einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung sein. - Aus der Sicht der Lerntheorie stellen Persönlichkeitsstörungen gelerntes Verhalten dar, das heißt z. B. die Beeinflussung des Verhaltens durch positive oder negative Verstärkung, sowie durch Modell-Lernen anhand des Vorbildes anderer Menschen. Auf der gedanklichen Ebene werden bei Persönlichkeitsstörungen bestimmte Überzeugungen verhärtet, die die Einstellung zu sich und anderen prägen. So verhält sich ein Mensch mit einer paranoiden Persönlichkeitsstörung typischerweise anderen Menschen gegenüber misstrauisch, argwöhnisch, übertrieben empfindlich und streitsüchtig, ohne dass die Kriterien einer paranoiden Psychose erfüllt sind. Auch schlägt sich die Persönlichkeitsstörung auf die Wahrnehmung des Verhaltens anderer nieder, wie z. B. die Annahme eines Menschen mit einer zwanghaften Störung „die anderen sind nachlässig, verantwortungslos, lassen sich gehen“. Diese festgefahrenen Einstellungen führen zu Verhaltensstrategien, die nur schwer korrigiert werden können, weil andere unproblematische Einstellungen und Verhaltensstrategien kaum entwickelt werden konnten.Zunehmend gibt es auch Erkenntnisse über neurobiologische Ursachen im Zusammenhang mit Persönlichkeitsstörungen.

Symptome

Die Symptome der einzelnen Persönlichkeitsstörungen sind sehr unterschiedlich, gemeinsam ist ihnen, dass die bestehenden Persönlichkeitszüge unflexibel oder unangepasst sind.Das auffällige Verhalten äußert sich in der Affektivität (z. B. in einer depressiven Verstimmung), im Antrieb (verminderte Initiative), gestörter Impulskontrolle (z. B. in Form von Wutausbrüchen), veränderter Wahrnehmung von Situationen und Menschen, verändertem Denken und einer gestörten Kontaktfähigkeit. Die Beschwerden führen zu persönlichem Leiden und beeinträchtigen wesentlich die Leistungsfähigkeit im sozialen und beruflichen Bereich. Die betroffenen Persönlichkeitsmerkmale sind stabil und von langer Dauer und können nicht durch das Vorliegen einer anderen psychischen Erkrankung erklärt werden.

ICD Codes

                                F60.9                            F61                    

2. Teil meiner Antwort:

Diagnostik

Es ist oft schwierig eine Persönlichkeitsstörung von anderen psychiatrischen Erkrankungen abzugrenzen, man sollte andere Störungen ausschließen, denn eine Kombination der Erkrankungen ist durchaus möglich und auch häufig. Auch eine Kombination der unterschiedlichen Formen der Persönlichkeitsstörung ist möglich. Für die Diagnose sollten die häufigsten und auffälligsten Verhaltensmuster einer Unterform in deutlicher Ausprägung vorhanden sein. Angehörige sollten zum Verhalten der Person befragt werden. Zur Erfassung der Persönlichkeit werden unterschiedliche psychologische Testverfahren eingesetzt, häufig eingesetzter Selbstbefragungsbogen ist z. B. das Freiburger-Persönlichkeits-Inventar. Die Leitlinie empfiehlt die Durchführung eines halbstrukturierten klinischen Interviews wie das International Personality Disorder Examination (IPDE) oder das Strukturierte Klinische Interview zur Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen (SKID-II). Bei Kindern und Jugendlichen ist die Diagnose schwer zu stellen. Für eine sichere Diagnose müssen die auffälligen Persönlichkeitszüge stabil seit der Kindheit oder frühen Jugend situationsübergreifend aufgetreten sein. Die Leitlinie betont, dass die Diagnose einer Dissozialen (Antisozialen) Persönlichkeitsstörung nicht vor dem 18. Lebensjahr gestellt werden sollte.Zur Diagnostik gehört in der Regel eine allgemein medizinisch-neurologische Untersuchung zum Ausschluss (hirn-) organischer Ursachen.

Auswirkungen

Die Auswirkungen richten sich nach der Symptomatik. So kommt es bei Betroffenen zum Beispiel zu depressiver Verstimmung, Antriebslosigkeit, Zornausbrüchen und gestörten Beziehungen zu anderen. Betroffene sind damit häufig isoliert, in ihrer Beziehungsfähigkeit gestört und deutlich vermindert leistungsfähig im Beruf.

Therapie

Die Therapie ist schwierig und langwierig, im Vordergrund stehen psychotherapeutische und soziotherapeutische Verfahren. Das Ziel der Therapie ist weniger die Heilung als eine Kompensation der Auffälligkeiten. Die Motivation des Patienten ist wesentliche Vorraussetzung für den Erfolg der Therapie. Unabhängig von der Form der psychotherapeutischen Behandlung sind die Ziele Verbesserung der sozialen Kompetenz, Bearbeitung der Verhaltensmuster und Strukturierung des Umfeldes. Der Einsatz von Medikamenten, die auf die Psyche wirken (Psychopharmaka), wird nur unterstützend oder bei zusätzlichen begleitenden psychischen Störungen empfohlen.

Prophylaxe

Besondere Maßnahmen zur Vorbeugung sind nicht bekannt. Allerdings wird davon ausgegangen, dass eine frühzeitige Erkennung und Behandlung dazu beiträgt, dass pathologische Verhaltensmuster und Haltungen nicht an die nächste Generation weitergegeben werden.

Bemerkungen

Psychiatrie und Psychotherapie, Thieme 2005; Möller / Laux / Deister: Duale Reihe Psychiatrie und Psychotherapie, 4. Auflage, Thieme Verlag Stuttgart 2009

Synonyme

Persönlichkeitsstörung, nicht näher bezeichnet

ICD Codes

F60.9 F61

F60.9 ist, wie du schon weißt, der ICD-Diagnosecode für die "nicht näher bezeichnete Persönlicheitsstörung". Wenn im Text des Entlassbriefes nichts Näheres erwähnt wird, bleibt offen, was die Ärzte damit gemeint haben, da es für die ".9-er Diagnosen" (das sind die "nicht näher bezeichneten" Störungen) definitionsgemäß keine Kriterien gibt. Ich würde vermuten, dass sie davon ausgehen, dass du Persönlichkeitsanteile hast, auf denen deine Essstörung und deine Depression "besonders gut wachsen". Eigentlich wird dazu geraten, diese Diagnose nicht zu stellen, da sie eben für sich allein genommen nichts aussagt. Noch dazu ist es umstritten, bei sehr jungen Erwachsenen wie dir überhaupt die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung zu stellen, wenn diese nicht wirklich deutlich erkennbar ist - was bei dir offensichtlich der Fall ist, sonst wäre ja eine spezifische PS diagnostiziert worden. Die Persönlichkeitsentwicklung ist in diesem Alter noch sehr im Fluss, wirklich "abgeschlossen" i.S. einer Unveränderbarkeit ist sie - zum Glück - eh nie ganz, sonst könnten wir Therapie gleich sein lassen. Wenn ein Pfleger meinte, dass du Symptome einer Borderline-PS hast, meinen sie damit vielleicht auch das. Dann allerdings hätte entweder die Borderline-PS diagnostiziert werden müssen, wenn du die notwendigen Kriterien hierfür erfüllst. Falls du nur ein paar Borderline-Symptome hast, aber nicht "ausreichend viele", um diese Diagnose zu stellen, wäre es treffender gewesen, eine sog. "Persönlichkeitsakzentuierung" zu diagnostizieren und im Text darauf einzugehen, wie diese qualitativ aussieht, also in diesem Fall dann eben emotional instabile Züge (= Borderline). Insgesamt ist das also sehr unbefriedigend und hilft so weder dir noch deinen Weiterbehandlern weiter. Wenn du es genau wissen willst, kannst du deine ambulanten Behandler ansprechen, ob sie mit dir eine weiterführende Diagnostik in diese Richtung machen können (testdiagnostisch z.B. SKID-II oder IPDE).

Gute Informationen zum Thema Persönlichkeitsstörungen findest du z.B. hier:

http://www.ahg.de/AHG/Indikationen/Psychosomatik/Persoenlichkeitsstoerungen/index.html

http://www.neuro24.de/show_glossar.php?id=1313


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