Extrem-Situation, wie klar kommen?

6 Antworten

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Erster Teil: wenn man etwas schreckliches erlebt hat, sucht das Gehirn nach Möglichkeiten, damit fertig zu werden. Menscjen haben dazu unterschiedliche Mechanismen, vom Verdrängen bis hin zu ständigen aktualisieren, dabei reagieren Menschen auch unterschiedlich, sogar mit körperlichen Symptomen. Empfehlenswert ist zunächst, darüber zu sprechen. Mit wem, das ist sekundär. Aber bitte, sprechen!

Das ist sehr wichtig für die Verarbeitunhg. Nach einigen Tagen ändert es sich, in manchen Fällen, insbesondere bei introvertiert Nenschen, die sich nicht gerne mitteilen und alles in sich Schlucken oder gar Verdrängen können auf diese Weise auch posttraumatische Belastungsstörungen auftreten. Deswegen empfehle ich Dir offen und wann auch immer Bedarf ist, zu reden.

Zweiter Teil: Mediziner sehen diese Fälle tagtäglich, und gehen automatisiert vor. Diese Situation stellt für sie nicht eine dramatische Situation dar wieder Laien.

Die Dramatik im übrigen ergibt sich aus dem persönlichen Verhältnis zum Betroffenen, je enger die Bindung, umso dramatischer wird es empfunden natürlich.

Und letzlich: Du hast absolut richtig gehandelt. Ob und wie jemand einen Kreislaufstillstand überlebt, hängt von der Reaktion in den ersten Minuten ab, und nicht alleine von den Maßnahmen des Notarztes, der ja erst nach 10 Minuten da ist.

Danke für deine ausführliche Antwort. Ich habe bereits begonnen mich über die Situation auszutauschen da ich merke, das es mir damit etwas besser geht.
Eben ist mir erst klar geworden, das ich wie in Trance war. Wenn ich mich erinner sehe ich ihn und die ganze Aktion, aber ich habe keine Ahnung wer noch alles anwesend war. Die Person hat mir eben erst berichtet wie sie gaffende Personen vertrieben und uns den Rücken freigehalten hat. Ich wusste nicht mal, das er anwesend war. Ich werde weiterhin Ersthelferin bleiben (direkt danach wollte ich das Amt niederlegen) hoffe aber, so eine extrem Situation so schnell nicht mehr erlebe bzw. werde ich mich als bald nachschulen lassen. Will besser vorbereitet sein.

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@Feathi

Noch mal Dankeschön, mir gehts wieder besser und der Kollege ist auch über Berg. ✊🏻

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@Feathi

Überleg mal....ohne Dein Handeln.....wie säge es jetzt aus!

Wirklich gut gemacht!

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Ist klar, dass du das erstmal verarbeiten musst. Du hast getan, was du konntest und er ist auf dem Weg ins Krankenhaus.

Vielleicht kannst du jetzt noch seiner Frau/Freundin beistehen.

Ähnliches Drama spielte sich mal in meiner Nachbarschaft ab. Ich bekam das erst mit, als der Hubschrauber landete. Der Mann war beim Rasenmähen, hatte kurz Pause gemacht, weil ein Bekannter vorbeikam und brach dann zusammen. Glücklicherweise war der Bekannte bei der FF und wußte, was zu tun war. Der Mann hatte einen Schlaganfall und Herzinfarkt zur gleichen Zeit, ist aber wieder wohlauf und fährt auch Fahrrad. Aber so eine Sache steckt einem noch für eine Weile in den Knochen.

Als Notfallmediziner kommst du oft in solche Situationen. Dann machst du alles, was du kannst, um einen Menschen zu retten und kümmerst dich, bis er in andere Hände kommt. Danach musst du gedanklich frei sein für den nächsten Fall und darfst nicht durch vorherige Erlebnisse abgelenkt sein. Das geht oder sagen wir so, wenn du das nicht kannst, bist du nicht geeignet für den Job, weil deine Versorgung des nächsten Patienten nicht darunter leiden darf, was du vorher erlebt hast.

Seine Freundin wurde von seinem Kumpel (anderer Arbeitskollege) unterrichtet und wird Unterstützt. Langsam komme ich klar.

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@Feathi

ja, es braucht etwas Zeit, um sich zu beruhigen.

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Ja, der Schock sitzt tief. Das kann ich gut verstehen.

Hol dir ein Taxi, das dich nach Hause fährt oder eine andere Person die dich fahren kann. Da solltest du, meiner Meinung nach, erst Mal alles raus lassen. Denn danach geht es meistens "besser" und dann sind meist klarere Gedanken möglich.

Dann hast du die Möglichkeit dich auch um eine Notfallseelsorge zu kümmern. Möglich, dass du da bei der 116117 nachfragen kannst. Vielleicht ist auch jemand in deinem Umfeld, der gerade nicht arbeiten muss und den du anrufen kannst.

Aber Versuch nicht es einfach zu übergehen. Was gerade mit dir passiert, ist absolut normal und muss erstmal verarbeitet werden. Und Notfallmediziner sind auch nicht unberührbar. Meistens haben sie nur auch keinen vor sich, den sie seit Jahren persönlich kennen. In dem Fall wären auch sie emotional beteiligter. Allerdings haben die auch Zugang zur Seelsorge.

Kümmer dich um dich und deinem Kollegen wünsche ich alles Gute!

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Soziale Arbeit/ Sozialpädagogik

Habe ganz vergessen zu antworten, danke für deine Antwort. Ich bin etwas früher gegangen und habe mich davor mit anderen Zeugen ausgetauscht (was schonmal gut getan hat). Am nächsten Tag hatte ich ein sehr langes, intensives Gespräch über den Vorfall mit meiner besten Freundin (Ärztin im Krankenhaus auf der Frühchenstation). Mit anderen zu reden, auch mit Personen die zwar unbeteiligt waren, sich damit aber auskennen, hat mir sehr gut getan.
Ich bin natürlich immer noch am Verarbeiten, diese Bilder und Geräusche haben sich eingebrannt, aber es geht mit soweit wieder gut :)
Der Kollege ist übern Berg und ich bin darüber einfach nur Glücklich.

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Für sowas gibt es zb Notfallseelsorger. Wenn es dich so belastet, dann geh halt lieber nach Hause und wenn es gar nicht besser geht, zu einem Arzt. 🙊 Ist doch egal, was die Anderen denken, denen geht es vl genauso.

Habe mich gerade mit einen Augenzeugen unterhalten. Er ist auch fertig. Aber der kurze Austausch tat etwas gut.

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Jeder geht damit anders um. Ich glaube da gibt es kein Patentrezept. Versuche die Geschehnisse anders zu betrachten. Du hast ihm geholfen bis medizinische Hilfe da war. Das was du tun konntest hast du gemacht. Das ist doch was gutes.

Dankeschön für deine Antwort. Ich werde es versuchen.

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