Evolutionstheorie, ein Teufelswerk?

44 Antworten

Wieso also wird gesagt, dass die Evolution nicht stimme, und die Tatsache eine Lüge sei und vom Teufel… erfunden sein soll?

Aus Kleinglauben und Totalitarismus.

Kleinglaube ist es, weil der Kleingläubige unbedingt „Wunder“ im Sinne von natürlich unmöglichen und daher einer übernatürlichen Erklärung bedürfenden Phänomenen braucht, um seinen Glauben zu bestätigen. Es darf also nicht alles natürlich erklärbar sein, sonst gerät der Glaube in Gefahr.

Damit einher geht auch die Auffassung, der Glaube an eine Erschaffung der Welt, des Lebens und des Menschen durch Gott und eine natürliche Entstehung schlössen einander aus.
Wenn ich aber glaube, selbstpersönlich ein Geschöpf Gottes zu sein, wohl wissend, dass ich meine Entstehung einem (hoffentlich) Liebesakt meiner Eltern verdanke, kann ich das nicht länger für einen Widerspruch halten, und gegen die Akzeptanz einer rein natürlichen (darauf kommt es an, nicht darauf, ob es Evolution überhaupt gibt) Beschreibung der Entstehung der Welt und auch des Lebens wie auch der einzelnen Arten spricht dann gar nichts mehr.

Der Kre(a)ti(o)nismus aber baut auf dem auf „Wunder“ im Sinne göttlicher Machtdemonstrationen angewiesenen Kleinglauben auf und ist daher nicht (nur) schlechte bzw. gar keine Naturwissenschaft, sondern vor allen Dingen schlechte Theologie.

Übigens steht dahinter auch ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis, das es nicht erträgt, dass Fragen des Glaubens eben nicht mit letzter Sicherheit entscheidbar sind. 

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Statt „Totalitarismus“ hatte ich erst „Machtgier“ geschrieben, aber dabei handelt sich dabei um Gier nicht unbedingt nach persönlicher Macht. Man kann auch Anhänger eines Machthabers sein (als den man als Fundamentalist Gott denkt), unter dem man selbst nichts zu vermelden hat, an dessen Macht man jedoch teil hat, da er tatsächlich oder vermeintlich auf derselben Seite steht wie man selbst.¹)

Dazu gehört es natürlich, dass jemand, der den eigenen Kinderglauben nicht teilt, sich ihm nicht unterwirft, unbedingt verteufelt werden muss (in diesem Falle sogar wörtlich) wie einst Trotzki durch Stalin oder Goldstein in Orwells „1984“ durch die Partei.

Die Welt als Schöpfung Gottes (und zwar des so gedachten wie ihn Fundamentalisten sehen) muss als eine Offensichtlichkeit dargestellt werden (die sie nicht ist), sodass nicht etwa der Glaube als ein wirklicher Glaube, sondern als Einsicht in die vermeintliche Offensichtlichkeit gedacht wird und „Unglaube“ (Andersglaube und Nichtfundamentalismus eingeschlossen) somit als bewusstes und willentliches Verschließen der Augen vor ebendiesem vermeintlich Offensichtlichen - und damit natülich auch als strafwürdig - hingestellt werden kann.

Eine Theorie, die etsi Deus non daretur (lat.: als ob es Gott nicht gäbe) verstehbar beschreibt, wie Leben entstanden ist, ist dieser vermeintlichen Offensichtlichkeit natürlich im Wege und muss ebenfalls verteufelt werden.

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Die dahinter steckende Denkweise ist richtig gefährlich. Sie fordert nämlich den blinden Glauben an etwas, das man zu wissen glaubt, weil man es einmal erzählt bekommen hat und nicht nur Misstrauen, sondern Verteufelung etwa naturwissenschafticher Methoden.

Das kann auch die der Verbrechensaufklärung betreffen; ich denke da an die Situation, dass in einer US-Gemeinde ein Mädchen ermordet werde und ein auf der Suche nach Arbeit herumvagabundierender Afroamerikaner unter Verdacht gerät und schließlich aufgrund falscher Zeugenaussagen trotz forensischer Beweise gegen ein angesehenes (und natürlich euroamerikanisches) Kirchenmitglied zum Tode verurteilt und hingerichtet wird. Ein Justizmord.

„Herr, vergib ihnen nicht, denn sie wissen, was sie tun“, möchte man da sagen. Wenn es Satan gibt, tritt er manchmal auch als besonders frommer Mann auf.

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¹) Selbst der glühendste „Totalitarier“ will nicht eine Diktatur, die ihn vergewaltigt, sondern natürlich eine, die diejenigen vergewaltigt, die anders denken oder leben als er das tut und für richtig hält - oder einfach nur anders aussieht.

Deshalb ist auch übrigens eine Entscheidung der Mehrheit eines Volkes für eine Diktatur nicht etwa eine legitime Machtabtretung an jemanden, dem man vertraut, sondern eine Selbstermächtigung einer Mehrheit gegenüber der Minderheit, die bisher durch eigene Rechte davor geschützt war. Man verkauft gleichsam jemanden in die Sklaverei, der einem gar nicht gehört, und das kann gar nicht „legitim“ sein, egal wie groß die Mehrheit und wie Wenige davon betroffen sind.

Hallo Slow Phil!

Es kann jeder schreiben was er will  doch möchte ich zu Deinen weitläufigen Erklärungen bemerken, dass es sinnvoller wäre sich auf die Frage zu konzentrieren warum religiöse Fundamentalisten die Evolution in Pausch und Bogen als Teufelswerk bezeichnen. Und aufzeigen mit welchen Argumenten sie das auch begründen.

Gleichzeitig wäre es sinnvoll auf  jene nachweisbare Fakten hinzuweisen, die zeigen warum etliche religiöse  Naturvorstellungen, die zwischen 2000 bis 3000 Jahre alt sind, heute nicht mehr haltbar sind.

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@Christian3684

…, dass es sinnvoller wäre sich auf die Frage zu konzentrieren warum religiöse Fundamentalisten die Evolution in Pausch und Bogen als Teufelswerk bezeichnen.

Genau das habe ich getan.

Man kann eine Theorie ja für falsch verstanden, für nicht der Weisheit letzten Schluss oder einen Irrtum halten und sich einer Diskussion mit Argumenten und auf Augenhöhe stellen.

Das Wort „Teufelswerk“ erstickt die Möglichkeit einer solchen Diskussion im Keim, und warum Fundis das tun, habe ich gemäß meiner Einschätzung dargelegt. Genau deshalb ist es,…

 …auf  jene nachweisbare Fakten hinzuweisen, die zeigen warum etliche religiöse  Naturvorstellungen, die zwischen 2000 bis 3000 Jahre alt sind, heute nicht mehr haltbar sind…

…gerade nicht sinnvoll. Für diejenigen, welche die Evolutiontheorie verteufeln, sind genau diese Argumente ja „Teufelswerk“ und ein „Angriff auf den Glauben“.

Selbst weniger totalitär eingestellte Kreationisten, die, wie ich oben skizziert habe, in der Evolutionstheorie einen Irrtum sehen, sind für naturwissenschaftliche Argumente wenig empfänglich.

Nun ist Kreationismus aber nicht primär die Auffassung, dass Gott uns geschaffen habe, sondern vor allem die, dass dies im Widerspruch zu naturwissenschaftlichen Erklärungen stehe und daher Letztere unglaubwürdig sein müssten.

Da greift dann logischerweise auch kein naturwissenschaftliches Argument, eher ein theologisches.

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@Christian3684

Über diese"religiösen Naturvorstellungen" gibt so viele Voruteile bis heute, dass es weh tut. Wo kommt noch mal der 360-Grad-Kreis her, wer konnte damals schon den Lauf der Planeten berechnen, grafisch darstellen und diese Darstellung in Keilschriftform beschreiben? Und wo wahr die geistlich-geistige Elite Israels noch mal zu dieser Zeit?
Die hatten einen Erkenntnisstand, der uns heute überhaupt nicht klar ist.
Umgekehrt gehen heute so viele Menschen zu Wahrsagern usw., dass unsere Zeit auch nicht viel besser ist als die damalige, die trotz der guten Erkenntnisse einen sehr merkwürdigen, Aberglauben pflegten, von dem sich etwa das Alte Testament mit heißestem Spott distanzierte.

Die Sache ist so viel differenzierter, aber das wollen viele Menschen immer noch nicht wahrhaben.

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@nachdenklich30

Falls dies mir gilt und Kritik daran sein soll, dass ich als moderner Mensch auf ein antikes Weltbild herabblickte: Das tue ich nicht. Ich ätze hier gegen die Ansichten moderner Kre(a)ti(o)nisten, und zwar nicht einmal wegen der Ansicht, Gott hab die gesamte Welt in 144 Zeitstunden erschaffen, sondern gegen die Verteufelung aller, die das anders sehen. 

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@SlowPhil ,

Je mehr die Zusammenhänge und Wirkkräfte verstanden werden,
desto mehr kommen die Evolutionisten unter Druck , weil die überwältigende
Anzahl der Zufälle längst jedem halbwegs geistig gesunden Zeitenossen
kalte (Ehrfurchts-) Schauer einjagt.

Alles im naturgesetzlichen Rahmenwerk ist so unglaublich haarscharf
drauf abgestimmt, daß es letztlich zwingend auf die Entstehung von
Leben hinausläuft. Wenn in einer dreckigen Pfütze Algen entsehen,
dann ist das KEIN Zufall, sondern die vorhandenen Elemente gegorchen
den vorgegebenen molekularen - bzw bio-molekularen Bindungs-Kräften ! ! !
Und so wie die Eigenschaften eines Moleküls schon vor seiner Entstehung
festgelegt sind, so sind auch die Eigenschaften einer biologischen Zelle
VOR deren Entstehen festgelegt !

Da können die doktrinär angehauchten (Linken) Experten in der
Science-Community Purzelbäume schlagen, da kommen sie nicht drum
herum ! ! !
Daß sich solche Leute überhaupt in der Wissenschaft breit machen konnten,
ist verwunderlich, bei denen jedenfalls, darf es keinen Gott geben !@?

Außerdem - das Gottesverständnis solcher Leute ist zuweilen unter
dem Niveau eines Fünfhährigen - "alter Mann der durch den Weltraum
fliegt" , und dergleichen Hirnwix !@?

Ein indischer Mystiker hat es schon vor längerer Zeit mal so auf den
Punkt gebracht: "Gott denkt uns" .
Und wenn man sich bei den Quantenforschern der Neuzeit einließt,
(soweit das möglich ist, ohne n'Knall zu kriegen :) ) da gewinnt
dieser Gedankengang wieder an "Boden" - äh, naja - Boden geht dort
gar nicht , wo Quanten ohne Grund entstehen unbeinflußt von
Raum und Zeit (wobei letzere sowieso nur als Illusion innerhalb
des naturgesetzlichen Rahmens vorhanden sind )

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@bansai617
Je mehr die Zusammenhänge und Wirkkräfte verstanden werden, desto mehr kommen die Evolutionisten unter Druck,...

Nö. Wenn irgendwas kein Zufall sein kann, ist das noch lange kein Beleg für die Konstanz der Arten.

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@SlowPhil

Von Konstanz kann auch keine Rede sein, es gibt eine Bandbreite von
Variations-Möglichkeiten, welche wahrscheinlich den Rahmen von
menschlichem Faßungsvermögen sprengen würde.
Der Clou dabei ist eben, daß es so konzipiert ist (designed) , das
naturgesetzliche Rahmenwerk läß viel Spielraum. Und JA, auch für
Zufalls-Bindungen, aber alles was zufällig entsteht, zerfällt auch
genauso zufällig wieder, sobald eine Amino-Sequenz mit passenderen
Bindungs-Kräften vorbei-schwurbelt (stark vereinfachend gesagt).

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@bansai617

Die „zuflällige“ Entstehung von Strukturen ist natürlich nicht blind zufällig im Sinne von „völlig regellos“, sie folgt Regeln.

Ein stark vereinfachtes Modell dafür ist 'Spiel des Lebens', das Computerspiel, wo nach ein paar Regeln aus einer anfänglich regellosen oder scheinbar regellosen Anordnung Strukturen entstehen, die auch bestehen bleiben.

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Viele wissenschaftliche Umwälzungen der letzten Jahrhunderte sind auf massiven Widerstand von gesellschaftlicher und religiöser Seite gestoßen, so auch das heliozentrische Weltbild, diverse Theorien der Psychologie und auch die Evolutionstheorie.

Die Gründe, warum jemand sich so vehement dagegen sträuben kann, seine Vorstellungen anzupassen, selbst wenn diese einfach nicht mit der Realität vereinbar sind, sind vielfältig und unterbewusst. Überhöhung der eigenen Bedeutung in der Welt und Schutz des eigenen Weltbildes, das man sich seit der Kindheit erhalten hat, dürften eine Rolle spielen.

Da die Evolutionstheorie und andere wissenschaftliche Modelle in Widerspruch stehen mit der wörtlichen Auslegung diverser Schöpfungsmythen, stellen sie eine Provokation für jeden Fundamentalisten dar, dessen Verständnis seiner Religion die Unfehlbarkeit seiner religiösen Texte beinhaltet.

Dass die ET oder andere wissenschaftliche Disziplinen keine Aussagen über die Existenz von übernatürlichen Wesen machen oder moralische Vorgaben geben und damit grundsätzlich mit jeder Religion kompatibel sind, hindert den Fundamentalisten dann auch nicht mehr daran, sie als Gegensatz zur seinem Glauben zu sehen. Den Teufel für die ET verantwortlich zu machen, liegt von da aus nicht mehr fern.

Als Christ kann ich das nicht so genau verstehen ... wenn diese Diskussionspartner selbst Naturwissenschaftler waren, dann können sie diese Theorie kritisieren, denn sie sollten wissen, was sie tun. Wenn das aber "Laien" waren, dann sollten sie doch besser ihren Mund halten. Von dem, wovon man keine Ahnung hat, sollte man besser die Finger lassen. Ebenso aber auch andersherum: es gibt heute oft Leute, die meinen, sie wüssten, was in der Bibel steht, obwohl sie sich nie wirklich damit befasst haben.

Die Gründe gegen die Evolutionstheorie werden von einigen wenigen Professoren geliefert. Da gibt es meine ich so ein Buch: "Was Darwin nicht wusste." Ich habe es nicht gelesen. Aber offensichtlich sind diese Argumente nicht stark genug oder man hört sie zu wenig. Als Werk des Teufels wird die Evolutionslehre dann gesehen, weil sie nach Aussagen solcher Fundamentalisten nicht mit ihrer Religion vereinbar ist. Somit würde sie vom Glauben wegführen. Der Teufel will dies aber schließlich auch: die Menschen vom Glauben wegführen. So wird dann eines mit dem anderen kombiniert und dann ist die Evolutionslehre plötzlich des Teufels.

Ich habe aber niemals verstanden, warum man denn da Widersprüche sieht. Für mich persönlich ist es auch ziemlich egal, wie der Kosmos denn nun entstanden ist. Es ist natürlich schon verlockend, die Evolutionslehre mit der "creatio continua", der fortdauernden Schöpfung, die von den Kirchenvätern erdacht wurde, aber erst im Lichte der Evolutionslehre wirklich verständlich. Aber Darwin sah selbst keine Widersprüche zwischen seiner Theorie und der Existenz eines Gottes. Und wenn solche Leute meinen, die Evolutionslehre würde als Teufelswerk der Schöpfungslehre widerpsrechen, dann sollten sie in doppelter Hinsicht den Mund halten: sie haben keine Ahnung, was die Bibel sagen will und keine Ahnung von Naturwissenschaft. Leider sind Kundige in beiden Gebieten eher selten anzutreffen, wenn, dann eher an Gymnasien als Lehrer oder in Jesuitengemeinschaften (oder in einem Jesuitenkolleg). Heutzutage sind Priester, die naturwissenschaftliche Lehrstühle innehaben eher selten geworden, da es Priester nicht mehr im Überfluss gibt.

An die Monotheisten: sind Jesiden "Satansanbeter"?

Guten Abend!

Mich beschäftigt eine Frage, für die ich gerne einige Meinungen einholen möchte. Da diese Frage ausschließlich auf theologischer Grundlage fußt, bitte ich lediglich um Antworten von Monotheisten. Ideologisch getriebene Antworten von Atheisten und oder Polytheisten, sind für die Beantwortung meiner Frage irrelevant, es sei denn, man mag sein Wissen dazu teilen.

Wie dem auch sei: Satan wird in jüdischer- islamischer und christlicher Theologie als einen ehemaligen Engel beschrieben, der rebellierte und gilt seither als Satan/Teufel/Iblis.

Nach jesidischer Theologie, rebellierte ein Engel (wie bei den abrahamitischen Religionen), wurde bestraft und in die Hölle verbannt und galt seither als Satan/Teufel/Iblis -und jetzt kommt das entscheidende- versöhnte sich aber wieder mit seinem Herrn. Seither soll der ehemalige Iblis als Engel auf der Erde hausen.

Der sogenannte IS, massakriert gerade die Jesiden, weil sie eben in ihren Augen "Teufelsanbeter" seien. (Keine Relativierung und Bagatellisierung) So hört man es irgendwie auch an anderer Stelle.

Da ich gebürtige Jesiden bin (jetzt Christin) kann ich die Erfahrung schildern, dass nach den Jesiden das böse nicht existiert. Sie dürfen den Namen des Iblis noch nicht einmal aussprechen.

Aber! Gehen wir davon aus, es ist wie es die abrahamitischen Religionen beschreiben (woran ich als Christin selbstverständlich glaube), könnten wir Ihnen "vorwerfen" sie seien "Teufelsanbeter"? Oder sind sie Unwissende? Jesiden glauben -von ihnen aus- nicht an Satan. Tun sie es dann unbewusst? Und wie steht ihr zu der Tatsache, dass sie die Möglichkeit hätten, die Bibel, den Qur'an und die Thora/den Talmud zu lesen? Sind sie "verloren"?

Danke an Juden, Christen, Muslime, Sikhisten, Bahai-Anhänger, Zoroastrier und an die Jesiden selbst.

Gruß und Shalom

xxPHILOSOPHINxx

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