Evolution oder Gott/Adam und Eva?

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Glücklicherweise hat die Evolutionstheorie mit Glauben nichts zu tun. Ich glaube nicht an die Evolutionstheorie, denn ich weiß, dass Evolution wahr ist. Das ist durch eine fast endlos große Zahl an wissenschaftlichen Experimenten, durch den Vergleich der Anatomie und Morphologie der verschiedenen Lebewesen, durch die neuen Erkenntnisse aus der Molekulargenetik und durch den Fossilienbericht mehr als ausgezeichnet belegt. Man kann sich noch so sehr auf den Kopf stellen wie man will, am Wahrheitsgehalt der Evolutionstheorie besteht nicht der geringste Zweifel.

Und dann gibt es noch die bibeltreuen Fundamentalisten und die Kreationisten. Beide glauben, dass die Evolutionstheorie falsch wäre. Belegen können sie das nicht. Durch pseudo-wissenschaftliche Behauptungen versuchen Kreationisten sogar vehement, den Eindruck zu erwecken, dass die Evolutionstheorie "nur eine Theorie" sei und ihr Konzept die "wahre Alternative" wäre. Mit anderen Worten: sie versuchen alternative Fakten zu schaffen. Nur: ein Fakt ist ein Fakt und an diesem kann deshalb nichts alternativ sein.

Bibeltreue Fundamentalisten glauben an die Schöpfungsgeschichte im wortwörtlichen Sinn, also an das, was dazu in der Bibel im Alten Testament steht. Für sie zählt nur, was in der Bibel steht. Dass der gesunde Menschenverstand alleine gebietet, dass das, was dort wortwörtlich steht, nicht sein kann, ignorieren sie bis aufs Bitterste. Sie glauben, Gott habe die Erde vor 6000 Jahren innerhalb von 6 Tagen geschaffen und alle Lebewesen wären von ihm in bis heute unveränderter Form geschaffen worden. Beide Behauptungen lassen sich empirisch widerlegen:

  • das Alter der Erde: Geologen gehen davon aus, dass die Erde etwa 4.5 Mrd. Jahre alt ist. Mit den physikalischen Gesetzmäßigkeiten des radioaktiven Zerfalls von Isotopen können wir das Alter von Gesteinen mit hoher Genauigkeit bestimmen (Geochronologie). Das ist möglich, weil bestimmte Isotope mit einer konstanten Halbwertszeit zerfallen, während andere Isotope stabil sind und nicht zerfallen. Zum Zeitpunkt der Bildung eines Gesteins kommen beide Isotope in einem bestimmten Verhältnis zueinander vor. Während das Gestein altert, bleibt der Gehalt des stabilen Isotops konstant, während der Gehalt des instabilen Isotops aufgrund seines radioaktiven Zerfalls abnimmt. Da die Halbwertszeit dieses Isotops bekannt ist und indem man das aktuelle Verhältnis des instabilen Isotops zum stabilen Isotop miteinander vergleicht, kann man so das Alter des Gesteins (also den Zeitpunkt seiner Bildung) sehr genau bestimmen. Mit dieser Methode konnten die ältesten Gesteine auf der Erde aus Kanada auf ein Alter von 4.031 Mrd. Jahren datiert werden, mit einer Genauigkeit von +/- 0.003 Mrd. Jahren. Die Datierung von Gesteinen zeigt also: die Erde kann gar nicht erst 6000 Jahre alt sein.
  • die Unveränderlichkeit der Arten: hier sind die Fossilien der anschaulichste Beleg dafür, dass die Schöpfungsgeschichte ein Mythos ist (ja, geradezu sein muss), der nicht wortwörtlich zu verstehen ist. Fossilien sind der eindeutige Beleg dafür, dass auf der Erde Lebewesen existierten, die heute ausgestorben sind. Dass diese Lebewesen vor langer Zeit lebten, lässt sich mit den gleichen Methoden der Isotopdatierung, wie sie für Gesteine oben geschildert wurde, bestimmen. Aber mehr noch, die Lebewesen, die diese Fossilien hinterließen, lassen sich durch den Vergleich ihrer Anatomie mit den heutigen Lebewesen problemlos in den Stammbaum des Lebens einordnen, unsere heutigen Lebewesen sind also mit diesen ausgestorbenen Wesen verwandt. Dass die heutigen Lebewesen mit den ausgestorbenen Vertretern nicht nur verwandt sind, sondern von diesen abstammen müssen, wissen wir einerseits durch fossile Brückentiere wie den berühmten Urvogel Archaeopteryx lithographica. Dieser "Urvogel", der einst im mittleren Jura vor rund 150 Mio. Jahren im heutigen Solnhofen, Deutschland lebte, weist Merkmale moderner Vögel auf wie etwa das Vorhandensein symmatrischer Schwungfedern und die Furcula (Gabelbein), ein Knochen, der durch Verschmelzung der beiden Schlüsselbeine (Claviculae) entsteht. Gleichzeitig weist er aber auch Merkmale theropoder Dinosaurier auf wie etwa einen knöchernen Schwanz und Zähne im Maul. Er ist somit ein eindeutiger Beleg dafür, dass Vögel von Dinosauriern abstammen (er war aber kein direkter Vorfahre der heutigen Vögel, sondern ist eher ein "Cousin" unserer Vögel). Heute wissen wir, dass die Vögel nicht nur Nachfahren der Dinosaurier sind, sondern es sich bei ihnen um echte Vertreter der Dinosaurier höchstselbst handelt. Andererseits gibt es auch paläontologische Stufenreihen. Damit ist gemeint dass durch eine Fülle unterschiedlich alter Fossilien die Entwicklung einer Evolutionslinie von den basalen Vertretern bis zu den heutigen Vertretern lückenlos nachvollzogen werden kann. Die bekannteste fossilie Stufenreihe ist die der Pferde (Equidae). Sie entwickelten sich aus kleinen, waldbewohnenden Urpferdchen wie Eohippus (das "Morgenrötepferd") aus dem Eozän vor etwa 50 Mio. Jahren. Diese Pferdchen hatten noch mehrere Zehen an jeder Gliedmaße und niederkronige Zähne, da sie weiche Blattnahrung fraßen. Die Entwicklungslinie, die schließlich zu den heutigen Pferden der Gattung Equus führt, ist gekennzeichnet durch eine Zunahme der Körpergröße, Reduktion der Zehen und durch die Bildung hochkroniger Zähne, mit denen silikatreiche Grasnahrung gefressen werden kann. Mesohippus vor 40 Mio. bis etwa 25 Mio. Jahren vor heute war schon deutlich größer als Eohippus. Bei Merychippus sind die zweite und vierte Zehe bereits stark reduziert, Pliohippus aus dem oberen miozän ähnelt den heutigen Pferden schon sehr. Diese Veränderung wird im Allgemeinen dadurch erklärt, dass durch klimatische Veränderungen die Wälder zunehmend verschwanden und die neu entstehenden Savannen die Pferde zur Anpassung zwangen. WIchtig zu wissen ist, dass die Pferdeartigen insgesamt aber keiner direkten Linie folgen, sondern in Wahrheit einen wild verzweigten Busch repräsentieren. Es gibt z. B. Seitenzweige (die heute ausgestorben sind), die entgegen des "Trends" der rezenten Equus-Evolutionslinie wieder kleiner wurden. Nannippus, ein Pferd das lange Zeit gleichzeitig mit Equus lebte, war beispielsweise kleiner als seine Vorfahren, von dem es abstammte. Es starb erst vor etwa 3 Mio. Jahren aus. Eine weitere und, wie ich finde, wesentlich bessere fossile Stufenreihe, ist unsere eigene Entwicklungslinie beginnend mit frühen Australopithecinen (zu denen wir streng genommen ebenfalls gehören, da wir nichts anderes als ein Seitenzweig der Australopithecinen sind) wie Australopithecus oder Paranthropus über den ersten Vertreter der Gattung Homo (Homo habilis), anschließend den Homo erectus und dann den archaischen Homo sapiens mit Formen wie den Homo (sapiens) heidelbergensis oder den Homo (sapiens) neanderthalensis (mit dem unsere eigene Evolutionslinie sogar hybridisierte) bis hin schließlich zum anatomisch modernen Menschen (Homo (sapiens) sapiens).

Die bibeltreuen Fundamentalisten können vielleicht noch als ein bisschen verschroben und harmlos belächelt werden. Anders sieht es bei den Kreationisten aus, die mit dem Deckmantel der wissenschaftlichen Seriosität versuchen, alternatives Wissen zu erschaffen.
Kreationisten lehnen, wie die bibeltreuen Fundamentalisten, die Evolutionstheorie nach Darwin ab und glauben an eine Schöpfung. Um den Schein der Wissenschaftlichkeit zu wahren, bezeichnen sie "ihren" Schöpfer aber nicht als Gott, sondern als "intelligenten Schöpfer", davon abgeleitet wird ihr Konzept intelligent design genannt. Sie begründen das Zutreffen ihres Konzepts damit, dass (in ihren Augen) die Evolutionstheorie falsch sei, folglich müsse ihre eigene Vorstellung die zutreffende sein. Wissenschaftlich ist das nicht. Kreationisten führen vor allem zwei "Argumente" an, die ihrer Meinung nach gegen die Evolutionstheorie sprächen:

  • das Wahrscheinlichkeitsargument: die Wahrscheinlichkeit, dass durch einen ungeplanten (zufälligen) Prozess wie die Evolution ein sinnvolles Lebewesen entstehen könne, sei so groß wie wenn ein Schimpanse sich an eine Schreibmaschine setzte, zufällig auf die Tasten drückte und dabei ein Gedicht herauskäme.
  • das Komplexitätsargument: biologische Strukturen wie das menschliche Auge seien viel zu komplex gebaut, um durch einen graduellen Prozess vieler kleiner Zwischenschritte erklärt zu werden, da diese Strukturen nur als Ganzes funktionieren würden und jedes einzelne Bauteil an seinem richtigen Platz sein müsse, so wie eine Uhr nur funktioniert, wenn jedes einzelne Zahnrad an seinem Platz sein müsse, damit die Uhr funktioniert. Man nennt es deshalb auch das "Uhrmacher-Argument" mit einem "intelligenten Schöpfer" als "Hersteller" des Lebens.

Beide "Argumente" kritisieren im Prinzip ein- und dasselbe: es mangele an Zwischenformen, ja da das Ganze so komplex sei, könnten sinnvolle Zwischenformen gar nicht existieren. Aber stimmt das? Wie wir gleich sehen werden: nein. Beide Argumente lassen sich leicht mit der Evolutionstheorie entkräften.

  1. Zwischenformen existieren nicht? Es ist in der Tat so, dass der Fossilienbericht recht lückenhaft ist. Das bedeutet aber erstens nicht, dass Zwischenformen nicht trotzdem existierten. Damit überhaupt ein Lebewesen als Fossil erhalten bleibt, müssen sehr viele Faktoren zusammenspielen. Es ist schon ein großes Glück, wenn ein Fossil entsteht. Viele Arten sind daher verschwunden, ohne dass sie jemals hätten ein Fossil hinterlassen können. Außerdem übersehen Kreationisten zweitens gerne, dass man sehr wohl Zwischenformen entdeckt hat: Archaeopteryx habe ich schon erwähnt. Es gibt noch eine ganze Reihe solcher "Bindeglieder", z. B. Tiktaalik oder Ichthyostega, zwei Formen, die den Übergang fischartiger Wasserbewohner und landbewohnender Tetrapoden repräsentieren. Cynognathus ist ein Vertreter, der die Evolution der Säugetiere aus als Synapsiden bezeichneten Vorfahren gut illustriert, die ein echsenartiges Aussehen hatten (streng genommen sind Säugetiere auch nur eine Linie der Synpasida). Cynognathus sah einem Säugetier schon recht ähnlich. Es ging wie ein Säugetier, hatte vermutlich schon ein wärmendes Fell und einen homoiothermen und endothermen Stoffwechsel. Es besaß aber noch ein primäres Kiefergelenk und nur einen Gehörknochen (Säuger haben ein sekundäres Kiefergelenk, das primäre Kiefergelenk ist bei ihnen ins Mittelohr gewandert und bildet dort zwei der drei Gehörknöchelchen) und legte noch Eier. Und drittens vergessen Kreationisten, dass Evolution (im Allgemeinen) ein extrem kleinschrittiger gradueller Prozess ist, bei dem jede Generation ein Bindeglied zwischen ihrer Elterngeneration und der eigenen Nachkommengeneration vermittelt. Die einzelnen Generationen unterscheiden sich dabei nur unwesentlich voneinander.
  2. Zwischenformen haben im Selektionsprozess keinen Bestand? Von wegen! Es gibt viele Beispiele dafür, dass Strukturen zunächst sehr viel einfacher gebaut waren und dass Zwischenformen sehr wohl funktionsfähig waren und dass Einzelteile komplexer Strukturen sehr wohl Sinn ergeben können. Das beste Beispiel dafür ist das menschliche Auge, das nichts anderes ist als das Ergebnis aus einer ganzen Reihe sehr viel einfacher gebauter Sehsinnesorgane, die jedes für sich genommen in ausgezeichneter Weise funktionieren. Das beginnt bei einfachen Grubenaugen, geht über Augen, die wie eine Lochkamera funktionieren (wie etwa beim Perlboot Nautilus) und mündet schließlich in der Evolution der uns eigenen Linsenaugen. All diese Zwischenschritte funktionieren und bieten ihren Trägern einen evolutionären Vorteil. Kreationisten vergessen (oder übersehen wissentlich) dabei oft, dass Evolution ein ungerichteter Prozess ist. Zwischenformen entstanden nicht mit dem Ziel, irgendeine der heutigen komplexen Strukturen zu bilden. Jede Zwischenform muss für sich genommen sinnvoll gewesen sein. Das ist tatsächlich der Fall und der Sinn der Zwischenform muss nicht einmal zwangsläufig der gewesen sein, den die heutige komplexe Struktur erfüllt. So wie das Zahnrad einer Uhr für sich genommen sehr wohl einen Sinn ergibt. Es wurde zweifelsohne vor der ersten Uhr erfunden und diente ursprünglich einem ganz anderen Zweck als die Zeit anzuzeigen. Die ersten bekannten Zahnräder der Menschheitsgeschichte waren Bestandteil von Flaschenzügen und hatten mit einer Uhr rein gar nichts zu tun! Auch biologische Strukturen als Zwischenformen können so für sich genommen Sinn ergeben haben und machten einen Funktionswandel durch. Sie dienten damit als Präadaptationen für spätere Entwicklungsschritte. So ist die Entstehung der Lunge nicht etwa entstanden, um den Tieren damit das Atmen an Land zu ermöglichen, sondern ist als Anpassung an sauerstoffarme und periodisch austrocknende Gewässer zu verstehen, so wie es bei den in Australien, Südamerika und Afrika verbreiteten Lungenfischen noch heute der Fall ist. Auch das Sehpigment, Rhodopsin, entstand sehr wahrscheinlich nicht mit dem Zweck Sehen zu können, sondern wird von Bakterien noch heute genutzt, um damit Lichtenergie einfangen und diese Energie nutzen zu können.

So kann man dann auch nachvollziehen, wie der genetische Code entstanden sein kann in einem kleinschrittigen Prozess, genau wie ein Gedicht in einem kleinschrittigen zufälligen Prozess entstehen kann. Am Anfang stand die Entstehung einzelner Buchstaben. Im Fall unseres Alphabets sind das die Buchstaben A bis Z, im Fall des genetischen Codes die Basen der DNA bzw. der RNA. Daraus formen sich zunächst Wörter bzw. Gene mit eigenständiger Bedeutung. Schritt für Schritt fügen sich Wörter schließlich zu Sätzen zusammen, die einen neuen Sinn ergeben können. Es entsteht eine eigene Synthax und schließlich setzen sich aus Sätzen ganze Gedichte oder sogar Bücher zusammen. Genau nach dem gleichen Prinzip bilden Gene ein Komplexes Ganzes, das doch auf nur wenigen Buchstaben basiert.

Insgesamt ist das kreationistische intelligent design empirisch schlicht nicht belegbar. Da man dieses Konzept somit nicht testen bzw. falsifizieren kann, handelt es sich damit nicht um eine Theorie im wissenschaftlichen Sinn.

Und ein letzter Einwand: viele Strukturen in der Natur sind überhaupt nicht perfekt. Ein intelligenter Schöpfer hätte sie ganz anders konstruiert. Das menschliche Auge ist so eine Fehlkonstruktion (optische Täuschungen lassen grüßen oder die inverse Retina), der Verlauf des rückläufigen Kehlkopfnervs, der Körperschwerpunkt des Menschen vor der Wirbelsäule, ... intelligent ist das nicht, sondern in höchstem Maß stümperhaft. Erklärbar ist all das nur durch die Evolutionstheorie, dadurch, dass man nicht beliebig neu Teile kombinieren kann, sondern aus dem schöpfen muss, was schon da ist. Dabei muss es nicht perfekt sein, es reicht aus, dass es funktioniert und einen Überlebensvorteil verschafft.

Evolution hat mit Glauben also nichts zu tun. Dass es sie gibt ist ein Fakt, den niemand bestreiten kann.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig

super Antwort!

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Eine sehr ausführliche und gute Antwort. Ich will mir nicht vorstellen wie lange dies zu schreiben gedauert hat. Leider wird es trotzdem Leute geben die die Schöpfer Idee der Evolutionstheorie bevorzugen.

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Naja... Das ist in etwa so, als ob du fragen würdest, ob die Leute an den Weihnachtsmann oder die Evolution glauben... Luftfahrt oder Harry Potter?

Adam und Eva ist ein Mythos, ein angepasster und übernommener Mythos, der wahrscheinlich seine Wurzeln in verschiedenen anderen Mythen hat, wie z.B. dem Paradismythos von Dilmun (https://www.wissen.de/bildwb/mythen-des-alten-mesopotamien-goetter-und-heldenepen). Das als Gegenpol zu einer bestens belegten und etablierten wissenschaftlichen Theorie, die man täglich beobachten kann zu bringen, ist schon vom Grundkonzept her sinnlos. Dass die Menschheit nur ein paar tausend Jahre alt sein soll, ist ohne jeden Zweifel widerlegt, ebenso wie die nur ein paar tausend Jahre alte Erde, oder die Flat-Earth-Behauptungen... Alle spielen aber eigtl. in der gleichen Liga... Vielleicht so etwas wie Kreationismus 1.0, 2.0 und 3.0 mit ihren jeweiligen Unterversionen...

Die von Kreationisten/IDlern postulierten Konzepte, die von einer statischen Schöpfung, über die sog. Grundtypenbiologie geht, sind allesamt widerlegt und auch sogar schon vom Grundkonzept her völlig unlogisch (z.B. anhand der Sintflutgeschichte sehr gut darstellbar... Da soll auf der einen Seite eine Evolution unmöglich, aber in nur ein paar tausend Jahren soll von einigen wenigen "Grundtypen" ausgehend nun Millionen Arten entstanden sein? Also eine Turboevolution sondergleichen... Was das genau für Grundtypen gewesen sein sollen, wie die ausgesehen haben und wie das in das Konzept der kreationistisch für unmöglich postulierten Makroevolution passen soll, wird dabei natürlich ausgeblendet... ebenso wie die Tatsache, dass man nicht einmal für einen einzigen Grundtyp entsprechende Funde oder Stammbäume vorweisen könnte... Auf der anderen Seite verlangt man aber von der ET absolut lückenlose Deszendentenlinien über Millionen von Jahren und meint aus Lücken einen Gegenbeweis konstruieren zu können. Hier zeigt sich eine erhebliche Doppelmoral bei der Bewertung der Datenlage.

Betrachtet man die Kritik an der ET oder dem Konzept Evolution allgemein, stellt sich mir eigtl. immer wieder die Frage, was GENAU da eigtl. kritisiert wird... Dass sich Lebewesen an die Umgebung anpassen und z.B. durch Isolation neue Arten entstehen, bestreiten höchstens noch ein paar Hardcore-Kreationisten, also deutet man den Begriff der Makroevolution mal eben komplett um und benutzt ihn als vermeintliches Gegenargument zur ET, ohne aber überhaupt klar zu machen, was genau man darunter verstehen will... (ebenso macht man es in diesem Kontext mit dem Artbegriff). Wie schon gesagt... Man kann die Entwicklung neuer Arten beobachten (https://de.wikipedia.org/wiki/Artbildung), neuer Organfunktionen (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28812655), die Entstehung neuer genetischer Informationen (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC102656/ oder http://www.ag-evolutionsbiologie.net/html/2010/evolutionsbeweis-retroviren.html), auf genetischer Ebene lassen sich sogar ganze Stammbäume erstellen (https://en.wikipedia.org/wiki/Tree_of_life_(biology) etc. etc. Ebenso muss man sich die Frage bzgl. der (ebenfalls widerlegten) "irreduziblen Komplexität" stellen... Da wird laut drauf los behauptet, diese oder welche Struktur wäre "irreduzibel Komplex" und benötigte unbedingt einen "Schöpfer"... Aha... Die Gegenbeweise dazu werden zwar auch schon seit Jahren fleißig ignoriert, hier wird z.B. ein bekanntes Beispiel dazu aufgegriffen:

https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(07)01338-3

und hier werden noch weitere Mechanismen erläutert:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4258170/

Die Fragestellung was GENAU die Trennlinie zwischen Mikro- und Makroevolution sein soll, wird genau wie die anderen Probleme stetig weiter ignoriert... An welchen Mechanismen wird das fest gemacht, wo sind die postulierten genetische Grenzen etc. ? All das wird einfach ausgeblendet und fröhlich weiter vor sich hin behauptet... Hauptsache "dagegen" sein.... Evtl. kombiniert mit "Strohmann-Argumenten" wie: "Wenn ein Hund eine Katze auf die Welt bringt..." o.ä. Pseudoargumenten... So etwas wird zwar nirgends von der ET so behauptet, aber als "Gegenargument" wird es gerne genutzt...

Also was genau wird eigtl. kritisiert? Dass man an den offenen Fragen einfach "Gott" einbauen sollte? Man stelle sich nur mal vor, das würde tatsächlich so gemacht, dann wäre doch zeitgleich ein weiteres Nachforschen oder Hinterfragen wieder ein Sakrileg... und somit wären wir wieder an dem Punkt, an dem wir in der frühen Vergangenheit auch schon einmal waren, dass nämlich religiöse Dogmen nicht hinterfragt werden dürfen und damit eigtl. jeder wissenschaftliche Fortschritt eingestellt wäre.

Wichtig dabei ist auch zu verstehen, was die ET überhaupt beinhaltet... Die ET geht schon von bereits existierendem Leben aus, egal wie es entstanden ist. Bereits Darwin hat das seinerzeit schon klar dargestellt, was aber auch wieder von vielen schlicht ignoriert wird und für ganz Belehrungsresistente geht die ET sogar bis zum Urknall zurück... Was auch dabei von IDlern/Kreationisten immer wieder ausgeblendet wird: Es ist ein Milliarden-Geschäft... Mit so gut wie nichts lässt sich ohne jeden nennenswerten Aufwand richtig viel Geld verdienen... Einfach gegen die ET sein, ein bischen "Gott war's" behaupten, evtl. noch etwas quote-mining und Strohmänner-Abfackeln und fertig ist ein kreationistischer Bestseller... Kein Peer-review... keine offene Diskussion... Nothing... Man lässt sich gegen gutes Geld zu Kongressen einladen, wo man dann seine Thesen einem völlig unkritischen Publikum vortragen kann etc. etc. Bingo... Da klingelt die Kasse...

Also nach diesem kurzen Überblick der Problematik sollte sich eigtl. diese Frage gar nicht mehr stellen und für jeden auch nur halbwegs ehrlichen Menschen sollte es offensichtlich sein, dass die Kritik an der ET mit wissenschaftlich fundierter Kritik nichts zu tun hat, sondern es nur darum geht die eigene Ideologie zu verteidigen, das eigene Weltbild, nachdem der Mensch die "Krone der Schöpfung" ist und nicht nur ein weiterer Teil der Natur als Ganzes. Für Abermillionen von Menschen ist auch eine Kombination von Evolution und ihrem Glauben kein Problem... Da stellt sich die Frage "oder" erst gar nicht... Als kleinen Denkanstoß zu dem Thema gibt es das sog. "Intelligent Falling".... (https://de.wikipedia.org/wiki/Intelligent_Falling) oder halt das FSM (https://de.wikipedia.org/wiki/Fliegendes_Spaghettimonster)

Hallo dsalvatore,

ich glaube, dass wir alle von einem ersten Menschenpaar abstammen, also von Adam und Eva. Viele sind allerdings der Meinung, sie seien lediglich erfundene Gestalten und belächeln den biblischen Schöpfungsbericht.

Die Bibel spricht von den beiden jedoch als von Personen, die tatsächlich gelebt haben und von denen die gesamte Menschheit abstammt. Ist es jedoch mit dem Wissen und den Erkenntnissen der heutigen Zeit zu vereinbaren, Adam und Eva als historische Personen zu betrachten, und was zeigen die Tatsachen?

Da ist zunächst einmal der kurze biblische Bericht der Genesis über die Erschaffung des ersten Menschen (Adam). Die Bibel berichtet folgendes: "Und Jehova Gott ging daran, den Menschen aus Staub vom Erdboden zu bilden und in seine Nase den Odem des Lebens zu blasen, und der Mensch wurde eine lebende Seele."(1. Mose 2:7).

Ist das, was hier ausgesagt wird, wissenschaftlich korrekt? Nun im "Staub", also in der Erde, sind all die 41 grundlegenden chemischen Elemente, aus denen der menschliche Körper besteht, zu finden. Die Formulierung "aus Staub" ist zwar einfach ausgedrückt, widerspricht aber dennoch nicht den Tatsachen.

Da der Mensch aus etwa 100 Billionen Zellen mit Dutzenden Organen und 9 großen Organsystemen besteht, wäre zu fragen: Wie ist dieses hochkomplexe und genial konstruierte biologische Gebilde ins Dasein gekommen? Ist es wahrscheinlich, dass sich der menschliche Körper über Jahrmillionen entwickelt hat? Oder sollte ein intelligenter Designer, also Gott, dahinter stehen?

Da der Mensch nicht nur aus lebloser Materie besteht, sondern auch Lebenskraft besitzt, stellt sich die weitere Frage: Woher stammt diese Lebenskraft? Wenn man Gott ausschließt, dann funktionieren wir allein nur aufgrund einer ganzen Reihe chemischer Abläufe und Prozesse. Nicht jeden stellt diese Erklärung jedocch zufrieden!

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass das gesamte Menschengeschlecht und damit auch alle Menschenrassen miteinander verwandt sind. Der anatomische und organische Aufbau eines Menschen, egal welcher Rasse er angehört, ist stets identisch. Wir haben also, wie es in der Bibel berichtet wird, einen gemeinsamen Vorfahren. Das wird auch in folgenden Werken gesagt:

Die Wissenschaft bestätigt jetzt, was die meisten der großen Religionen schon immer gepredigt haben: Alle Menschen, ganz gleich, zu welcher Rasse sie gehören, stammen . . . von dem gleichen ersten Menschen ab“ (Amram Scheinfeld, Heredity in Humans, S. 238, Philadelphia und New York, 1972).

Was in der Bibel schon seit Jahrhunderten über Adam und Eva, Vater und Mutter des ganzen Menschengeschlechts, steht, ist das, was die wissenschaftlichen Forschungen ergeben haben: daß alle Völker der Erde eine einzige Familie bilden und einen gemeinsamen Ursprung haben“ (Ruth Benedict und Gene Weltfish, The Races of Mankind [Die Menschenrassen], S. 3, New York, 1978).

Dass Adam nicht lediglich ein Sinnbild der gesamten frühen Menschheit ist, zeigt auch die Bibel selbst. So reiht sie z. B. Adam in verschiedene Geschlechtsregister ein, die eine Aufzählung historischer Personen darstellt. Das macht aber nur dann Sinn, wenn in diesen Ahnenreihen auch Adam eine Person ist, die tatsächlich gelebt hat. Ein Beispiel dafür ist der Stammbaum Jesu Christi gemäß Lukas, Kapitel 3, Verse 23 - 38.

Unter anderem heißt es dort: „Jesus selbst [war], als er sein Werk anfing, ungefähr dreißig Jahre alt und war . . . der Sohn . . . des David, . . . Sohn des Abraham, . . . Sohn des Adam.“ (David und Abraham sind bekannte geschichtliche Gestalten).

Ist es daher nicht vernünftig, zu schlussfolgern, dass auch Adam eine wirkliche Person war und nicht etwa ein Sinnbild den Anfang der Menschheit? In einem anderen Bibelbuch, Judas 14, heißt es:"„Der siebte in der Linie von Adam her, Henoch, hat . . . prophezeit.“ (Henoch war nicht der siebte in der Linie von der gesamten frühen Menschheit her.)

Auch Jesus Christus sprach von Adam und Eva nicht lediglich als allegorische Personen. Das zeigt der Bericht in Matthäus 19:4,5: "[Jesus] sagte . . .: ‚Habt ihr nicht gelesen, dass der, welcher sie [Adam und Eva] schuf, sie von Anfang an männlich und weiblich gemacht hat . . .?‘ “ Diese Aussage Jesu belegt eindeutig, dass er den Schöpfungsbericht für wahr hielt.

Interessant ist auch die Aussage der Bibel in Apostelgeschichte, wo es heißt: "Und er hat aus e i n e m [Menschen] jede Nation der Menschen gemacht, damit sie auf der ganzen Erdoberfläche wohnen, und er verordnete die bestimmten Zeiten und die festgesetzten Wohngrenzen der [Menschen]" (Apostelgeschichte 17:26. Auch hier wird wiederum bestätigt, dass die gesamte Menschheit von einem gemeinsamen Vorfahren abstammt.

Zum Schluss möchte ich noch einen entscheidenden Punkt herausstellen, warum der Glaube an den Genesisbericht über Adam und Eva so bedeutungsvoll ist: Durch diesen Bericht erhalten wir befriedigende Antworten auf die wichtigsten Lebensfragen, wie z. B.: Woher kommen wir? Welchen Sinn hat das Leben? Warum gibt es so viel Leid und Böses in der Welt und wird das Böse jemals beseitigt? Außerdem wäre die wichtigste biblischen Lehre, die Lehre vom Lösegeld, ohne den Bericht über Adam und Eva nicht zu verstehen.

Das sind nur einige wesentliche Gründe, warum es einen Sinn macht, die biblische Erzählung von Adam und Eva für glaubwürdig zu halten.

LG Philipp

Ich gehe davon aus, dass das Leben auf der Erde durch Abiogenese entstand, und sich durch die Evolution weiter entwickelt hat. Der Mensch entwickelte sich, wie auch die Menschenaffen aus affenartigen Vorfahren. Letztendlich sind wir immer noch Affen.

Im Gegensatz zu anderen Leuten mit einem evolutionären Weltbild, glaube ich allerdings an Gott als Ursprung hinter allen Dingen, also als Ursprung hinter den Naturgesetzen.

Ein bekannter Astronom sagte ungefähr so:

Mit der »Erschöpfung« der Kategorien von Raum, Zeit und Materie wurden gleichzeitig auch alle jene Gesetze geschaffen, welche dann das Weltall und den Stoff in ihm befähigt haben, in einer großartigen Evolution Milchstraßen, Sonnen, Planeten, unsere Erde und das Leben auf ihr, einschließlich uns Menschen, auf den Weg zu bringen. Der Eingriff der Schöpfung geschah zu Beginn des Universums und für den weiteren Ablauf der Gesetze bedarf es keines weiteren Eingriffs.

Dies Sichtweise entspricht weitgehend meiner eigenen.

Evolution oder Gott

Sorry, aber ich sehe dazwischen keinen Widerspruch. Ich sehe nur einen Widerspruch in dem, was die Schöpfungsgeschichte ausmacht gegenüber dem, was die Entwicklung des Universums und des Lebens angeht, aber da habe ich auch eine recht simple Erklärung dafür: Stille Post besonders zwischen Wesen mit einem begrenzten Verständnis, die das bis zur Niederschrift mündlich weitergaben, was anfänglich eine Person als Inspiration vielleicht mitgeteilt bekommen hat - und selbst die erste Person hat vermutlich nur das mit ihrem begrenzten Verstand beschreiben können, was sie als Inspiration erhalten hatte. Dadurch ist dann vermutlich nach etlichen Generationen diese völlig unzureichende Beschreibung des Schöpfungsberichtes geworden.

  • völlig unzureichende Beschreibung des Schöpfungsberichtes 

Kirki, pass auf, dass du mir nicht aus Versehen sympathisch wirst!

Der Denkfehler und mitunter auch künstlich aufgebauschte Gegensatz, den man hier allenthalben antrifft, ist der Vergleich zwischen "Beginn" der Entwicklung ("Schöpfung", "Urknall" oder wie auch immer) und nachfolgender Entwicklung (Evolution).

Ersteres kann (noch) nicht schlüssig erklärt werden.

Letzteres ist inzwischen selbst unter vielen aufrichtigen Gläubigen und Berufstheologen unumstritten und stellt für die keinen Widerspruch zu ersterem dar!

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@666Phoenix
Der Denkfehler und mitunter auch künstlich aufgebauschte Gegensatz, den man hier allenthalben antrifft, ist der Vergleich zwischen "Beginn" der Entwicklung ("Schöpfung", "Urknall" oder wie auch immer) und nachfolgender Entwicklung (Evolution).

Nun ja, es kommt eben auch darauf an, inwieweit man eine Kausalität zwischen dem Beginn der uns bekannten Raumzeit, der Entwicklung des Universums und schließlich bis zur Entstehung unseres Sonnensystems, der Erde und des Lebens auf letzterer sieht bzw. sehen will. Ich halte einen Kontext nicht für ausgeschlossen, ja nicht einmal dass diese Entwicklung von Anfang an in gewisser Hinsicht zielgerichtet war, denn wie sich an unserer Welt zeigt, ist biologisches Leben nicht nur möglich, sondern real geworden.

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@JTKirk2000
  • auf letzterer sieht bzw. sehen will.

Vergiss nicht: "....bisher sehen KANN...."

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