Eure Meinung: Hat ein Mensch durch Medien überhaupt einen "freien Willen"?

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Das Ergebnis besteht aus 10 Abstimmungen

Ja klar hat der Mensch einen freien Willen! 50%
Ich glaube der Mensch hat nur einen "eingeschränkten freien Willen" 40%
Nein, ich glaube ein Mensch hat keinen freien Willen! 10%

10 Antworten

Hallo sondey29, ich grüße dich.

Ich wiederhole meine Antwort vom 1.11.2015 auf eine ähnliche Frage:

Als erstes sollte eine Unterscheidung getroffen werden zwischen Wille und Entscheidung. Diese wird meist nicht durchgeführt. Eine eigene Freiheit kann es nur in der Entscheidung geben, zwischen zweien oder mehreren. Damit ist schon der Begriff Willensfreiheit ein Unsinn. Es gibt nur eine Entscheidungsfreiheit. Der sich aus einer Entscheidung ergebende Wille, zu einer Umsetzung der Entscheidung (man achte auf die Reihenfolge), ist daraufhin abhängig von der Person, mit welcher Energie, welchem Elan sie ihre Entscheidung umsetzt. Diese Energie ist mit dem Begriff "Willen" ausgedrückt. Woraus sich eine Entscheidungs-Freiheit ergibt, die in der Person vorhanden ist. Wieweit es tatsächlich eine Freiheit ist, das sei dahin gestellt. Denn seine in ihm ablaufende Entscheidungsfindung ist von vielerlei Faktoren abhängig, z. B. von inneren Wünschen, Bedürfnissen, Hoffnungen oder äußeren Notwendigkeiten, Aufforderungen oder noch anderen. Seine Handlungs-Freiheit ist einmal von ihm selbst und von den äußeren Bedingungen abhängig in denen er sich befindet. Mithin hat seine Handlungs-Freiheit zwei Bezugspunkte, die für ihn in seiner Ausführung (der Handlung) zu berücksichtigen sind.

Wollte man tatsächlich von einer Willensfreiheit des Menschen sprechen, dann bezöge sie sich auf eine Ausführung einer Handlung und entspräche damit der Handlungsfreiheit. Wobei diese Entsprechung nur zu einer Verwirrung in den Begriffen und auch im Denken führte.

Ich grüße Dich und bleib gesund.

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Kommentar von sondey29
30.11.2015, 21:46

Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Gleichfalls 

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Kommentar von grtgrt
03.12.2015, 20:20

Ich denke, man sollte es so ausdrücken:

  • Freier Wille kann erst dort beginnen, wo uns bewusst wird, dass wir Entscheidungsfreiheit haben.
  • Ob wir jene dann aber wirklich haben oder nur glauben, sie zu haben, das ist die eigentlich spannende Frage.
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Ich glaube der Mensch hat nur einen "eingeschränkten freien Willen"

Im Prinzip ja, in der Praxis nur sehr eingeschränkt.

Ich möchte das aber konkret untermauern, nicht im Nebulösen bleiben.

1) Hirn als komplexe Maschine
(und das nur eine Vorstellung. Definitives weiß man de facto noch nicht):

Entscheidungen, Ansichten, Verhalten werden letztendlich durch einen komplexen "Rechenvorgang" in unserem Hirn bestimmt.

Auf unterster Ebene werden Signale gegeneinander abgewogen und lösen damit wiederum Vorgänge in anderen Bereichen aus.
Die Signalwege, die aktive Gedanken repräsentieren sind vereinfacht sowas wie Schleifen - sie können sich also selbst erhalten (wie akustische Rückkopplung). Solche Schleifen kommen mehrstufig, queerverbunden, überlappend usw. vor. Salopp gesagt: saumässig kompliziert.

Ein Gedanke z.B. Signale erzeugen, welche aus der Erinnerung wieder andere Schleifen aktiviert, welche wiederum ein Signal erzeugt, welches andere Schleifen aktiviert oder unterdrückt usw. - Gedankengänge.

Das Ganze ist so komplex, daß ein einziges Signal irgendwo direkt oder sehr indirekt die Gedankengänge, komplett in andere Bahnen lenken kann.
Sehr sehr komplex. Die Anzahl der Verbindungen, die Wertungen (Schaltschwellen usw.), die dynamische Veränderung der Verbindungen ist ungeheuer groß. Somit kommt auch noch die Chaostheorie ins Spiel.

Noch komplizierter wird es dadurch, daß das Denken selbst dazu führt, daß neue Verbindungen geschaffen werden, oder alte verschwinden. Oder Signalleitungen wichtiger oder weniger wichtiger werden. Wer nie denkt, verliert mit der Zeit etwas in der Birne!

Und noch viel komplizierter wird es, weil es auch durch chemische Stoffe beeinflusst wird. Hormone, Drogen (körpereigene oder fremde) usw. beeinflussen das Schaltverhalten einiger Bereiche.

2) Entwicklungsphase

Diese Strukturen beginnen sich in der fetalen Entwicklungsphase zu bilden. Vor der Geburt. Erst wird ein genetisch vorgegebenes Grundgerüst aufgebaut. Z.B. mit welchem Bereich Augen und Ohren verbunden werden usw.

Aber ansonsten "wuchert" das Gehirn erst mal mehr oder weniger wild, und bildet jede Menge Zellen und Verbindungen, die noch nicht viel sinnvoll Denken können. Allerdings hat dieses Hirn bereits die Fähigkeit, sich zu verändern, wie oben beschrieben. Und dieser Prozess läuft schon parallel mit der "Wucherung", und beginnt schon vor der Geburt.

3) Prägungsphase

Während der kindlichen Entwicklung wird diese - zunächst unstrukturierte Organisation durch Umwelteinflusse (primär die Eltern) massiv manipuliert. Sie legen Strukturen fest, indem das Hirn anhand des Vorbilds und der Eindrücke diese übernimmt.

Das geschieht sogar dadurch, daß Verbindungen wieder verschwinden (manche waren im Wuchervorgang rein zufällig entstanden, und sind eher hinderlich). Manche werden verstärkt, je nachdem, was die Eltern in den ersten Jahren mit ihren Kindern machen. Daher ist es so entscheidend, was man kleinen Kindern beibringt, und was man mit ihnen macht.

Spannend auch, daß in einer späteren Phase Strukturen entstehen, die reflektieren können. Also Schleifen, die andere Schleifen quasi beobachten und kontrollieren. Sie sind z.B. in der Lage, sowas wie "Wutschleifen" daran zu hindern, sich durchzusetzen.

Je nachdem, wie solche Kontrollstrukturen im Gehirn entstanden sind (d.h. die Eltern ihre Kinder richtig erzogen haben), funktionieren die dann später besser oder schlechter (guter/schlechter Mensch).

4) Erwachsenenphase

gibt es nicht.
Der Vorgang ist nie abgeschlossen. Allerdings wird es mit zunehmendem Alter immer schwieriger, die frühe Prägung zu ändern. Die früh entstandenen Schleifen sitzen ja tief drin (im wörtlichen Sinn), und haben sehr starke Signalwirkungen. Sie sind sogar in der Lage, sich auszuwirken, ohne daß andere Bereiche davon etwas merken (i.e. unterbewusstes). Man kann unterbewusstes manchmal erleben, wenn die Kontrollschleifen schwach werden. Z.B. nachts im Traum, oder bei bestimmten Drogen. Dann werden die weniger unterdrückt, und lösen über ihre Verbindungen allerhand witziges aus, von dem man eigentlich nicht wusste, dass es in einem (tief drin) steckt.

Fazit: Nun zur eigentlichen Aussage:

Wie man sieht, ist alles saumässig kompliziert. Wenn Dir Deine Eltern kritisches Denken vorleben, hast Du später mehr freien Willen. Wenn sie Dich zu einem Roboter erziehen, dann nicht.
Die Abwehrmechanismen gegen spätere Manipulation gehört dazu.

[viel mehr geht nicht in 5000 Zeichen - sorry. muss jetzt auch wieder nach der Mittagspause was arbeiten...]

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Kommentar von sondey29
30.11.2015, 21:52

Wow vielen vielen Dank für die Antwort! :) eigentlich wollte ich dich als beste Antwort markieren, aber ich muss ehrlich sagen, ich komm mit dem 1) Punkt, dem Gehirn nicht ganz mit wie du das meinst... Trotzdem danke, sehr gut geschildert 

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Medien machen Meinungen, das ist seit Jahrtausenden ein Teufelskreis. Einerseits ist man auf die Medien angewiesen andererseits wird jeder der sie nutzt auch manipulierbar. Die Kunst des freien Willens liegt darin Medien zu nutzen um alle Aspekte einer Tatsache zu hinterfragen und zu erkennen wo die Wahrheit verborgen liegt.

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Ja klar hat der Mensch einen freien Willen!

Freier Wille ist etwas anderes als Handlungsfreiheit, die z.B. durch Naturgesetze oder gesellschaftliche Regeln beschränkt sein kann. Wenn alles so "total beeinflusst" wäre, gäbe es keine so große Meinungsvielfalt sondern nur eine einzige Einheitsmeinung. Das ist trotz aller Anstrengungen noch nicht mal in Diktaturen gelungen, auch wenn sie Massen aufmarschieren lassen. Das kann nicht verdecken, dass es immer wieder "Abweichler" gibt, sonst würden sie nicht so streng bestrafen. Was die Presse angeht: Es ist doch jeder selbst frei, den Sender zu wechseln oder ganz auszuschalten, wenn man dem Staatsfernsehen und den Staatsmedien nicht vertraut. Allerdings leben wir immer mit der Ungewissheit des Nichtwissens und es ist ein ständiger Kampf, sich um unterschiedliche Quellen zu bemühen statt sich nur ein BILD zu machen. Dass viele ihren freien Willen nicht nutzen heißt nicht, dass es ihn nicht geben könnte, wenn sie Immanuel Kants Aufforderungen folgen würden: Denke selbst.

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Kommentar von sondey29
30.11.2015, 21:47

Danke für die Antwort :) 

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Die Frage ist nicht durch Abstimmung zu lösen. Aber auch eine philosophische Antwort darauf ist nicht allgemeingültig. 

Der Mensch als Gattung hat einen freien Willen. Das beweisen Menschen, die resilient gegen alle Zwänge ihren Weg gehen. 

Aber die Mehrheit der Menschen geht nicht gegen Fremdbestimmung an. Weshalb sonst hätte Werbung für überflüssige Güter so viel Erfolg? 

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Ja klar hat der Mensch einen freien Willen!

Zum freien Willen gehört auch die Möglichkeit, sich seine Informationsquelle selbst zu suchen. Und davon gibt es in der heutigen Zeit mehr als genug. Ohne den freien Willen hätten wir auch so Veranstaltungen wie Pegida nicht.

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Ich glaube der Mensch hat nur einen "eingeschränkten freien Willen"

Natürlich wird man durch Medien, die Familie und das sonstige Umfeld beeinflusst. Aber der Punkt ist ja, dass man sich eine eigene Meinung aus den unterschiedlichen Informationsquellen bilden kann.

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Das ist fast schon eine philosophische Frage:

Ob der Mensch einen freien Willen hat oder letztendlich alles berechenbar wäre, wenn man denn nur alles in diese Rechnung mit einfließen lassen könnte, kann dir niemand wirklich beantworten.

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Ja klar hat der Mensch einen freien Willen!

Ja, Lügenkresse oder was? Natürlich hat der Mensch einen freien Willen, die Erziehung zum Beispiel spielt natürlich in Entscheidungen mit rein, aber mit dem Alter lernt man Dinge auch aus anderen Blickwinkeln zu sehen, von daher von mir ein klares Ja.

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Ja klar hat der Mensch einen freien Willen!

Aber der Freie Wille kann doch Beeinflussungen nur berücksichtigen und nicht von ihnen dominiert werden. Alles ist Beeinflussung und daraus bildet sich ja gerade erst der Freie Wille.

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