Ethik Kolloquium. Habermas Diskursethik

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Texte, in denen die von Jürgen Habermas vertretene Diskursethik in ihrem Zusammenhang verständlich wird und dargestellt ist, sind vor allem:

Jürgen Habermas, Theorie des kommunikativen Handelns. Band 1: Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung. Frankfurt am Main : Suhrkamp, 2011 (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft : Stw ; Band 1175). ISBN 978-3-518-28775-0

Jürgen Habermas, Theorie des kommunikativen Handelns. Band 2: Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft. Frankfurt am Main : Suhrkamp, 2011 (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft : Stw ; Band 1175). ISBN 978-3-518-28775-0

Jürgen Habermas, Vorstudien und Ergänzungen zur Theorie des kommunikativen Handelns. 1. Auflage. Frankfurt am Main : Suhrkamp, 1984. ISBN 3-518-57654-2

Jürgen Habermas, Erläuterungen zur Diskursethik. In: Jürgen Habermas, Erläuterungen zur Diskursethik. 1. Auflage. Frankfurt am Main : Suhrkamp, 1991 (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft ; Band 975), S. 119 - 226

Jürgen Habermas, Moralbewußtsein und kommunikatives Handeln. 1. Auflage. Frankfurt am Main : Suhrkamp, 1983 (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft ; Band 422). ISBN 3-518-28022-8

Jürgen Habermas, Erläuterungen zur Diskursethik 1. Auflage. Frankfurt am Main : Suhrkamp, 1991 ( Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft ; Band 975). ISBN 3-518-28575-0

Die Diskursethik ist:

1) normativ: Die Diskusethik zielt deontologisch auf ein Sollen, sie stellt die Frage nach dem Gerechten, nicht nach dem Guten.

2) universalistich: Ein allgemein geltendes Moralprinzip wird ausgezeichnet.

3) kognitivistisch: Die Diskursethik geht von der rationalen Entscheidbarkeit moralischer Fragen aus, die der Entscheidung über Wahrheitsfragen ähnlich ist, als einer diskursiven Klärung zugänglich.

4) formalistisch: Die Diskursethik gibt für die Entscheidung moralischer fragen formal ein Verfahren als Kriterium an, kein materiales (inhaltliches) Prinzip.

Die Diskursethik ist ein stark sprachpragmatisch vorgehender ethischer Ansatz.

Ein Diskurs hat, wenn Aussicht auf Gelingen bestehen soll, unhintergehbare Voraussetzungen als Bedingung, deren Bestreitung zu einem performativen Widerspruch führt (mit einer Äußerung werden Voraussetzungen verbunden, die dem Inhalt des Geäußerten widersprechen).

Diskurse sind Gespräche, in denen Geltungsansprüche (Ansprüche, daß die jeweiligen Bedingungen für die Gültigkeit einer Äußerung – eine Behauptung oder ein moralisches Gebot – erfüllt sind) mittels einer auf der Angabe von Gründen beruhenden Diskussion (Erörterung) geprüft werden.

Für den Diskurs soll eine ideale Sprechsituation als Eingangsvoraussetzung gelten.

Alle, die in einen Diskurs eintreten wollen, verpflichten sich auf bestimmte Bedingungen. Jeder unter diesen Bedingungen erzielter Konsens (Einklang/Übereinstimmung) gilt als wahrer und richtiger Konsens.

Die an einem Diskurs Beteiligten müssen Argumentationsvoraussetzungen, obwohl sie einen idealen und nur annäherungsweise zu realisierenden Gehalt haben, tatsächlich machen, wenn sie überhaupt in eine Argumentation eintreten wollen. Wer etwas behauptet, erhebt, sofern die Aussage echt und aufrichtig ist, einen Geltungsanspruch für die Behauptung und als verständnisorientierte Sprechhandlung einen Begründungsanspruch für ihre Wahrheit und Richtigkeit.

Kriterium dafür, daß der für eine Norm erhobene Richtigkeitsanspruch berechtigt ist, ist die mögliche Zustimmung aller anderen, eine Konsensfähigkeit in einer die idealen Sprechsituation (herrschaftsfreier Diskurs). Unter diesem Konsens darf keine zufällig zustande gekommene Übereinstimmung verstanden werden, sondern es muß sich um einen rational begründeten Konsens handeln.

Zwischen Gesprächspartnern ist die Einlösbarkeit von Ansprüchen zu unterstellen, wenn eine Chance auf Verständigung bestehen soll:

a) Verständlichkeit der Äußerungen

b) Wahrheit der behaupteten oder als wahr vorausgesetzten Aussagen

c) Richtigkeit der in Äußerungen vorausgesetzten Normen

d) Wahrhaftigkeit der Äußerung eigener Auffassungen, Neigungen, Absichten, Aufforderungen und Ähnlichem

Voraussetzung für gelingende Kommunikation ist also Verständlichkeit, in jeder Rede sind außerdem als Geltungsansprüche enthalten: Wahrhaftigkeit, (moralische) Richtigkeit und Wahrheit.

In der Diskursethik kommt es zu Überlegungen vernunftbegabter Individuen durch intersubjektive Verständigungsprozesse, für die eine formale (keine inhaltlichen Werte enthaltende) Argumentationsregel in den Mittelpunkt gestellt wird.

Der Diskursethik zielt nach dem Verständnis seines Verfassers auf Folgen und Wirkungen/Auswirkungen und schließt damit Überlegungen zur Verantwortbarkeit ein.

Ein Universalisierungsgrundsatz (U) wird aus einem diskursethischem Grundsatz (D) abgeleitet.

D: Nur die Normen dürfen Geltung beanspruchen, die Zustimmung aller betroffenen als Teilnehmer(in) eines praktischen Diskurses finden (oder finden könnten).

U: Eine strittige Norm kann unter den Teilnehmern/Teilnehmerinnen eines praktischen Diskurses nur dann Zustimmung finden, wenn die Folgen und Nebenwirkungen, die sich aus einer allgemeinen Befolgung er strittigen Norm für die Befriedigung der Interessen eines jeden Einzelnen voraussichtlich ergeben, von allen zwanglos akzeptiert werden können.

Habermas hält eine Letztbegründung in der Ethik (also für moralische Normen wie die Diskursregeln) für weder möglich noch nötig. Eine skeptische Verweigerung des kommunikativen Handelns und des Diskurses sei nur eine abstrakte Möglichkeit, eine vollständiger Ausstieg aus verständnisorientierten Handeln bedeute einen selbstzerstörerischen Ausstieg aus der Lebenswelt.

Die Bedingungen einer idealen Sprechsituation sind:

1) Alle möglichen Teilnehmer(innen) eines Diskurses müssen die gleiche Chance haben, kommunikative Sprechhandlungen zu verwenden, und können daher Diskurse eröffnen sowie durch Rede und Gegenrede, Frage und Antwort weiterführen.

2) Alle Teilnehmer(innen) eines Diskurses müssen die gleiche Chance haben, Behauptungen, Empfehlungen, Erklärungen und Rechtfertigungen aufzustellen und deren Geltungsanspruch zu problematisieren, zu begründen und zu widerlegen (keine Vormeinung bleibt auf Dauer der Thematisierung und Kritik entzogen).

3) Alle Teilnehmer(innen) eines Diskurses bringen ihre Einstellungen, Gefühle und Wünsche zum Ausdruck.

4) Alle Teilnehmer(innen) eines Diskurses haben die gleiche Chance, zu befehlen und sich zu widersetzen, zu erlauben und zu verbieten, Versprechen zu geben und abzunehmen, Rechenschaft abzulegen und zu verlangen.

Die Argumentationsvoraussetzungen lassen auch in Form von Regeln verschiedene Ebenen zuordnen:

logisch-semantische Ebene:

1.1. Kein(e) Sprecher(in) darf sich widersprechen.

1.2. Jede(r) Sprecher(in)wendet einem auf einen Gegenstand angewendeten Ausdruck auf alle Gegenstände an, die diesem Gegensatz in allen Hinsichten von Belang gleichen.

1.3. Verschiedene Sprecher(innen) dürfen den gleichen Ausdruck nicht in verschiedenen Bedeutungen verwenden.

prozedurale Ebene (Verfahrensgesichtspunkte):

2.1. Jede(r) Sprecher(in) darf nur das behaupten, was er selbst glaubt.

2.2. Wer eine Behauptung oder Norm, die nicht Gegenstand der Diskussion ist, angreift, muß dafür einen Grund angeben.

Diskursregeln im engeren Sinn (Argumentation wird als ein Kommunikationsvorgang angesehen, der auf ein rational motiviertes Einverständnis zielt und gegen Zwang und Ungleichheit unempfänglich gemacht worden ist; der eigentümlich zwanglose Zwang des bessere Arguments bestimmt dann allein das Ergebnis des Diskurses):

3.1 Jedes sprach- und handlungsfähige Subjekt darf an Diskursen teilnehmen.

3.2. Jede(r) darf jede Behauptung problematisieren (a.), jede(r) darf jede Behauptung in den Diskurs einführen (b.), jede(r) darf seine/ihre Einstellungen, Wünsche und Bedürfnisse äußern (c.).

3.3. Kein(e) Sprecher(in) darf durch innerhalb oder außerhalb des Diskurses herrschenden Zwang daran gehindert werden, seine/ihre (in 3.1. und 3.2.) festgelegten Rechte wahrzunehmen.

Schritte bei der Begründung der Diskursethik sind:

1) Angabe des Universalisierungsgrundsatzes (U) als Argumentationsregel

2) Identifizierung von unausweichlichen und normativ gehaltvollen pragmatischen Voraussetzungen der Argumentation

3) Explizierung (ausdrückliche Entfaltung) des normativen Gehalts dieser Voraussetzungen in Form von Diskursregeln

4) Nachweis eines zwischen diesen drei Schritten bestehenden Verhältnisses der materialen (nicht bloß logischen) Implikation, wenn es um die Richtigkeit von Normen geht

Bücher über Ethik über Habermas enthalten Darstellungen, z. B:

Jens Greve, Jürgen Habermas : eine Einführung. Konstanz : UVK Verlags-Gesellschaft, 2009 (UTB : Soziologie, Philosophie ; 3227), S. 87 - 99

Alessandro Pinzani, Jürgen Habermas. Originalausgabe. München : Beck, 2007 (Beck'sche Reihe : Denker ; 576), S. 138 – 152

Friedo Ricken, Allgemeine Ethik. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart : Kohlhammer, 2003 (Grundkurs Philosophie ; Band 4; Urban-Taschenbücher ; Band 348). S. 160 – 170

Micha H. Werner: Diskursethik. In: Handbuch Ethik. 3., aktualisierte Auflage. Herausgegeben von Marcus Düwell, Christoph Hübenthal und Micha H. Werner. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2011, S. 140 - 151

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Habermas hat eine ideale diskurssituation dargestellt. -systematische verzerrung der Kommunikation wird ausgeschlossen -es soll ausschließlich das bessere argument zählen dazu stellt er noch 4 sprechakte auf: KOMMUNIKATIVA: Sprechakte, die die art der rede kennzeichnen und zeigen, wie die rede aufgefasst werden soll, z.B. als entgegnung, frage usw.; also z.B. fragen, antworten, widersprechen. "Ich muss zugeben,..." KONSTATIVA: Sprechakte, die anzeigen, wie der inhalt der rede zu verwenden ist; sie erläutern den wahrheitsanspruch der rede; also z.B.: mitteilen, erläutern, versichern "Ich möchte den vertrag genauer erläutern..:" REPRÄSENTATIVA: Sprechakte, die der selbstdarstellung eines sprechers dienen, dem zum-ausdruck-bringen von intentionen, einstellungen, emotionen des sprechers; also z.B. hoffen befürchten... "Ich verschweige dir nicht,..." REGULATIVA: Sprechakte, die erläutern, wie die sprecher/Hörer sich zu verhalten haben; die die regeln angeben, nach denen die gesprächspartner handeln wollen oder sollen; z.B. auffordern, verbieten, erlauben "Wir sollten folgendes vereinbaren.." Ich hoffe es hilft dir ein wenig weiter

Vielen Dank! ;)

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