Ethik Gerechtigkeit ,?

...komplette Frage anzeigen

3 Antworten

Es  handelt  sich  wahrscheinlich  um  Verteilungsgerechtigkeit.  Was  sollte  man  jedem  geben,  damit  Gerechtigkeit  (gleich  gutes  Leben  für  alle)  entsteht?

Gleichheit:  (Gleichheit  nennen  viele  Menschen  "Gleichmacherei".)

Jedem  das  Gleiche  geben?  Wenn  alle  1000  Euro  im  Monat  bekommen,  dann  haben  diejenigen,  die  wenig  gearbeitet  haben,  die  sich  nicht  angesträngt  haben,  eine  bessere  Lebensqualität,  als  die  Fleißigen.

 

Leistungsgerechtigkeit:

Jedem  gemäß  seinem  Werk  geben?  Soll  derjenige,  der  viel  geleistet  hat,  leistungsgerecht  mehr  Geld  bekommen,  als  jemand  der  wenig,  oder  gar  nichts  geleistet  hat?  Wer  leistungsfähig  ist  (wer  gesund,  stark,  geschickt  und  klug  ist;  viel  Berufserfahrung  besitzt)  bekommt  so  ein  besseres  Leben,  als  Kranke,  Schwache,  Dumme,  Anfänger  und  Arbeitslose.  Instinktgesteuerte  (rachsüchtige)  Menschen  können  die  Parole  "Jedem  gemäß  seinem  Werk"  auch  so  auslegen:  Wer  viel  Schlimmes  gemacht  hat,  muss  eine  höhere  Strafe  bekommen,  als  jemand  der,  nicht  so  viel  Schlimmes  angerichtet  hat.  In  einer  gerechten  Gesellschaft  gibt  es  keine  Strafen  (Rache).  Die  Maxime,  "Jedem  das  seine"  bedeutet  ungefähr  des  Selbe,  wie  "jedem  gemäß  seinem  Werk".

 

Bedarfsgerechtigkeit:

Jedem  gemäß  seinen  Bedürfnissen  geben?  Wer  weniger  besitzt,   muss  mehr  Geld  bekommen,  als  die  Anderen,  damit  gleich  gutes  Leben  für  alle  entsteht.  Der  Kranke  benötigt  mehr  Geld,  weil  er  Medikamente  kaufen  muss.  Wer  einen  längeren  Anfahrtsweg  zur  Arbeitsstelle  hat,  benötigt  mehr  Benzingeld  (Reisegeld).  Wer  schwer  arbeitet,  hat  während  der  Arbeitszeit  eine  schlimmere  Lebensqualität,  als  jemand  der  nur  leichte  Tätigkeiten  verrichtet.  Der  Schwerarbeiter  benötigt  einen  höheren  Stundenlohn.  Nach  Feierabend  hat  nun  er  die  bessere  Lebensqualität.  Wer  gar  nicht  arbeitet,  benötigt  nur  das  Grundeinkommen.  So  haben  der  Schwerarbeiter,  der  Leichtarbeiter  und  der  Nichtarbeiter  ein  ungefähr  gleich  gutes  Leben.

 

 

Die  dritte  Parole  ist  die  Beste.  Bedarfsgerechtigkeit  ist  die  beste  Gerechtigkeitsvariante.  Die  Tatsache,  dass  instinktgesteuerte  Menschen  die  zweite  Parole  (Leistungsgerechtigkeit)  bevorzugen,  bedeutet  nicht,  dass  echte  Gerechtigkeit  niemals  entstehen  wird.  Viele  Menschen  behaupten,  dass  Gerechtigkeit  niemals  entstehen  kann,  weil   Gerechtigkeit  nicht  definierbar  ist,  oder  weil  Gerechtigkeit  eine  "bösartige  Diktatur"  ist.  Instinktgesteuerte  Menschen  ekeln  sich  vor  Gerechtigkeit.  Sie  wollen  lieber  Siegerei.   4  Milliarden  Jahre  Überlebenskrieg  hat  alle  Genome  siegesgierig  werden  lassen.

Die  beste  Gerechtigkeitsdefinition  (die  ich  kenne)  ist:  Gerechtigkeit  ist  der  Zustand,  in  dem  alle  möglichst  gut  und  gleich  gut  leben.  Es  könnte  sein,  dass  Dein  Lehrer  anders  definiert.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von lisalara1
06.03.2017, 13:05

Danke:)

0

Jedem Individuum und seinen sehr eigenen Fähigkeiten, Wünschen, Geschmäckern usw. gerecht zu werden ist ein Ding der Unmöglichkeit. Alles gleich ist mit Sicherheit bei unterschiedlichen Individuen grundfalsch und alles andere als gerecht. Leute, die keinen Fisch mögen, würden dann aus Gleichheitsgründen dazu gezwungen, Fisch zu essen oder gar nichts. Was ist daran gerecht? Gerechtigkeit ist interessanterweise bereits ein Begriff, der auf Grund seiner im Gebrauch oft hohen Abstraktion (d.h. von allem Individuellen wird abgesehen), in sich bereits Diktatur und Ungerechtigkeit enthält.

Epikur, der alte Fuchs, hat das bereits vor 2.300 Jahren erkannt. Er spricht entweder nur von "gerecht handeln", d.h. wir als Handelnde versuchen, der umfänglichen Individualität unserer Mitmenschen im Rahmen des Möglichen gerecht zu werden. Ansonsten grenzt der Fuchs immer alles negativ ab: Gerechtigkeit in der Gesellschaft bedeutet, die Mitglieder der Gesellschaft (und nur die) vor Ungerechtigkeit und Ungesetzlichem Handeln anderer zu schützen, ihnen keine Steine in den Weg zu legen, ihre Ziele, soweit sie mit denen der Gemeinschaft vereinbar sind, zu erreichen. Diese Sichtweise hat auch Adam Smith, der freien Tausch und Wettbewerb als die gerechtere Lösung für die Individuen ansah und den Staat verpflichten wollte, dafür zu sorgen, dass keine Machtspielchen und Seilschaften diese Freiheit aller einschränken. Letzeres war wohl zu idealistisch gedacht, weil Menschen unentwegt danach streben, sich auf Kosten anderer Vorteile zu verschaffen. 

Gerechtigkeit bleibt allein schon immer problematisch, weil es immer Zielkonflikte zwischen den berechtigten Ansprüchen der Gesellschaft und den individuellen Interessen gibt. So ist z.B. eine allgemeine Versicherung gut, aber nicht, wenn Extremsportarten und ihre besonderen Risiken von der Allgemeinheit getragen werden sollen. Gerechtigkeit beinhaltet also immer ein permanentes Abwägen und so blöde Sprüche wie "Jedem nach seinen Bedürfnissen" oder "jedem gemäß seinem Werk", die ausschließlich im Maßstab auf das reine Individuum ohne Rückkoppelung auf die Gesellschaft und die Umwelt orientiert sind, gaukeln nur Lösungen vor. Das ist die Illusion, den gordigschen Knoten einfach durch Durchschlagen lösen zu können. Das ist eine alte Wunschvorstellung, die aber noch nie funktioniert hat.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?