Esperanto - heute noch aktuell?

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Dass man heute wenig über Esperanto hört, hat i.W. zwei Ursachen:

  • bei der allgemeinen Reizüberflutung dringt nur noch professionelle Reklame durch, meist für Dinge und Themen, die geistig wenig anspruchsvoll sind

  • nach einem verbreiteten Vorurteil ist Esperanto wegen der sprachpolitischen Stellung des Angloamerikanischen (nicht des britischen Englischen) abgehakt.

Dabei sollte man berücksichtigen:

  • Esperanto als ausschließende Alternative zu Englisch ist der falsche Blickwinkel: Da Esperanto relativ leicht erlernbar ist, kann man sich es leisten, es einfach zusätzlich zu lernen.

  • Derjenige, der gern freundschaftliche Kontakte in alle Welt haben möchte, kann Esperanto immer noch gebrauchen: Da Englisch "normal" ist, öffnet es keinem mehr Türen (oft sogar als sprachlicher Ausdruck der USA im Gegenteil), Esperanto aber wohl.

  • Im Gegensatz zum Englischen findet der geistige Austausch zwischen Esperantosprechenden auf gleicher Augenhöhe statt: Man kommt sich gegenseitig auf halbem Wege entgegen, niemand ist der privilegierte Muttersprachler, niemand der radebrechende Ausländer. Das gibt ein ganz neues Gefühl von weltweiter Zusammengehörigkeit, einmal nicht im Schatten einer Großmacht.

  • Der Deutsche Esperanto-Bund (www.esperanto.de) bemüht sich, Esperanto in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Mit seinen bescheidenen Kräften (die Zahl der ehrenamtlichen Idealisten nimmt in der Gesellschaft stetig ab) ist der Erfolg dabei natürlich ebenfalls bescheiden.

Immerhin sind wir auch bei gutefrage.net vertreten :-)

ich arbeite viel mit intern.Speditionen und Spediteuren zusammen. Habe auch viel Kontakt zu Fahrern. Da wäre eine Weltsprache, die jeder beherrscht, zwecks Verständigung sehr gut. Gerade osteuropäische Speditionen sprechen nur ihre Landessprache.

Ich nutze Esperanto seit 32 Jahren und finde, es klingt wie eine europäische Hochsprache. Das einzig "künstliche" an Esperanto ist, dass es in der Grammatik keine Ausnahmen von den Regeln gibt und keinen Ballast, der die Sprache nur unnötig schwer zu lernen machen würde und nicht zur Ausdrucksfähigkeit beitragen könnte. Esperanto ist in etlichen Formen eindeutiger als "gewachsene" Sprachen.

Übrigens: Esperanto wird dank seiner vielfältigen Anwendungen seit mehr als 120 Jahren auch fortentwickelt und ist somit "gewachsen".

Esperanto will keine Nationalsprachen ersetzen oder verdrängen. Es ist halt einfacher nur eine Fremdsprache für alle Länder zu lernen - dann ist Esperanto noch deutlich leichter zu lernen als z. B. Englisch.

Ist es nicht gerechter, wenn 100 % der Menschen eine neutrale Sprache (Esperanto gehört keinem Land allein) lernen und sich damit überall verständigen können, als wenn 95 % der Menschen Englisch lernen und es nicht überall verwenden können?

Esperantosprecher findet man nicht per Zufall. Aber wenn man die Infrastruktur der Esperantokultur nutzt, dann kann man mit Esperanto leichter Freunde in aller Welt finden: Esperanto lernt, wer Freundschaften im Ausland finden möchte. Daher bringen Esperantosprecher einander Vertrauensvorschuss entgegen. Wie soll ich wissen, dass der Engländer, den ich in Großbritannien antreffe, mit mir reden will? Soll heißen: Es kommt nicht unbedingt auf die Zahl der Sprecher einer Sprache an.

Esperanto bereichert mein Leben mehr als mein mageres Englisch oder Französisch. Ich möchte es nicht mehr missen.

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