Es heißt "die" große Baustelle. Aber warum sagt man, "es" ist eine große Baustelle und nicht "sie" ist eine große Baustelle?

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7 Antworten

Vermutlich handelt es sich um ein "formales Subjekt". Ein Aussagesatz kann z. B. nicht mit einem Verb beginnen. Wenn es kein echtes Subjekt gibt, setzt man "es" dafür ein. (Wie im vorigen Satz bei "es gibt", auch bei "es regnet" oder - aus der Literatur - "Es war dies eine edle Tat von ihm" - in diesem letzten Beispiel haben wir auch ein Femininum, auf das sich das formale Subjekt bezieht; aus stilistischen Gründen sollte das Verb so weit wie möglich nach vorn gezogen werden)

1. In Sätzen der Form "A ist B" müssen A und B keineswegs das gleiche Genus haben:

  • Der Bahnhof ist eine große Baustelle.
  • Die Hauptstraße ist eine große Baustelle.
  • Das Bankenviertel ist eine große Baustelle.

Wurde das Subjekt schon im vorigen Satz genannt, kann man sich getrost mit er/sie/es darauf beziehen:

  • Meide die A8! Sie ist eine große Baustelle.

2. Bezieht man sich auf einen Vorgang oder Zustand, der in einem ganzen Satz beschrieben wird, nimmt man immer das Pronomen "es":

  • Nichts ist fertig und alle rennen geschäftig herum. Es ist eine große Baustelle.
  • Es ist eine große Baustelle, was der Reisende in Stuttgart erblickt.

3. Das Pronomen "es" hilft auch, diesen Satzteil als Prädikativum zu kennzeichnen:

  • Was ist der Alptraum jedes Autofahrers? Es ist eine große Baustelle.

"Er ist ..." klingt so, als müsste der Alptraum erst fertig gebaut werden. Mit "Es ist ..." wird die Platzhalter-Funktion im erweiterten Prädikat (Alptraum sein) deutlicher. Mir ist allerdings nicht klar, wie das grammatikalisch einzuordnen ist.

Anstelle von 'es ist' könnte man auch sagen 'es handelt sich um' eine große Baustelle. Wenn sich das 'es' auf eine vorher bekannte Baustelle beziehen würde, z.B. wenn man vorher gesagt hätte: 'Heute war ich auf einer ganz besonderen Baustelle', dann könnte man sich mit 'sie ist eine große Baustelle' auf sie beziehen. Es wäre aber trotzdem ungewöhnlich. Normal denkt man an einen Sachverhalt oder eine Sache, wenn man den Satz mit 'es ist ...' anfängt.

Du hast recht, grammatisch hat die Baustelle das weibliche Genus.

Hier handelt es sich aber um eine allgemeine Ausdrucksweise im Deutschen, einen Sachverhalt mit 'es ist' (Singular)  oder 'es sind' (Plural) auszudrücken. 

Wenn der Satz mit einem Relativsatz weitergeht, wird auf die Baustelle sehr wohl im Fem. Bezug genommen:  "Es ist eine große Baustelle, die die ganze Gegend lahmlegt" oder so ähnlich.  

In anderen Sprachen gibt es diese Ausdrucksweise auch:
im Französischen: 'il y a' oder 'c'est un grand chantier',
im Englischen. 'there is', oder 'this is an important construction site'.

Eigentlich ist es auch ein Erzählmodus (wie z.B. im Märchen: 'Es war einmal eine Baustelle, die hieß BER' - aber das lassen wir jetzt lieber ;)) 

Alles klar?


Weil eine Baustelle eine Sache ist. Die Baustelle hat zwar einen weiblichen Artikel, aber es bleibt eine Sache. Man fragt "Was ist das?" und bekommt die Antwort "Es ist eine Baustelle". Es geht um die Sache, die man sieht. "Sie ist eine Baustelle" klingt auch wirklich doof.

Weil am Anfang des Satzes ja noch nicht klar ist, welchen Geschlechts das nachfolgende Substantiv sein wird.

Wenn es hieße: "Ich spreche hier von einer Baustelle, und sie ist groß", wäre das was anderes.

Weil die Baustelle eine Sache und keine Person ist.

Das Deutsche kennt sehr wohl ein grammatisches Geschlecht.

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