Erzählform "Die Racheschwur" von Anne Perry

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1 Antwort

Aus dem benannten Roman habe ich keine Leseprobe gefunden, aber aus einem anderen derselben Autorin, und sie wird die Erzählperspektive wahrscheinlich immer wahren. Hier ist die Passage:

Monk sah in der Ferne die Waterloo Bridge, als er sich im Bug des Polizeiboots etwas bequemer hinsetzte. Gestohlene Schiffsladungen, Unfälle und vermisste Boote, das waren die Aufgaben der vier Männer, die auf der Themse Patrouille fuhren: er selbst als ranghöchster Beamter und seine Leute, die in der typischen Formation der Wasserpolizei zu dritt die vier Ruder bedienten. Monk saß starr in seinem schweren Uniformmantel da. Es war Januar und bitterkalt. Der Wind wühlte das Wasser auf und drang durch die Haut wie ein Messer mit scharfer Klinge, doch Monk wollte nicht, dass jemand ihn vor Kälte zittern sah.

Das ist eine personale Erzählperspektive. Sie ist erkennbar daran, dass wir Leser Empfindungen und Gedanken der Person "Monk" erfahren, die nur die Person selber wissen kann. Besonders deutlich wird dies im letzten Satz der Passage: "Der Wind wühlte das Wasser auf und drang durch die Haut wie ein Messer mit scharfer Klinge, doch Monk wollte nicht, dass jemand ihn vor Kälte zittern sah." Die Schlüsselworte hier sind "... wollte nicht, dass ...". Das kann nur "Monk" wissen.

Wenn Du entsprechend den Text von "Der Racheschwur" untersuchst, wirst Du vermutlich herausfinden, dass diese Perspektive auch dort gilt.

Zaunsegler 13.06.2014, 14:59

Es gibt seltene Fälle, wo auch eine auktoriale Perspektive aus dem inneren Erleben von Figuren berichtet, aber in aller Regel "schaut" diese Form von Autor nicht nur in einen, sondern gleich "in mehrere Köpfe hinein". Das will sehr gekonnt sein, wenn es nicht monströs wirken soll. Und liegt hier nicht vor.

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Zaunsegler 13.06.2014, 15:03
@Zaunsegler

Um die Sammlung vollständig zu machen: Eine neutrale Perspektive weiß nichts aus dem Inneren der Personen, sondern beschreibt ausschließlich ihr - von außen beobachtbares - Verhalten.

Die Ich-Perspektive ist eine besondere Form der personalen Erzählperspektive. Sie hat die stärkste Beschränkung, weil sie nur unter Mühe in die Perspektive einer anderen Figur als "ich" wechseln kann.

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