Erste Hilfe Unfall?

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Hallo Ricco92,

der korrekte Weg wäre:

  1. Eigenschutz und Unfallstelle absichern: Überziehen einer Warnweste, Absichern der Unfallstelle mittels Warnblinklicht, dem eigenen Fahrzeug als "Rammbock" zwischen fließendem Verkehr und Unfallstelle, Warndreieck aufstellen usw., Einmalhandschuhe überziehen. Es bringt weder dem/den Unfallopfer/n noch Dir selbst etwas, wenn während des Telefonierens oder der Ersten Hilfe ein anderes Fahrzeug mit dem Unfallauto kollidiert!
  2. Überblick verschaffen: Was genau ist passiert? Befinden sich noch Personen im verunfallten Fahrzeug oder gegebenenfalls sogar darunter? Sind die Personen ansprechbar? Offensichtliche Verletzungen? Eingeklemmt oder nicht?
  3. Notruf wählen: Je eher der Notruf abgesetzt wird, desto schneller kommt professionelle Hilfe. In den Notruf fließen die Infos aus Punkt 2 mit ein. Hinzu kommt: Eine begonnene Erstversorgung (z.B. Herz-Lungen-Wiederbelebung) kann nicht so einfach unterbrochen werden. Und es ist nicht sicher, wann der nächste Autofahrer oder Passant vorbei kommt und unterstützen kann. Deshalb wird der Notruf vor Beginn der EH-Maßnahmen abgesetzt.
  4. Erste-Hilfe-Maßnahmen einleiten (nach Notwendigkeit und Möglichkeit). Wichtig ist, dass eine bewusstlose Person wenn irgendwie möglich aus dem verunfallten auto heraus gezogen und in die stabile Seitenlage gebracht wird. Bei fehlender Atmung Herzdruckmassage einleiten (jede Minute die ungenutzt verstreicht, verringert die Überlebenschance erheblich!). Beatmung ist heute zweitrangig. Man geht davon aus, dass für die ersten Minuten noch genügend Sauerstoff im Blut vorhanden ist - damit der Sauerstoff aber auch umgesetzt wird, muss der Blutkreislauf aufrecht erhalten werden. Natürlich wäre eine EH mit Beatmung besser als eine ohne - angesichts eventueller unfallbedingter Gesichtsverletzungen und eventueller Krankheiten des Verunfallten besteht die Pflicht hier allerdings nur eingeschränkt bzw. nur dann, wenn entsprechendes Material (Beatmungsbeutel o.ä.) vorhanden ist.

Natürlich sollte man während dieser Maßnahmen versuchen, auf sich aufmerksam zu machen und andere Menschen zum Mithelfen zu animieren. Wenn man nicht alleine ist, dann können viele der oben genannten Punkte parallel laufen - d.h., dass man selbst bereits mit der Rettung des Verunfallten aus dem Auto und den EH Maßnahmen beginnen kann, während jemand anderes den Notruf absetzt. Das wäre selbstverständlich der Idealfall, der am wenigsten Zeit kostet.

Prinzipiell ist jeder Mensch zur Ersten Hilfe verpflichtet. Allerdings nur, wenn das gefahrlos für das eigene Leben und die eigene Gesundheit machbar ist.
Wenn jetzt eine allein im Pkw fahrende Frau nachts im Dunkeln auf einer einsamen Landstraße unterwegs ist und eine offensichtlich verletzte Person auf der Straße liegen sieht, dann wäre es nicht verwerflich, wenn sie sich nicht aus dem Auto auszusteigen traut. Sie ist dann aber zumindest verpflichtet, in einigem Abstand die Unfallstelle mit ihrem Pkw und Warnblinklicht abzusichern (sonst würde die Gefahr bestehen, dass das nächste Auto die auf der Straße liegende Person übersieht und überfährt) und den Notruf abzusetzen.
Sind mehrere Personen vor Ort (z.B. auch nachts viel befahrene Autobahn), dann würde dieses Argument hingegen nicht gelten...
Genauso: Bewusstlose sollen ja immer (ungeachtet eventueller weiterer Verletzungen) aus dem Auto gerettet und in die stabile Seitenlage gebracht werden. Reicht die Kraft der Ersthelfer aber nicht aus, dann kann einem auch hier kein Vorwurf gemacht werden.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Verstehe. Realistisches Einschätzen der eigenen Leistung und der Umstände, wenn ich das so richtig zusammenfassen kann. Danke für die hilfreiche & ausführliche Antwort!

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Ja und nein zugleich. Das Absetzen eines Notrufes, ist ein Bestandteil der ersten Hilfe, deren Ziel ja in der Organisation von professioneller notfallmedizinischer Hilfeleistung in Form des Rettungsdienstes und ggf. des Notarztes liegt.

Alleine damit, ist es jedoch noch nicht getan, gemäß Paragraph 323c des Strafgesetzbuches (StGB), hat Jedermann die Verpflichtung, im Rahmen seiner Kenntnisse und Fähigkeiten Hilfe zu leisten, sofern ihm dies nach den Umständen des Einzelfalles, insbesondere ohne eine erhebliche Eigengefährdung oder die Verletzung anderer wichtiger Pflichten (zum Beispiel Aufsichtspflicht eines Kleinkindes), zumutbar ist.

Wichtig ist also zunächst einmal die Absicherung, um weitere Folgeunfälle zu vermeiden!. Im Anschluss, verschafft man sich einen Überblick (Anzahl der Betroffenen, ungefähre Schwere der Verletzungen und besondere Umstände sowie Gefahren). Die Anzahl ist wichtig, damit der Disponent weiß, wie viele Rettungsmittel er entsenden muss, die ungefähre Schwere ist wichtig, weil sie über die Art der entsendeten Rettungsmittel entscheidet, zum Beispiel darüber, ob von der Rettungsleitstelle parallel auch ein Notarzt zur Einsatzstelle entsendet wird, besondere Umstände wären zum Beispiel Einklemmung, dann braucht es vor Ort neben dem Rettungsdienst/Notarzt nämlich auch die technische Hilfe der Feuerwehr, besondere Gefahren sind zum Beispiel eine Beteiligung von Gefahrguttransportern. Das Alles, muss also beim Absetzen des Notrufes gesagt werden, damit der Disponent in der Rettungsleitstelle die richtigen Entscheidungen treffen kann.

Ist das erledigt, dann hilft man entsprechend seinen persönlichen Kenntnissen und Fähigkeiten unter der Beachtung des Eigenschutzes!. Es ist am Ende niemandem damit geholfen, wenn dem Ersthelfer auch noch etwas zustößt. Meldest du zum Beispiel einen Patienten, dann kommt logischerweise auch ein Rettungswagen, liegst du dann beim Eintreffen der Besatzung selber daneben, dann muss sich das Team aufteilen, ein Fahrzeug nachalarmiert werden, bis zu dessen Eintreffen es wiederum mindestens zehn Minuten dauert, solange, kann niemandem so effektiv Hilfe geleistet werden, wie wenn ein Team einen Patienten versorgen kann, Rettungsdienst ist grundsätzlich einmal Teamarbeit und auch die Ausstattung, ist für einen Patienten ausgelegt, ein Notfallrucksack, ein EKG/Defibrillator, ein Beatmungsgerät, etc. Mfg.

Der arnuf ist das aller aller wichtigste was du machen kannst. Auch lieber anrufen und das Risiko eingehen, dass du der 2. Bist als zu denken hat bestimmt schon jemand gemacht und niemand ruft an. Am Telefon wird dir dann sowieso gesagt was du machen sollst. Aber man muss nichts machen, was man nicht kann. Selbstschutz steht immer an oberster Stelle.

Ja und Nein. Der Notruf ist erstmal oberste Priorität und Du bist dazu verpflichtet, je nach deinen Möglichkeiten, Menschen in Notsituationen zu helfen, auch über den Notruf hinaus. Erst der Notruf dann die Erstversorgung.

Der Anruf beim Notruf ist der zweite Schritt nachdem du erste Hilfe geleistet hast. Somit: Doch, du bist zu mehr verpflichtet.

Nein ist es nicht. Es ist das aller erste was du zu machen hast.

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@User9753478

Ich habe vergangenen Herbst einen Kurs absolviert. Es würde mich überraschen wenn sich seitdem was geändert hat.

Ohne erste Hilfe zu leisten, kann man am Telefon nicht allzu viele Angaben machen, die wichtig sind.

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@anniegirl80

Ich arbeite im Rettungsdienst. Es kann keine professionelle Hilfe kommen, wenn du sie nicht rufst. Und es zählt oft jede Sekunde.

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@User9753478

Ja, klar ruf ich dann Hilfe. Aber ich hätte erst die Unfallstelle gesichert und mir einen Überblick verschafft, wenn nötig reanimiert.

Ich habe (siehe mein Kommentar unten) nun aber festgestellt dass das tatsächlich nicht richtig ist.

Zu denken dass ein Notruf genügt und man dann nix mehr zu tun hat, ist trotzdem verkehrt.

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@anniegirl80

Der erste Schritt ist die Absicherung des Unfallorts. Bei Laien kommt dann direkt der Notruf mit der Unterstützung des Disponenten bei der ersten Hilfe und bei Fachkundigen der Notruf und danach die medizinischen Maßnahmen, die sie durchführen dürfen

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@lena0306

Die Absicherung des Unfallortes ist nicht die Aufgabe von erst Helfern sondern das ist Aufgabe der Profis. Was man machen kann ist ein Warndreieck aufstellen und das Auto so parken, dass niemand in den Unfall rein fährt. Mehr aber auch nicht.

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@anniegirl80

Gerade bei einer Reanimation ist es sehr sehr wichtig , dass man erst den Notruf wählt , weil dann wirklich jede Sekunde zählt.

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@User9753478
Was man machen kann ist ein Warndreieck aufstellen und das Auto so parken, dass niemand in den Unfall rein fährt. Mehr aber auch nicht.

Das meine ich auch.

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@lena0306

Das ist noch lange nicht genügend sicherung, aber klar, mehr kann man als leie nicht machen. Und das Auto kann man direkt so hinstellen, dass keiner in den Unfall Rast, das Warndreieck kommt dann eigentlich noch nach dem Anruf.

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@User9753478

Ja klar. Aber wenn man sofort anruft, läuft man Gefahr, dass noch jemand reinfährt. Dementsprechend erst nach Möglichkeit absichern

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Tatsächlich? Ich hatte es so in Erinnerung, dass der Krankenwagen quasi eh kommt, wärend ich ggf erste Hilfe leiste. Also das der erste Schritt der Anruf ist, und wärend der Krankenwagen auf dem Weg ist, leiste ich "Vorarbeit".

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@Ricco92

Richtig. Du siehst einen Unfall, verschaffst dir schnell einen Überblick. Wählst den Notruf (am besten schon während du dir einen Überblick verschaffst). Dann gibst du dem Leitstellendisponent alle nötigen Informationen und der sagt dir dann was du tun sollst.

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