Erste Hilfe (Mund-zu-Mund Beatmung) leisten wenn Helfer ansteckend ist, Strafrechtliche Folgen

6 Antworten

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Rechtlich (und das ist hier die Frage) greift zunächst einmal der § 323c, StGB (Strafgesetzbuch, unterlassenen Hilfeleistung)

"Wer ... nicht Hilfe leistet, obwohl erforderlich.... wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr... bestraft"

Ein Laienhelfer kann also im Falle einer (nicht vorsätzlich begangenen) Körperverletzung nicht belangt werden, falls hierbei Schäden entstehen.

Natürlich unterliegt auch er einer allgemeinen Sorgfallspflicht.

Ist ihm - wie im angenommenen Fall - eine (durch Speichel oder Blut) leicht übertragbare Erkrankung (wie Hepatitis C, HIV, Ebola etc.) bekannt, wäre es also sorgfältig auf eine zumindst mögliche Übertragung durch ungeschützte Beatmung zu verzichten. Dies ist leicht zu bewirken, in dem er eine Infektionsbarriere (Beatmungstuch aus der Apotheke, Handschuhe aus dem Verbandskasten etc.) verwendet. Ist dies nicht verfügbar soll er auf die Atemspende verzichten und** lediglich eine Herzdruckmassage** durchführen (was in den ersten 6 min. im Prinzip den selben Erfolg bringt)

Grundsätzlich kann der Laienhelfer keine "Kunstfehler" begehen, da er als "Nicht-Mediziner" einfach mal gar keine "Kunst" beherrscht und ist daher für Fehler bei der Ersten Hilfe niemals haftbar.

Grundsätzlich besteht folgende Problematik:

  • Der Patient mit Kreislaufstillstand stirbt nicht an den durch falsche Herzmassage gebrochenen Rippen - sondern durch mangelnden Kreislauf (weil niemand drückt).
  • Der Motorradfahrer stirbt nicht durch die unsachgemäße Helmabnahme - sondern weil er in seinem Helm erstickt.
  • Eine mögliche Infektion ist weitgehend behandelbar - der Hirntod ist endgültig.

In Deutschland sterben jedes Jahr ca. 140.000 Menschen am "plötzlichen Herztod", weil potentielle Ersthelfer Angst davor haben etwas falsch zu machen.

Fazit:

Auch eine nicht optimale Erste Hilfe kann Leben retten. Die schlechteste Erste Hilfe ist immer die unterlassene Hilfe - und nur diese ist strafbar.

Weitere Infos unter http://www.notfallmedizin.de/download/ehskript.pdf

Beatmung macht man gar nicht mehr, wenn dann mit einem Tuch dazwischen. Seitenlage, Mundraum freimachen(Einweghandschuhe sind im EH-Set) und Herzmassage sind genauso wichtig wie ein Anruf bei den Profis im Krankenhaus.

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Das kann nicht sien, vor wenigen Monaten habe ich bei einem EH Kurs noch gelern Mund-zu-Mund durchzuführen und das dies auch gemaht werden sollte..

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@user234596

Das stimmt so auch nicht. Es ist nur so, dass man notfalls nur die HDM machen soll, bevor man gar nichts macht.

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Das wäre dann fahrlässige Körperverletzung gem § 229 StGB, die in diesem Fall aber nicht vorwerfbar ist, weil die Maßnahme ja gerechtfertigt ist (sie dient dazu das Leben zu retten). Siehe auch -> Rechtfertigender Notstand!

Das gleiche gilt übrigens, wenn man den Patienten anderweitig unbeabsichtigt schädigt (z. B. Querschnittslähmung nach Helmabnahme).

Die Aussage, dass man die Beatmung nicht mehr durchführen würde, stimmt so auch nicht! In den letzten Quidelines wird lediglich gesagt, dass es besser ist nur die Herzdruckmassage zu machen, als überhaupt nichts zu machen. -Wenn möglich und zumutbar sollte aber beides gemacht werden. (Wer ein Beatmungstuch dabei hat, ist natürlich im Vorteil. Es geht aber auch ohne.)

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