"Er/sie vefügt über ausreichend Berufserfahrung!" - ein wirklich stichhaltiges Argument im Bewerbungsprozess?

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5 Antworten

Wer eine verantwortliche Entscheidung über die Einstellung eines Bewerbers für eine offene Stelle treffen muss, hat ein nicht 100%ig lösbares Problem: Er will keinen Fehler machen. Er will jemanden einstellen, der sich später im Job bewährt. Er will sich kein Gemeckere des Fachvorgesetzten oder der Kunden anhören müssen: "Was für einen (....) hast Du denn da eingestell?". Er will also Sicherheit haben. Sicherheit darüber, wie ein bestimmter Mensch sich in der Zukunft verhält.

Dafür müsste der bemitleidenswerte Personalentscheider aber in die Zukunft sehen können. Kann er nicht. So ein Pech!

Was tut er stattdessen? Er sieht sich die Vergangenheit des Bewerbers an, und versucht, daraus Schlüsse für dessen zukünftiges Verhalten zu ziehen. Und alles, was danach aussieht, dass dieser Bewerber sich in der Vergangenheit in verschiedenen Situationen schon bewährt hat (gute Schulzeugnisse, gutes Ausbildungszeugnis/guter Studienabschluss, gute Arbeitszeugnisse, problemlos aussehender Lebenslauf, und längere Berufserfahrung ohne jemals wegen persönlicher Mängel rausgeschmissen worden zu sein!), gibt dem Personalentscheider ein Stückchen Vertrauen, das er sich über diesen Menschen später kein großes Gemeckere anhören muss, wenn er ihn einstellt.

Berufserfahrung und Lebenserfahrung bedeutet in diesem Zusammenhang nichts weiter als: "Die Wahrscheinlichkeit ist nicht allzu groß, dass eine neue Situation im Arbeitsleben diesen Menschen völlig ratlos und hilflos dastehen lässt. Er hat schon so viele Sachen kennengelernt, dass er sich wahrscheinlich zu helfen weiss."

Wohlgemerkt: "Wahrscheinlichkeit". Unrühmliche Ausnahmen gibt es immer mal.

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Kommentar von PurpurSound
27.04.2016, 12:17

Finde deine antwort sehr gut, danke dir :-) lg max

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Soweit mir bekannt ist, spricht man von "ausreichend Berufserfahrung", wenn jemand mindestens 3 Jahre in diesem Beruf tätig war - ohne die Zeit der Ausbildung mitzurechnen.

Sicher sammelt jede Person unterschiedliche Erfahrungen - sowohl im Leben als auch im Beruf. Umfeld und persönliche Interessen/Talente führen bei jedem Menschenn zu individuellen Erfahrungen.

Das macht eine Gesellschaft aus - wie öde wäre es, wenn wir alle gleich wären... ? ;-)

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Kommentar von PurpurSound
26.04.2016, 10:32

Da hast du schon recht klar. Aber um was es mir geht: Diese Begriffe gelten allgemein als positive Qualität. Wenn man sich so manche "Berufs-" oder "Lebenserfahrene" recht ansieht können einem schon Zweifel kommen...

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Ja, ist ein spanendes Thema.. ein einfaches beispiel: ich hab mal nen Job gleichzeitig mit ner Kollegin angefangen, die immer herausstrioch,d ass sie ja 5 Berufsjahre mehr als ich hatte und blablabla sowieso. Sprich, dieses typische: bion viel qualifizierter.

Dann sitz ich grad mit ihr an Unterlagen, telefon klingelt.. und diese unglaublich berufserfahrene Sekretärin kriegt ne Krise, als das Telefon klingelt. "Was soll ich sagen.. oh Gott.. muss ich daran gehen?" Und dann hat sie sich gemeldet wie ich weiss nicht was

Ich war etwas irritiert. Sollte eine 40jährige, die sich dauernd brüstet, dass sie seit x Jahren in Firma y als Chefsekretärin.. sollte die nicht ans telefon gehen können?

Ihre Erklärung: wir hatten nie Publikumsverkehr und es rief keiner an.

(so ging sie auch mit Leuten um).

Da hab ich mich echt gefragt,w arum sie sich eigentlich für was besseres hält als ich, bissl jünger, verschiedene Jobs und eigentlich immer in Dienstleistung/ Service.

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Kommentar von PurpurSound
26.04.2016, 10:35

Deine Erfahrung trifft genau was ich meine, danke :-)

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Kommentar von thomsue
26.04.2016, 12:00

Berufserfahrung hat halt doch nicht unbedingt etwas mit Qualität zu tun. Aber man sollte halt bestimmte Dinge erwarten können. 🤔

Ein langjähriger Autofahrer fährt nicht unbedingt besser als ein Anfänger. Da kommt auch noch negativ die Routine dazu  

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Ja ich denke, in Summe stimmt das: ein alter Mensch ohne Lebenserfahrung? - wäre die Gegenfrage. Oder kann man auch keine Erfahrungen sammeln? Allerdings kann ein junger Mensch auch wiederum mehr Erfahrungen gemacht haben als ein alter?!

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Kommentar von PurpurSound
26.04.2016, 10:34

Was du als "In Summe" bezeichnest ist genau das Problem: man operiert in der Bewerbungspraxis mit einer Summen-Kategorie um eine bedeutsame Entscheidung für den Einzelfall zu treffen...

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Kommentar von thomsue
26.04.2016, 11:57

Die Frage ist, wie kann man es anders und besser tun? Und eigentlich nicht für den Einzelfall, sondern für eine längere Zeit der Beschäftigung

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Kommentar von thomsue
26.04.2016, 16:12

Ja fragen kann auch nicht exakt genug sein - da sollte dann die Probezeit mehr erreichen 🤔

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Ein Scheinproblem aus dem Elfenbeinturm des Wolkenkuckucksheims...:-)

Vielleicht machst du mal ein Praktikum in einer Personalabteilung?

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Kommentar von PurpurSound
26.04.2016, 15:41

Dummerweise hatte ich Jahre lang selbst mit Bewerbungsverfahren zu tun, da besitze ich also genug "Lebenserfahrung". Dass aber Menschen ohne Scheinprobleme beschwerdefreier leben, da hast du sicher recht. Ich danke dir für den hilfreichen tip :-)

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