Ergebnisse der deutschen Revolution?

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Die Revolution 1848/9 ist am Ende besiegt und niedergeschlagen worden. Machtpolitisch ist die Nationalversammlung damals gescheitert. Die politischen Ideen haben aber weitergewirkt.

Die Niederlage hatte verschiedene Gründe, aber die erstarkende Macht der Monarchen, die in den Einzelstaaten Kontrolle über das Militär und weitgehend auch über die Bürokratie behielten, sollte dabei nicht übersehen werden. Die Revolutionäre waren in den Parlamenten der Einzelstaaten stark vertreten und infolge der Märzrevolution 1848 war ihr Einfluß auf deren Regierungspolitik zunächst meistens erheblich, auch Regierungsämter bekleideten sie. Unter den Regierungsmaßnahmen der Einzelstaaten dieser Zeit gibt es durchaus Ergebnisse der Revolution. Die Frage ist dann noch, was davon über die Zeit der Revolution hinaus Bestand hatte.

Der Versuch, aus vielen deutschen Einzelheiten („Vielvölkerstaat“ ist keine genaue und gut zutreffende Beschreibung) einen Nationalstaat zu bilden und dafür eine politische Ordnung durchzusetzen, hatte keinen Erfolg.

Eine Reichsregierung wurde mit der Schaffung einer provisorischen Zentralgewalt eingesetzt. Ihre Schwäche waren vor allem ein Mangel an militärischen Truppen und Verwaltungsbefugnissen.

Trotz Aufspaltung der Revolutionäre in verschiedene politische Richtungen hat es Mehrheiten, die sich auf etwas einigten und Beschlüsse verabschiedeten, wiederholt gegeben.

Die Nationalversammlung war das erste frei gewählte nationale Parlament der Deutschen. Es ging aus einer allgemeinen und gleichen Wahl der volljährigen selbständigen Männer hervor.

erzielte Ergebnisse

  • Weiterwirken der Ideen: Die Ideen von Freiheit und nationaler Einheit gingen nicht völlig verloren

  • sogenannte Bauernbefreiung: Es gab eine Beseitigung von Feudallasten und ständischen Vorrechten.

  • Abbau des Reformstaus

  • Ende des absolutistischen Zeitalters in einigen Einzelstaaten (z. B. Preußen, das nun eine schriftliche Verfassung hatte, wenn auch von oben aufgezwungen)

  • Vorbildcharakter der Verfassung für zumindest einen Teil der Bevölkerung: Die beschlossene Verfassung zeigte in Umrissen, wie die politische Ordnung eines deutschen Nationalstraße sein konnte, und Gedanken haben weitergewirkt, so das Modell eines Bundesstaates (Föderalismus) und vor allem der Abschnitt über die Grundrechte (die Nationalversammlung hatte sogar vor der Verfassung schon ein Reichsgesetz mit Grundrechten des deutschen Volkes beschlossen, am 27. Dezember 1848). Eine Reihe von Freiheiten und Schutzrechten war enthalten und war prägend für zukünftige deutsche Verfassungen. Der Grundrechtsabschnitt enthielt unter anderem Bestimmungen über Rechtsgleichheit/Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz, die Freiheit der Person, Unverletzlichkeit der Wohnung, Briefgeheimnis, Meinungsfreiheit, Redefreiheit, Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit, Freiheit von Wissenschaft und Lehre, Freiheit der Berufswahl, Versammlungsfreiheit, Aufhebung der Todesstrafe (bis auf wenige Ausnahmen im Kriegsrecht und im Seerecht bei Meutereien), der Strafen des Prangers, der Brandmarkung und der körperlichen Züchtigung, Unverletzlichkeit des Eigentums.

  • Fernwirkung des Wahlrechts: Das Reichsgesetz über die Wahlen der Abgeordneten zum Volkshause vom 12. April 1849, in Kraft getreten am 6. Mai 1849, enthielt ein allgemeines, freies und gleiches Wahlrecht für Männer ab 25 Jahren, die im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte waren. Bismarck hat sich dafür entscheiden (wobei wohl die Annahme eine Rolle spielte, tatsächlich hätten die Konservativen gegenüber den Liberalen dabei gute Chancen, insbesondere mehr Rückhalt auch bei den einfachen ländlichen Bevölkerung) ein solches Wahlrecht für den Reichstag des Norddeustchen Bundes (1867) und des Deutschen Reichs (1871).

  • Erscheinen der kleindeutschen Lösung als für eine reale Umsetzung eher naheliegend: Die Nationalversammlung hatte zunächst am 27. Oktober 1848 mit deutlicher Mehrheit eine großdeutsche Lösung beschlossen. Weil die großdeutsche Lösung unter den gegebenen Umständen aber keinesfalls umgesetzt werden konnte, entschied sich die Nationalversammlung schließlich mehrheitlich für eine kleindeutsche Lösung, in Form einer erblichen Monarchie mit König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen als Kaiser (am 27. März 1848 und bei der endgültigen Annahme der Verfassung am 28. März 1849).

Eine nationale Bewegung bestand fort. 1859 – 1867 existierte der Deutsche Nationalverein, der sich für eine kleindeutsche Lösung einsetzte.

  • Reform von Verwaltung und Justiz, Trennung von Verwaltung und Justiz hatte sich z. B. allgemein durchgesetzt

  • Garantie der Gleichberechtigung der Volksstämme im Hinblick auf Pflege und Bewahrung ihrer Nationalität hatte in Österreich bis 1851 Bestand

  • Zunahme der Bedeutung der Kommunikation in der Politik, öffentliche Meinung hatte an Gewicht gewonnen

  • Zunahme der Bedeutung der Kommunikation in der Politik, öffentliche Meinung hatte an Gewicht gewonnen

  • Abschaffung allgemeiner Zensur: Eine allgemeine Zensur ist nicht wiedereingeführt worden. Allerdings ersetzten andere Unterdrückungsmaßnahmen dieses Mittel zunächst sehr wirksam und Meinungsfreiheit war daher nicht gegeben.

kurze Darstellung zu erzielten Ergebnissen, die blieben:

Eva Maria Werner, Kleine Geschichte der deutschen Revolution von 1848/49. Wien ; Köln ; Weimar : Böhlau, 2009 (UTB : Geschichte ; 3219), S. 150 – 153 („11. Was bleibt?“)

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Die ergebnisse des Paulskirchen-parlamentes sind das Entscheidende. Unsere heutigen Grundrechte fußen auf dem damals ausgearbeiteten Grundrechtekatalog. Das erste Parlament würde ich nicht als bedeutsam ansehen, weil es einfach nur 600 gebildete Leute waren, die sich in eine Kirche eingeschlossen haben und ohne Legetimierung durch eine breite Mehrheit gearbeitet haben - auch wenn sie großen Zuspruch erhielten.

Könnt sie ihre Antwort noch ein wenig ausführlicher Formulieren ? Was genau waren denn die Ergebnisse des Paulskirchenparlamentes? War es etwa "nur" der Grundrechtkatalog oder wurde noch mehr erreicht? Der Grundrechtkatalog bildet natürlich einen wichtigen Grundbaustein bei dem Aufbau einer Demokratie in Deutschland.

Vielen Dank für ihre Antwort

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und war das allgemeine Wahrlrecht für 80% der Männer auch ein Grundrecht das aufgrund des Paulskirchenparlaments entstand und (natürlich weiter ausgeformt) noch heute existiert . Oder wurde dies zwischenzeitlich wieder gestrichen???

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Moin,

die Revolution schlief grob formuliert einfach wieder ein. Die Abgeordneten der Paulskirche zerstritten sich über allen möglichen Fragen, was die erst nach preußischer Kriegserklärung vorgelegte Legitimation des deutsch-dänischen Krieges ihnen an Wind in den Segeln ließ, nahm dann die Ablehnung der Kaiserkrone- das Parlament war so vollends zur politischen Witzfigur geworden und löste sich dann später auch völlig auf.

Die deutsche Lösung verwirklichte später der monarchistisch-militaristische Kreis unter Bismarck und Konsorten.

Die Verfassung und Ideale der Revolution und der Paulskirche dienen heute der Bundesrepublik als demokratisch-liberaler historischer Hintergrund, nachdem die Weimarer Republik dafür weniger modelltauglich ist. Praktisch allerdings brachte sie damals eigentlich nur eine Schwächung der liberal-demokratischen Idee, eine Stärkung der Dominanz Preußens im Dt. Bund und die Idee der "kleindeutschen Lösung".

mfg Nauticus

Ich halte die Darstellung zum Verlauf für nicht glücklich, weil sie einer einseitigen und verzerrenden Betrachtungsweise Vorschub leistet. Haften bleibt so ein Eindruck von Zerstrittenheit und Lächerlichkeit völlig unfähiger Leute - was vermutlich gar nicht beabsichtigt ist.

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@Albrecht

Entschuldigung, manchmal zerstört mein pessimistischer Charakter einfach die am Nettesten gemeinten Dinge. Es ist leider meine Art, die Dinge etwas sarkastisch darzustellen :(

Über die demokratisch-freiheitlichen Absichten der Paulskirche und die Fähigkeit der Abgeordneten möchte ich kein Missfallen aufkommen lassen. Ich sehe allerdings die historische Rolle der Paulskirche in der Tat eher wie eine unglückliche, reale Satire - Deutschland war einfach noch nicht bereit für die Demokratie, beziehungsweise saßen die anti-demokratisch/liberalen Elemente einfach noch zu fest im Sattel

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