Erfordert Ehrlichkeit Mut und geistige Stärke?

9 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ja! Erfahrungsgemäß fordert Ehrlichkeit auch vom Ehrlichen, daß er sich der Frage/dem aktuell anstehenden Problem stellt. Man sagt die Wahrheit nicht nur so ins Leere, sondern reflektiert auch immer selbst. Es erfordert immer Mut, anderen gegenüber ehrlich zu sein, aber ganz besonders gegen sich selbst. Es bedarf schon auch geistiger Stärke, wie Du es nennst, sich selbst immer treu zu bleiben. Wegducken ist machmal sehr einfach, vor allem, wenn's kein anderer merkt. Aber du selbst weißt genau, wann und wo du geschummelt hast. Und du wirst durch dein Gewissen auch immer wieder daran erinnert. In der Summe ist esleichter, immer ehrlich zusein, auch wenn's im Einzelfallmal gehörig weh tut.

Erstmal fordert es von mit geistige Stärke, herauszufinden, was das Wort "Ehrlichkeit" in concreto eigentlich bedeuten soll. Mit den volkstümlichen Definitionsversuchen bin ich nicht sehr zufrieden.

Soll ich niemals lügen? Das würde schon großen Mut erfordern, hätte oft aber auch Effekte, die von aller Beteiligten niemand möchte. Die Maxime, nie zu lügen, ist sicher ehrenwert, steht aber völlig zu Recht für die meisten Menschen nicht an oberster Stelle de Prioritätenliste der Maximen. Das halte ich für eine Wahrheit. Erfordert es wirklich Mut, sie auszusprechen? Bei gutefrage nicht, aber als Ethiklehrer vor einer Klasse Zehnjähriger schon.

Aber ist es sinnvoll, jede vermeintliche Wahrheit in jedem vermeintlich passendem Zusammenhang auszusprechen? Natürlich nicht; das kann also auch nicht Voraussetzung der Ehrlichkeit sein.

Was ist, wenn ich die Wahrheit didaktisch reduziere, wenn ich sie nur zum Teil vermittle und meine Schüler-innen mit einem teilweisen Irrtum, einer teilweisen Unwahrheit zurücklasse ? Ist das feige oder weise oder habe ich hinauf, hinab, die quer und krumm meine Schüler an der Nase herumgeführt?

Und wenn ich mir bei gutefrage oft, bevor ich die Frage zu beantworten suche, sehr genau das Profil der/s Fragesteller-s/in anschaue, um die Antwort so zurechtzuklopfen, dass sie speziell für diese Person besonders hilfreich ist, statt einfach meine ureigene, durch keine Vorkenntnis getrübte Meinung herauszublasen - ist das dann noch ehrlich?

Das sind Fragen, die für mich wichtiger sind als die nach Mut. Natürlich habe ich gut reden, was habe ich alter Mann denn noch zu verlieren ? Aber dies sind im Grunde dieselben Fragen, die auftauchen, wenn man im Kreis zusammensitzt, um ein Flugblatt zu konzipieren, einen Ostermarschaufruf zum Beispiel.

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Hallo, Ottavio, sehr gut! Ich finde, philosophische Fragen verdienen ein größeres Publikum. Als ebenfalls älterer Mensch, der entsprechend Zeit hatte, über das Leben und die Bedeutung des KI für das alltägliche Leben (ich schreibe mit leichtem Grinsen) nachzudenken, freue ich mich über gute Beiträge. Als blutiger Laie, aber sehr interessiert, habe ich im Laufe der Jahre gelernt, daß Philosophie weniger Antworten gibt, als vielmehr die richtigen Fragen zu stellen lehrt. Auf eine niemals endende Diskussion.

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Das kann man schon so sagen, jap!

Ich bin der Meinung, dass nur derjenige ehrlich sein kann, der so sicher ist und so "mutig", dass er nix zu verlieren hat und keine Nachteile drohen, wenn er wirklich ehrlich ist ------> ich musste mir das auch erst antrainieren & konnte früher bspw. bei Leuten, die mir unangenehm sind nicht ehrlich sagen, dass ich keinen Kontakt wünsche oder wenn ein beruflicher Kontakt meinte, er müsse meine Privatnummer anfunken (die auf keiner Visitenkarte steht & auf keiner Homepage zu finden ist, noch nicht mal im Telefonbuch steht) auch nicht sagen, dass man mich bitte nur in der Firma und das nur zu den Geschäftszeiten anzurufen habe aber nicht privat.

Mittlerweile kann ich es. Ich denke, das kommt mit den Jahren & Erfahrungen die man macht, aber auch mit dem "Erfolg" bzw. dem Umfeld. Ich habe in den letzten Jahren sehr viel Zuspruch wegen meiner Arbeit erhalten aber auch im persönlichen Sinne & da wird man schon "selbstbewusster" und traut sich eher, mal jemanden freundlich, ehrlich aber auch so, dass er sich echt nicht mehr meldet aber trotzdem nicht böse reagiert, in die Schranken zu verweisen.

Mir halfen die Jahre auch dabei, ehrlicher zu sein was eigene Fehler betrifft und selbstkritischer zu sein, auch Probleme nicht zu verdrängen sondern aktiv anzugehen -----> als Jugoslawe habe ich einen Hang dazu manches Unbequeme eher aufs Abstellgleis zu schieben & "wird schon werden" zu denken, das weiß ich und deswegen versuche ich auch alle Fehler und Probleme offensiv anzugehen.. auch weil die Erfahrung gezeigt hat, dass sowieso nix passiert und ehrlich am längsten währt!

Und ich sage mal so: Jeder Mensch, der zufrieden (vllt. auch "geistig stark") ist muss anderen keine Geschichten vom Pferd erzählen, sondern kommt auch damit klar nichts als die Wahrheit zu erzählen.

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