Welche Erfahrungen habt ihr als Zählerableser gemacht?

9 Antworten

Mein Name ist A. Stolle und ich bin Geschäftsführer der Fa. H&S Zählerablesung GbR.

Ich habe gerade erst diesen Thread bei gutefrage.net entdeckt und mir ist es ein persönliches Bedürfnis, hier Einiges richtig zu stellen, da doch relativ viel
gefährliches Halbwissen geschrieben wurde, was ich so nicht stehen lassen
möchte!

Ich kann natürlich nur für meine Firma sprechen und kann nicht ausschließen, dass es in der Branche evtl. auch schwarze Schafe geben kann, aber prinzipiell ist der Nebenjob als Zählerableser definitiv nicht unseriös!

Die Antwort von Blomblom / Jonas (welchen ich nicht kenne) trifft es genau auf den Punkt, alles andere sind falsche Vermutungen.

Wir arbeiten seit 2001 im Auftrag von verschiedenen Stadtwerken und
Energieversorgungsunternehmen bundesweit als Dienstleister für Zählerablesungen und wir sind definitiv kein unseriöser Arbeitgeber.

Nachfolgend meine Erfahrungen aus über 15 Jahren erfolgreicher Praxis und einigen Millionen an abgelesenen Zählern:



Ist ein täglicher Verdienst von ca. 120,-€ realistisch?

Ja, dass ist er definitiv! Wir annoncieren unsere Jobangebote auch mit diesem Durchschnittsverdienst und dieser ist auch für einen Neueinsteiger definitiv realistisch. Natürlich bedingt dieser Verdienst ein ganztägiges Arbeiten, eine gute Arbeitseinstellung, ein freundliches Auftreten den Kunden gegenüber sowie eine gewisse körperliche Fitness. Unsere erfahrenen Ableser erreichen Durchnittsverdienste von über 150€ pro Tag und das ist weder eine „kuriose Geschichte“, noch „grob unseriös“ oder „faul“.  

Wenn ich Durchschnittsverdienst schreibe, dann beziehe ich mich z.B. auf einen 2-wöchigen Einsatz, bei dem ein Ableser eine Zählerablesung von Anfang bis Ende begleitet. In diesem Einsatz wird er sowohl bessere, als auch schlechtere Lauftouren bekommen und dementsprechend Tage mit 80€, aber auch Tage mit weit über 200€ dabei haben. Im Durchschnitt von diesen 2 Wochen wird sich ein Tagesverdienst von ca. 120€ ergeben. Aus meinen Erfahrungen mit unseren Nebenjobbern kann ich sagen, dass diese Vorgabe von den meisten erreicht wird. Bei den Wenigen, die diese Vorgabe nicht erreichen, scheitert es schlichtweg an einer mangelnden Arbeitseinstellung. Von unseren Mitarbeitern sind die meisten sehr zufrieden mit ihrem Nebenjob. Das zeigen persönliche Gespräche, Emails und die Tatsache, dass sie regelmäßig wieder für uns arbeiten.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass man, wenn man wirklich arbeiten will und das Ziel hat, in 2-3 Wochen relativ viel zu verdienen, mit Sicherheit auf einen Verdienst von mindestens 120€ kommen wird. Wenn man eher eine ruhige Kugel schieben will, gern lange schläft, bei Regen und Schnee lieber am warmen Ofen sitzt und auch sonst eher der gemütliche Typ ist, dann ist dieser Job vielleicht nicht der Richtige.


Wie viele Zähler kann man an einem Tag ablesen?

Die Frage ist also: Wie viele Zähler stecken hinter einem Verdienst von ca. 120€? Nun, das ist ganz unterschiedlich und hängt von dem jeweiligen Einsatz und den örtlichen Gegebenheiten sowie den abgelesenen Energiearten ab.

Wir lesen ausschließlich Strom-, Gas-, Wasser- und Fernwärmezähler ab und  keine Heizkostenverteiler an Heizkörpern! Somit müssen unsere Ableser i.d.R. nicht in die einzelnen Wohnungen, sondern brauchen lediglich Zugang zum Hausanschlussraum oder den Zählerstandorten im Treppenhaus oder Keller. Nur vereinzelt befinden sich mal Gaszähler in den Wohnungen. Hinter Möbel klettern, Möbel hin- und herräumen, Wartungsklappen öffnen… das entspricht nicht den Tatsachen und ist Blödsinn.

Es ist keineswegs so, dass diese Zähler ausschließlich von den Kunden selbst abgelesen werden. Das handhaben die bundesweit über 1.000
Stadtwerke ganz verschieden! Und auch die Zählerfernauslesung steckt im Jahr 2016 noch in den Kinderschuhen.

Wie hoch der Verdienst pro abgelesenem Zähler ist, wird von uns entsprechend des jeweiligen Einsatzes berechnet und hängt genau von dieser
Frage ab: Wie viele Zähler kann ein Ableser pro Tag abarbeiten? Das können bei einem Einsatz im Durchschnitt 100 sein und bei dem nächsten Einsatz im Durchschnitt 300 oder 400. Der Rekord bei uns liegt bei ca. 1.470  abgelesenen Zählern von einem Ableser an einem Tag!

Mir ist bewusst, dass sich diese Zählermengen für einen Außenstehenden sehr viel anhören und schnell als „nicht machbar“ eingestuft werden. Nichts desto trotz sind es Tatsachen und tägliche Praxis.


Warum werden so viele Stellen ausgeschrieben und ständig Ableser gesucht?

Das liegt nicht - wie hier von einigen vermutet - daran, dass es unseriös ist und jeder Ableser nach 2 Wochen abspringt, sondern hängt einfach damit zusammen, dass das Zählerablesen ein stark saisonales Geschäft ist. Die meisten Energieversorger (Stadtwerke) lesen Ihre Zähler zum Stichtag 31.12. ab, um Ihren Kunden eine Jahresabrechnung vorlegen zu können. Demzufolge
finden im Zeitraum von Mitte November bis Mitte Januar 100x mehr Ablesungen statt, als im Rest des Jahres. Und genau aus diesem Grund halten sich für diesen Job viele Stadtwerke auch keine festangestellten Mitarbeiter vor, weil sie sie das restliche Jahr einfach nicht beschäftigen könnten. Und wir als Dienstleister müssen diese Spitzen zwischen November und Januar mit einer Vielzahl an zusätzlichen Arbeitskräften abfangen.


Warum wird ein eigener Pkw verlangt?

Unsere Ableser müssen von Ihrem Wohn- oder Studienort zum Einsatzort gelangen und müssen dann vor Ort flexibel zwischen Hotel, den Stadtwerken und dem Einsatzgebiet hin und her pendeln können. Das geht weder zu
Fuß, noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ein eigener Pkw ist daher
leider notwendig. Wir zahlen dafür aber eine extra Fahrtkostenpauschale als
Ausgleich.Dass wir als mittelständisches Unternehmen zum Jahresende hin
keine 150 Mietwagen für unsere Ableser zur Verfügung stellen können, ist glaube ich nachvollziehbar.

Ich hoffe, mit dieser doch recht ausführlichen Antwort etwas Licht ins Dunkel gebracht zu haben und wünsche allen alten und neuen Zählerablesern maximale Erfolge!

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Stolle

Ich arbeite als Student seit 2011 während der vorlesungsfreien Zeit als Zählerableser. Man wird pro abgelesenem Zähler bezahlt und bekommt seine abzulesenden Zähler auf einem MDE-Gerät. Bevor man diese Tätigkeit beginnt muss man wissen, dass es eine körperlich anstrengende Arbeit ist und Abends sehr erschöpft ins Bett fällt.Je nachdem in was für einem Gebiet man ist (hauptsähclich Einfamilienhäuser, Innenstadt mit Mehrfamilienhäusern, etc.) variiert das Einkommen pro Zähler. Bei mir variiert es zwischen 0,30€ bis 0,90€ pro Zähler. Es ist natürlich auch davon abhängig, ob man alle Zähler (Strom, Gas und Wasser) oder nur einen Teil davon abliest.

Ich zitiere Justinianus:

"Anfahrt: 5 minZählersuche (Stockwerk oder Keller-) 5 minZählernummer vergleichen und Wert eingeben (mobiles Lesegerät): 5 min4 Ablesungen/Stunde x 8 = 32 Zähler"

Ganz ehrlich ist die Rechnung der größte Quatsch:

Man fährt in ein Gebiet und bleibt den ganzen Tag in der Gegend. Das Auto wird abgestellt und man ist zu Fuß unterwegs. Den Zähler finden dauert gewöhnlich weniger als 30 Sekunden, da diese meistens im Keller oder in der jeweiligen Etage des Hauses befinden. Es ist durchaus möglich am Tag über 1000 Zähler abzulesen; dies ist mir in einem Gebiet gelungen, in dem wirklich nur riesen Mehrfamilienhäuser waren.Üblicherweise schafft man aber in einem gemischten Gebiet mit Ein- und Mehrfamilienhäusern ca. 400 Zähler am Tag, bei 0,30€/Zähler sind das dann 120 €.Natürlich gibt es mal Tage, an dem man ein "Scheißgebiet" hat (Gewerbegebiete, Innenstadt mit Einzelhandel, etc.) aber das gehört natürlich auch dazu.


Wer sich für den Job entscheidet sollte sportlich fit sein, keine Probleme mit Kniegelenken oder Achillessehnen gehabt haben. Diese werden nämlich beim Treppensteigen arg belastet. Es eignen sich hohe Wanderschuhe o.Ä. als Arbeitsschuhe.Dieser Job ist für Studenten wirklich ideal und gut machbar.Ich arbeite meist dann auch von 9-18 Uhr. Abends trifft man immer jemanden an, besonders bei Einfamilienhäusern.

Wer noch Fragen hat, kann sich ja einfach melden.

Lg,Jonas

Hallo Herr Stolle, was Sie hier schreiben würde ich als Märchenbuch veröffentlichen, ich lese seit 2,5 Jahren bei U-SERV Zähler ab, in Badenwürtemberg, wenn ich Aufträge habe dann 10 bis 12 Stunden jeden Tag, aber 120 € pro Tag verdiene ich nur 3 bis 4 Monate im Jahr, die anderen Monate liegen dann bei 600 bis 1200 € pro Monat, außerdem fahre ich durchschnittlich 4000 bis 5000 km pro Monat zu den Ablesepunkten, dafür bekomme ich nur den Kraftstoff bezahlt, das heißt ich muß die weitern Kosten für das Fahrzeug selber tragen, an manchen Tagen habe ich sogar negativen Verdienst wenn ich die reellen Fahrzeugkosten berechne, heute habe ich einen Ableseauftrag in 115 km Entfernung, ich muß also 230 km fahren und bekomme dafür 1,80 € Maximal, wenn der Kunde zu Hause ist. Bis zum Sommer 2017 wurde mir kein Tag Urlaub bezahlt, Ausfallzeit durch Arbeitsunfall 8 Tage Krankheit dafür 0 €, Ausfallzeiten durch Technikfehler werden nicht bezahlt, Ausbildungszeiten werden nicht bezahlt,wenn ich wie heute nur 7 Aufträge erhalte wobei dadurch ein Verdienst von etwa 12 € erarbeitet wird,bekomme ich nur diese 12 € und ich werde etwa70 km mit meinem PrivatPKW fahren, das entspricht Kosten 14 €, allerdings muß ich dann alle Kunden antreffen, sonst wird es noch weniger, hätte ich nicht in der Zeit vorher Reserven zurückgelegt würde ich zur Privatinsolvens greifen müssen.

Mit frendlichen Grüssen

Wolfgang

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