Erfahrung mit Psychotherapie bei Kindern, wer hat Erfahrung?

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Hallo Jana23, zwar habe ich persönlich keine Erfahrungen mit Psychotherapie bei Kindern sondern nur damit mit Kindern zu counseln (einer Laienform von wechselseitigem Zuhören - Therapie ohne Therapeuten). Das kommt aber recht selten vor, weil Kinder noch sehr direkt sind und von Natur aus nicht so viel verdrängen, wie wir Erwachsenen es gelernt haben und mit vielen spielerisch umgehen. Sie lernen unsere erwachsenen, ungesunden Verarbeitungsmechanismen unbewußt durch Nachahmung von uns Erwachsenen. Ihr ganz natürlichen Reaktionsweisen auf schmerzhafte Erlebnisse und Verletzungen sind Schreien, Weinen und Erzählen des Furchtbaren. Damit werden die ungesunden Spannungen und Energien neutralisiert. Das ist aber uns normal angepaßten Erwachsenen unangenehm und zuwider, weil wir selbst nicht unseren natürlichen Impulsen nachgeben durften. Das wird nicht einmal unbedingt direkt ausgesprochen; sondern Kinder haben ein gutes Gespür für mißbilligende Blicke und wenn die gewohnte liebevolle Zuwendung ausbleibt. Das ist auch nicht die Schuld von uns Erwachsenen, wir haben es in unserer eigenen Sozialistation so gelernt und geben es ohne es zu wissen weiter: wir können garnicht anders, solange uns das nicht bewußt ist.

Wenn nun Kinder Schulprobleme und Probleme im Umgang mit anderen haben, dann aggressiv reagieren, sind das Notsignale und Hilferufe. Sie bräuchten wirklich eine mitfühlende und verstehende Situation, wo sie sich mit ihren schmerzhaften Gefühlen angenommen fühlen. Mehr braucht es ersteinmal garnicht und das ist leider oft nicht im Klassenzimmer möglich, weil es da genug andere gestörte Kinder gibt. Die Therapie bietet vor allen Dingen erst einmal einen geschützten Raum. Und das ist sehr wichtig und z.B. in einer Tagesklinik möglich (Das klingt erst einmal nur so fürchterlich nach Krankenhaus...!) Solange sie nicht andere oder sich selbst gefährden, ist ein stationärer Aufenthalt garnicht nötig: es soll soviel Normalität erhalten bleiben wie möglich. Dieser geschützte Raum ein paar Stunden am Tag reicht oft völlig aus, damit ein Kind sich öffnen kann.

Leider habe ich keine Erfahrung damit, denn es hätte mir in der Schulzeit sicher einiges geholfen, diese Leidenszeit fröhlicher und ungeschorener zu durchstehen, statt in "Duldungsstarre" zu verfallen. Und es ist, wie ich mitbekomme, seitdem nicht besser geworden: der Leistungsdruck hat zugenommen und die Aggressionen unter Mitschülern sind häufiger geworden. Wie hätte ich da einen mitfühlenden Erwachsenen nötig gehabt, der mir geholfen hätte, mehr inneren Abstand zu den Frustrationserlebnissen zu bekommen und nicht alles persönlich zu nehmen. Nachhilfe, wo nur der Stoff aufgearbeitet wird, ist kein Ersatz dafür. Doch meine Eltern hätten es damals als Ihr persönliches Versagen angesehen, wenn eines von uns Kindern therapeutische Hilfe in Anspruch genommen hätte. Warum sollen es Kinder heute nicht besser haben als wir? Jedenfalls solange, wie Leistungsstreben, Konkurrenz und gute Noten noch als wichtiger gelten als liebevoller Umgang miteinander. Bei einem seelisch gesunden Kind braucht es keinen Leistungsdruck: es liebt es Neues zu entdecken, zu lernen und zu erproben was für Fähigkeiten und Möglichkeiten in ihm stecken.

Ich wünsche Dir viel Freude an Deiner Tochter! Die Pubertät ist sowieso eine schwierige Zeit für alle. Da kann man sich ruhig Hilfe von außen holen. Und laß Dir nicht einreden, Deine Tochter stünde am Anfang einer Psychiatriekarriere. Das geht vorrüber, wenn es nur früh genug angegangen wird!

@Nordseehund, Dein Beitrag hat mir wirklich viel gegeben, Danke und DH.

LG soli

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Es war die richtige Entscheidung, dort hin zu gehen. Mein Sohn ist neun und hat auch Schwierigkeiten in der Schule und reagiert bei Konflikten auch oft aggressiv. Bei ihm kommen auch noch Konzentrationsstörungen dazu. Er macht seit ein paar Monaten Ergotherapie und seit einigen Wochen auch eine Psycho- (Verhaltens) therapie. Ich habe den Eindruck, es bekommt ihm sehr gut. Da auch die Arbeit mit den Eltern sehr wichtig ist, bin ich gespannt, wie es weiter geht. Alles gute auch für euch.

Ob es Deine Tochter wirklich weiterbringt, ist (neben der Fähigkeit der Therapeuten) von ihr abhängig und ob bzw. inwieweit sie sich auf diese Therapie einläßt.

Bei meiner Tochter ist der Leidensdruck so hoch das sie nun endlich bereit ist Hilfe anzunehmen.

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