Erbschein, Grundbuch

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4 Antworten

Ohne Testament verstorben, wären der Ehefrau und den leiblichen Kindern der Nachlass des Verstorbenen automatisch zugefallen :-O Nach 6 Wochen unwiderruflich, was bedeutend wäre, da jeder Miterbe für Schulden gesamdschuldnerisch aufkommt - auch mit privatem Vermögen also allein und in voller Höhe!

Die Nachlassbewertung hat daher oberste Priorität - die wäre für eine Erscheinserstellung ohnehin vorzunehmen: http://www.webnotar.de/webnotar_smartm/docs/Nachlassinfo.pdf

Im Zustand der Zugewinngemeinschaft verheiratet, fielen der Witwe 1/4 Erbe und 1/4 Zugewinnausgleich zu, dir und deiner Schwester je 1/4; bei Gütertrennung jedem 1/3.

Die Erbquote bemisst sich an Reinnachlass, also dem Vermögen am Todestag abzüglich der Verbindlichkeiten (Darlehen, Verträge, Beerdigungskosten usw.) im Todesmonat. Neben Bar- und Anlagevermögen (Aktien, Sparbuch) gehören dazu Nachlassgegenstände, auch hälftig (gemeinsamer Hausrat) Schmuck, Gehaltsnachforderungen ohne Weihnachtsgeld, Briefmarkensammlung usw. eben alles, was dem Erblasser gehörte, sofern es verwertbar (zu verkaufen) wäre. Kleidung, billiger Druck oder 20 Jahre altes Möbel etwa nicht.

Und ein Miteigentumsanteil am Haus, bei gemeinsamem Beistz der Eltern zu 1/8, im Alleineigentum deines Vaters stehend sogar 1/4.

Mit allen Rechten und Pflichten: Fortan trägst du zu diesem Anteil Lasten (Grundsteuer, Müll, Straßenreinigung, Reparaturen usw.) mit und kannst fiktive Mieteinnahmen (ortübliche Miete) verlangen bzw. dagegen verrechnen.

Oder zum Verkehrswert einem der Eigentümer zum Kauf anbietet: Entweder beauftragt ihr dafür einen teuren Gutachter oder berechnet den Grundbesitzwert n. § 183 (3) BewG wie folgt: Durchschn. fiktive Jahresmieteinnahmen x 12,5 (ggf. ./. Altersminderung)

Damit wärst du Verpflichtungen, Schulden und Hypotheklenbelastungen des Grundstücks los :-)

Oder - nur der Vollständigkeit halber - wenn man innerhalb der 6-Wochenfrist persönlich beim Nachlassgreicht oder über einen Notar sein Erbe ausschlägt und sich mit dem halben Pflichtteil in Geld gegen die Miterben bescheiden kann oder will.

Den (günstigeren gemeinsamen) Erbschein beantragt man formlos mit dem Wertermittlungsbogen des Nachlasses (Gebührengrundlage) beim Nachlassgericht am Amtsgericht, das für den Todesortr zuständig ist. Auf der Homepage findet sich das entsprechende Formular.

Damit kann man ebenso formlos beim Grundbuchamt Eintrgungsänderung beantragen, die bei Übergang durch Tod kostenlos ist. Sofern du dich für einen Verkauf entscheidst, besprich das vorher mit Schwester und Mutter, die ein Vorkaufsrecht deines Anteils haben.

Noch einmal und ganz deutlich: Durch Nachlassichtung und Bewertung und deiner Entscheiung, deinen hausanteil halten oder verkaufen, musst du innerhalb von 6 Wochen durch - sonst sind Fakten geschaffen, die du lebenslang mitträgst.

G imager761

und das wir unseren Pflichtteil antreten.

Einen Pflichtteil gibt es nur wenn ihr enterbt wurdet. Das ist nicht der Fall. Ihr seid einfach gesetzliche Miterben. Ihr bildet mit der Mutter zusammen eine Erbengemeinschaft. Dabei erhält die Mutter 1/4 der Erbschaft + 1/4 Zugewinnausgleich. Also 1/2 der Erbschaft. Der Rest fällt auf die Kinder zu gleichen Teilen.

Meine Mutter benötigt ja jetzt einen Erbschein, zusätzlich möchte sie uns (zwei Töchter) ins Grundbuch mit eintragen lassen und das wir unseren Pflichtteil antreten.

Der Erbschein weist die Erben als solche aus. Das ist hier aber nicht nur die Ehefrau, sondern auch die Kinder des Verstorben. Die Mutter kann ohne die Zustimmung der Kinder das Grundbuch nicht ändern. Die Erbengemeinschaft kann nur gemeinsam handelt.

Woraus errechnet sich der Erbteil?

Entscheidend ist das Erbe, also das Vermögen des Verstorbenen. Ehegatten haben getrennte Vermögen. D.h. die Mutter hat ein Vermögen und der Vater hat ein Vermögen. Bei gemeinsamen Vermögen zwischen den Ehegatten, z.B. einen gemeinsamen Konto, wäre dieses zunächst zu trennen.

Kann meine Mutter das Barvermögen niedriger ansetzen?

Barvermögen braucht überhaupt nicht bewertet zu werden. Dieses läßt sich ja recht einfach auseinandersetzen.

oder muss sie alle Konten offenbaren? Wer überprüft das?

Sie können als Erbe zur Bank und sich die Kontoauszüge holen. Nochmal die Mutter hat da a priori rechtlich keine Sonderstellung. Eventuell kennt sie das Vermögen des Verstorbenen besser.

Den nachlass zu managen unterliegt doch keiner Frist, oder?

Richtig es gibt keine Fristen, da man automatisch mit dem Tod des Erblassers erbt.

Erbschein ist doch nur wichtig, um an die Bankkonten zu gelangen.

Der Erbschein ist erforderlich, um das Grundbuch ändern zu können.

Was bedeutet es für mich,wenn das Haus z.b. von meiner Schwester mit einer hypothek beleiht wird?

Ist das Haus im Grundbuch geteilt, kann die Schwester nur ihren Teil mit einer Hypothek belasten. Ohne das die Schwester im Gundbuch steht, kann sie es überhaupt nicht mit einer Hypothek belasten. Im Falle eines Falles würde das Haus versteigert und der rechnerisch auf die Schwester entfallende Anteil würde zur Deckung der Hypothek verwendet. Wenn die Schwester Geld braucht, dann ist es aber ohnehin nicht sinnvoll, sie ins Grundbuch einzutragen. Hier wäre es besser, wenn die Schwester ihren Anteil gegen Zahlungsausgleich auf einen anderen Erben überträgt.

Welche Vor-und nachteile hat die Grundbucheintragung?

Der größte Nachteil einer frühen Grundbuchseintragung ist, das bei einer späteren Übertragung des Grundstücks Notarkosten und Grunderwerbssteuer anfällt. Man sollte sich also vorher einen groben Plan der Erbschaftsauseinandersetzung machen.

Was ist der beste Weg?

Ziel ist eine einvernehmliche Auseinandersetzung des Erbes. Heißt, das sich alle 3 Erben einig werden, wer was von der Erbschaft erhält.

Zunächstmal sollten sie sich zusammensetzen und überlegen wie die Auseinandersetzung erfolgen soll. Hierbei ist es hilfreich, sich eine Übersicht über das gesamte Erbe zu verschaffen. Wichtig wäre auch, ob die Mutter bereits einen Anteil am Haus hat. Oder ob ob der Erblasser der Alleinige Eigentümer war. Des weiteren sollte man sich zunächst über die Ziele der einzelnen Erben verständigen. Also z.B. ob ein ein Erbe das Haus nutzen will.

Wäre es gescheiter sich auszahlen zu lassen?

Sinnvoll ist es bei einen Haus oft, das dieses auf einen Erben übertragen wird und der Anteil der anderen wertmäßig ausgeglichen wird. Ein Ausgleich kann auch durch eine durch Grundschuld gesicherte Ratenzahlung erfolgen. Heißt, der der das Haus übernimmt muß das Geld nicht unbedinkt bar auf den Tisch legen. Die Teilung im Grundbuch hat den Vorteil, das man sich bei der Auseinandersetzung schnell einigen kann, verschiebt die Problematik aber nach hinten, da man sich bei jeder Modernisierung, Vermietung, Nutzung usw. wieder einigen muß.

Also erstmal grundsätzlich: wenn es keine Testament gibt und die Eltern auch keinen Ehevertrag hatten, erbt die Mutter 1/2 und die 2 Töchter jeweils 1/4 des Nachlasses. So ist grundsätzlich auch der Nachlass zu verteilen. Es spricht grundsätzlich auch nichts dagegen, die Verteilung anders zu regeln so lange sich die Erben einig sind.

Du stellst hier sehr viele Fragen. Zunächst einmmal grundsätzlich - der Erbschein wird nicht nur für die Bankkonten benötigt, sondern auch für das Grundbuchamt zwecks Umschreibung des Hauses. In die Erbmasse fällt alles an Wertgegenstände mit rein, also nicht nur Konten,Barvermögen, Haus usw. sondern auch (falls vorhanden) wertvolle Teppiche, Bilder, Schmuck und sogar der PKW des Verstorbenen. Für die Mutter sollte auf jeden Fall ein lebenslanges Wohnrecht ins Grundbuch eingetragen werden. Im übrigen wäre hier auch zu überlegen, ob das Haus nicht bereits zu Lebzeiten der Mutter auf die Kinder (bzw. Erben) überschrieben wird. Denn das ist einfacher als wenn Du jetzt dies im Erbfall regel mußt. (Du wirst dies selbst sehen, da Du jetzt ja den Erbfall hast) Hier holt Euch auch noch den Rat des Notars.

Dies nur mal grundsätzlich vorweg. Ich habe diese Sache bereits alles hinter mir, kann alsoo aus eigener Erfahrung sprechen. Solltest Du noch weitere spezielle Fragen haben, kannst ja ruhig nochmals nachfragen ....

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