Erbschaft durch Freundin?

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4 Antworten

Eine liebe Bekannte eröffnete mir letzte Woche dass sie mich als
Alleinerbin einsetzen will. Zuerst habe ich mich über ihr Vertrauen sehr
gefreut aber mittlerweile habe ich doch einige Bedenken.

Alleine der gute Wille zählt, und es ist auch korrekt, dass du dir darüber Gedanken machst. Das nur vorweg.

Sie und ihr verstorbener Mann hatten ein Testament beim Notar hinterlegt
in dem jeweils der überlebende Ehepartner erbt und wenn dieser auch
stirbt sollte der Bruder des Mannes erben.

Damit ist die Frage von vorneherein hinfällig. Ein Berliner Testament kann nach dem Ableben eines der beiden Ehepartner nicht mehr geändert werden. Es handelt sich rechtlich um einen Vertrag der beiden Eheleute über den Tod hinaus, und das war schon immer die große Schwäche dieser (nur in D existenten) Testamentsform.

Nachdem sie nun seitens der Familie einige Enttäuschungen erlebt hatte
möchte sie nun unbedingt mich als Erbin und beim Notar das Testament
ändern.

Das ist sehr nett, aber unmöglich. Sie kann nur zu Lebzeiten ihr eigenes Vermögen verschenken respektive verbrauchen, das bleibt ihr unbenommen.

Es besteht wohl die Möglichkeit dass die Kosten (Beerdigung,
Wohnungsauflösung, Entrumpelung, Erbschaftssteuer etc.) die Erbschaft
bei weitem übersteigen?

Stichworte Erbausschlagung respektive Nachlassinsolvenz..

Um das zu vervolllständigen:

Zitat:

"Die Ehegatten können die Wechselbezüglichkeit der getroffenen
Verfügungen im Testament ausschließen oder einschränken, etwa durch einen Änderungsvorbehalt für den Überlebenden von ihnen. Enthält das gemeinschaftliche Testament aber keine solche Einschränkung, ist die Wechselbezüglichkeit der Schlusserbeneinsetzung regelmäßig nach § 2270 Abs. 2 BGB zu bejahen, mit der Folge, dass der überlebende Ehegatte hieran nach dem Tod des erstversterbenden gebunden ist. "

Zitat Ende, Quelle:

http://www.iww.de/ee/archiv/berliner-testament-kann-der-ueberlebende-ehegatte-die-schlusserbfolge-aendern-f9428

Der Änderungsvorbehalt wird leider in den allermeisten Fällenn vergessen bzw. bewusst weggelassen. Somit ist die einmal getroffene Festlegung dauerhaft bindend, sobald einer der Eheleute verstirbt.

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Es handelt sich rechtlich um einen Vertrag der beiden Eheleute über den Tod hinaus, und das war schon immer die große Schwäche dieser (nur in D existenten) Testamentsform.

Im Gegenteil, das ist der Sinn und Zweck dieser Testamentsform.

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Sie und ihr verstorbener Mann hatten ein Testament beim Notar hinterlegt
in dem jeweils der überlebende Ehepartner erbt und wenn dieser auch
stirbt sollte der Bruder des Mannes erben.

Ein gemeinsames Testament kann nach den Tod eines Ehegatten vom überlebenden Ehegatten nicht mehr aufgehoben oder geändert werden. Neue Testament sind dementsprechend nachrrangig. Es kommt hierbei darauf an, was im Einzlenen im gemeinsamen Testament steht. Das gemeinsame Testament kann den Schlusserben ja explizit nachrangig festlegen.

Besteht auch die Möglichkeit dass sie die Erbschaft aufteilt? Also z.B.
Hund und Barvermögen an mich und wohnung und Goldschmuck an ihren
Neffen?

Jain. Zunächstmal müssen Erben bestimmt werden. Die Erben werden Rechtsnachfolger, übernehmen die vererblichen Rechte und Pflichten des Erblassers.

Eine Zuordnung einzelner Gegenstände ist im Rahmen von Vermächtnissen, Auflagen und Teilungsanordnungen möglich. Im Gegensatz zum Erbe erfolgen diese aber nicht automatisch, sondern sie ein Anspruch gegen den Erben bzw. ein Pflicht des Erben und aus den Erbe zu erfüllen.

Vermächtnisse und Auflagen sind dabei grundsätzlich auf den Wert des Erbes nach Abzug der anderen Verbindlichekeiten beschränkt.

Die Eheleute hatten notariell ein Berliner Testament erstellt und unterzeichnet und hierin den Brudes des verstorbenen Ehemannes als Schlußerben benannt. Dies wird sie sehr wahrscheinlich gar nicht mehr ändern können.

Sprich mit ihr über Deine Bedenken. Und ja, sie kann die Erbschaft im Testament aufteilen lassen

Also wenn lt. den Vorpostern das jetzige Testament binden ist wie funktioniert dann die Aufteilung?

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@Tessa1

Entweder durch Öffnungsklauses im gemeinsamen Testament oder durch die Mitwirkung des Schlusserben ( Ausschlagung oder notarieller Verzicht).

Bezüglich des Barvermögens wäre eine postmortale Bankvollmacht sinnvoll, das erleichtert die Bezahlung der Beerdigungskosten.

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Sie kann ja zu Lebzeiten ihr Testament ändern oder auch völlig neu verfassen ;)

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Kannst du auch argumentieren ? Oder bist Du nur ein nickender bzw kopfschüttelnder Wackeldackel ???

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Wenn die Freundin das Testament schon geändert hat, eben weil der Gatte schon verstorben ist, hat, wenn überhaupt, der Notar einen Fehler gemacht. Das aktuelle Testament, in dem die Fragestellerin als Alleinerbin eingesetzt ist, ist solange änderbar, solange die Dame, die das Testament verfasst hat, im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte ist.
Und es wurde nicht gesagt, dass das vorherige Testament mit dem Gatten, ein gemeinschaftliches Testament war oder ob beide je ein seperates zu Gunsten des anderen verfasst haben.

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@Wiesel1978

Wenn die Freundin das Testament schon geändert hat, eben weil der Gatte schon verstorben ist, hat, wenn überhaupt, der Notar einen Fehler gemacht.

Unmöglich, wenn das gültige gemeinsame Testament bereits beim Notar hinterlegt war. Und genau das war die Aussage.

Das aktuelle Testament, in dem die Fragestellerin als
Alleinerbin eingesetzt ist,

Das gibt es doch noch gar nicht. Der OP schreibt doch:

Nachdem sie nun seitens der Familie einige Enttäuschungen erlebt hatte möchte sie nun unbedingt mich als Erbin und beim Notar das Testament ändern.

Die Dame (==Erblasserin) *möchte* also gerne das bestehende Testament ändern. Verständlich, aber nicht möglich.

ist solange änderbar, solange die Dame, die
das Testament verfasst hat, im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte ist.

Das wäre, zwar nicht im Kontext, jedoch dem Grundsatz nach, korrekt, ginge es eben nicht um ein Berliner Testament.

Und es wurde nicht gesagt, dass das vorherige Testament mit dem Gatten, ein gemeinschaftliches Testament war oder ob beide je ein seperates zu Gunsten des anderen verfasst haben

Dann lies das nochmal genauer:

"Sie und ihr verstorbener Mann hatten ein Testament beim Notar hinterlegt in dem jeweils der überlebende Ehepartner erbt und wenn dieser auch stirbt sollte der Bruder des Mannes erben."

Wenn die beiden Eheleute *ein* gemeinsames Testament hinterlegt haben, in dem sie sich zuerst und dann einen Dritten als Nacherben begünstigt haben, dann ist das genau der besagte Fall des Berliner Testaments. Und das ist unwiderruflich, sofern im Text keine Änderungsoption eingefügt wurde. Q.e.d.

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