Erbrecht: Tipps zum Erbschein

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Fragen: 1. Erbschein beantragen – schließt nicht aus, dass man danach innerhalb der 6 Wochen ab Kenntnis das Erbe ausschlagen kann???

Der Erbschein kann nur beantragt werden, wenn das Erbe angenommen wurde. Er weist schließlich die Erben aus.

Müssen oder können Sparkassen einen Erbschein verlangen, um gegenüber den einzig in Frage kommenden Erben (Was man auch ohne Erbschein durch das Fam-Stammbuch nachweisen kann) Auskunft über Konten und Kredite zu geben? Es geht nicht um ZUgriff sondern nur um die Auskunft. Man muss ja wohl vorher wissen dürfen, ob man Schulden erbt, um das Erbe innerhalb der 6 Wochen Frist ab Kenntnis auszuschlagen.

Aus rechtlicher Sicht halte ich das Verhalten der Bank für unproblematisch.

Mit 2 zusammenhängend: Der Erbschein - ich habe gerade auf einer Seite http://www.ruby-erbrecht.de/ habe ich eine Aussage gefunden, die nie stimmen kann: Dort wird gesagt: Der Erbschein wird frühesten 6 Wochen nach Erbfall ausgestellt: Das muss ein Fehler sein!!!??? Man braucht ihn doch so schnell wie mglich.... Wie schnell erstellt das NAchlassgericht üblicherweise einen Erbschein, wenn alle Urkunden vorhanden sind?

Die Aussage der Seite ist falsch oder du hast die Aussage nur falsch verstanden, was ich vermute, da die Seite einen professionellen Eindruck auf mich macht. 6 Wochen läuft zwar die Ausschlagungsfrist, allerdings kann das Erbe auch schon zuvor durch ausdrückliche Erklärung oder konkludentes Verhalten angenommen werden.

Kann man den Erbschein auch schriftlich beim Nachlassgericht mit amtlich beglaubigten Kopien der Urkunden einreichen, oder muss man persönlich vorsprechen? Letzeres ist schwer, weil Reise von der nördlichsten zur südlichsten Ecke Deutschlands und das mindestens 2x: das 1. mal zur BEantragung des Erbscheins, das 2. und 3. mal zum Regeln der Dinge, die erst mit Erbschein gehen.......

Man kann den Antrag schriftlich einreichen. Das wickelt man am besten aber über einen Notar ab, weil eine eidesstattliche Versicherung abgegeben werden muss, was nur vor einem Notar oder vor dem Gericht möglich ist.

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Vielen Dank! Sehr gut strukturiert geantwortet!

Ich habe mich da wirklich nicht getäuscht oder missinterpretiert: auf einem Chart der Anwaltsseite stand fast wörtlich: "Erbschein...... erst frühestens 6 Wochen...... " Ich find den Web-chart aber jetzt selbst nicht mehr - egal, danke das stimmt nicht!

ISt natürlich erstmal verstörend, mit Beantragung des Erbscheins das Erbe anzutreten aber nicht zu wissen, ob Schulden oder Guthaben..... Aber Du sagst ja: MAn kann es später anfechten, wenn Überschuldung - da gibbs keine Fristen - die ähnlich knapp sind (Wochen)?

Danke und Lob!

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@findesciecle

Noch einmal: Einen Erbschein kann man nur beantragen, wenn man Erbe bleiben möchte. Deshalb die 6 Wochen Frist wegen der gleichlangen möglichen Ausschlagungsfrist: Es wäre zu mühsam, die erteilten Erbscheine wieder einzuziehen und für ungültig zu erklären und sogar Regress der tatsächlichen Erben auslösen, wenn die Banken Konten des Erblassers im Vertrauen auf vorgelegte Erbscheine löschen und auszahlen, deren Inhaber dann Erbausschlagung erklären usw.

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Bei Antragstellung muss bestätigt werden, dass alle Erben die Erbschaft angenommen haben. Nach der Annahme ist eine Ausschlagung nicht mehr möglich. Ist der Nachlass dann überschuldet, hilft in den meisten Fällen nur eine Nachlassinsolvenz, um die persönliche Haftung zu vermeiden.

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@Ronox

Wieder vielen Dank Ronox!

Ich habe noch 2 Zusatzfragen (Ich möchte deine Zeit nicht überstrapazieren, aber ich frage mal:)

Mein Vater und sein Bruder sind die gesetzlichen Erben - mein Onkel sagt: "ich bin im Ausland - macht ihr das... Ich komme erst zur Trauerfeier". Kann mein Vater einen gemeinsamen Erbschein der verbliebenen GEschwister=Brüder=Erben) mit den Urkunden beantragen? (Allerdings fehlte die Geburtsurkunde des Bruders - solange er nicht aus dem Ausland zurück ist, das Stammbuch ist aber da) Geht es, wenn der Bruder eine Vollmacht postalisch schickt? Wie gesagt, will deine Zeit nicht überstrapazieren und das ist ja eher VErwaltungsrecht statt Erbrecht.... Lieben Dank!

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Das Problem ist, dass die eidesstattliche Versicherung nur persönlich abgegeben werden kann. Im Ausland wäre das z.B. bei der deutschen Botschaft möglich. Das ist aber alles mit einem hohen Aufwand verbunden. Da der Onkel aber demnächst wieder in Deutschland ist, sollte er zu diesem Zeitpunkt zusammen mit deinem Vater den Antrag stellen.

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Wenn kein notariell beglaubigtes Testament vorliegt, dann benötigt man zum Nachweis der Erbberechtigung einen Erbschein, der beim Nachlassgericht beantragt werden muss.

Das Recht auf Erbausschlagung ist davon nicht betroffen. Dieses kann innerhalb der 6 Wochen durch Erklärung vor dem Nachlassgericht jederzeit wahrgenommen werden. Nur wenn Werte in Besitzt genommen werden, dann wird von einem stillschweigenden Verzicht auf die Erbausschlagung ausgegangen. Ausgaben aus der Erbmasse zum bezahlen von Rechnungen der Verstorbenen, wie z.B. Beerdigungskosten, sind keine stillschweigende Erbannahme.

Der Erbschein wird nur auf Antrag und sofort, wenn die Nachweise vollständig sind, vom Gericht ausgestellt.

Die Urkunden kannst du in einem Amtsgericht deines Wohnortes vorlegen.

Die Frist zur Erbausschlagung beginnt mit der Berufung als Erbe durch das Nachlassgericht, nicht durch den Zeitpunkt des Todesfall. § 1944 Abs. 2 BGB. Wird ein Erbschein beantragt, dann beginnt die Frist mit der Ausstellung des Erschein. Die Frist beträgt 6 Wochen bei Wohnsitz im Inland und 6 Monate bei Wohnsitz im Ausland.

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ok danke - das ist ein neuer Aspekt: Der Erbschein tangiert die Möglichkeit des AUsschlagens des Erbes nicht.

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@findesciecle

Die anderen sagen, und ich las es jetzt nochmal: Die BEantragung des Erbscheines bedeutet: Annehmen des Erbes!

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Wenn man einen Erbschein beantragt, dann nimmt man das Erbe an und kann es nicht mehr ausschlagen.

Zu 1.)

Die Bank kann muß aber nicht verlangen, das man sich als Erbe ausweist. Sinnvoll ist es aber zunächstmal die Unterlagen des Verstrobenen durchzusehen, ob man nicht die Kontoauszüge oder andere Dokumente findet. Beachten Sie, das ggf. die Wohnung des Verstrobenen gekündigt ( und geäumt) werden muß, sonst läuft der Mietvertrag weiter.

Zu 2.)

Die Dauer der Erteilung ist höchst unterschiedlich. Neben den Unterlagen kommt es natürlich darauf an, ob die Erbschaft strittig ist und ob andere sich äußern müssen.

Zu 3.)

Wenden sie sich an das Nachlassgericht an Ihrem Wohnort, oder an einen Notar. Schneller in Bezug auf die 2. Frage ist natürlich das Nachlassgericht am Wohnort des Verstrobenen, da dieses zuständig ist.

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