Erbrecht - wie bekomme ich meinen Pflichtanteill?

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6 Antworten

Richtigerweise bist du durch die gemeinsame Verfügung deiner Mutter von der gesetzlichen Erbfolge ihrers Reinnachlasses, also dem, was nach Abzug ihrer (auch gemeinsamen) Schulden und Bestattungskosten von ihrem (!) Vermögen verbliebe, ausgeschlossen und kannst lediglich gegen den als Alleinerben eingesetzten Witwer deinen Pflichtteilsanspruch in Geld zu deinem halben gesetzlichen Erbrecht beanspruchen.

Ob das gemeinsame Haus ihr (mit) gehörte, welche Nachlassgegenstände mit welchem Wert ihre waren, zu denen der Hausrat einschl. Familienauto als sog. Voraus des Ehegatten aber nicht zählt und wie hoch ihr Bankvermögen war, drüber kannst du n. § 2314 BGB Auskunft vom Stiefvater beanspruchen.

Ob nach diesem bewerteten Nachlassverzeichnis überhaupt ein werthaltiger, nennenswerter Nachlass bestünde und damit ein davon auskehrbares Pflichtteil von 12,5% den Aufwand lohnt, musst du schon selbst herausfinden.

Nach meiner Erfahrung sind Testierende sehr erfinderisch, einen bekannten Pflichtteilsanspruch schon lebzeitig gegen Null zu setzen, wenn man sich lebzeitig nicht um sie kümmert und die Erben sehr kreativ, alles das nicht anzugeben oder als Schenkung zu behaupten, was man Ihnen nicht anders nachweisen kann. Eine notarielle Mitwirkung bei der Aufstellung oder eine eidestattliche Versicherung über Vollständigkeit und Richtigkeit der gemachten Angaben nützt da herzlich wenig :-(

Seine Anschrift erfährt man entweder beim Nachlassgericht am Amtsgericht, dass für den Sterbeort deiner Mutter zuständig wäre und das Testament eröffnete, wenn man sich dort mit Ausweis und Geburtsurkunde als gesetzl. Erbe der Verstorbenen  legitimiert oder für schmales Geld beim zuständigen Einwohnermeldeamt, wo der Ehegatte zuletzt gemeldet sein dürfte. Auch Grundbuchämter sind bei berechtigtem Interesse zu diesen Eigentümer-Angaben auskunftsverpflichtet.

Taucht er ohne Meldeanschriftänderung ab, kannst du deine Ansprüche, die zwingend innerhalb von 3 Jahren geltend gemacht werden müssen, nur durch förmliche Zustellungsurkunde eines Gerichtsvollziehers wahren.

G imager761

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Da du durch das Testament enterbt wurdest (durch Einsetzung des Ehegatten als Alleinerben), hast du gegen den Erben einen Geldanspruch in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Nach der gesetzlichen Erbfolge wärst du Erbe zu 1/4, weswegen dir 1/8 des Nachlasses in Geld zusteht. Den Pflichtteil kannst du gegen den Erben geltend machen und im Falle der Nichtzahlung auch einklagen. Du solltest aber erst einmal den genauen Inhalt des Testaments in Erfahrung bringen.

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ich hoffe Ihr könnt mir weiterhelfen...

Du musst ihn auffordern, ein Nachlassverzeichnis zu errichten und die Richtigkeit dieses Verzeichnisses an Eides statt zu versichern.

Deine Rechte ergeben sich i.a. aus § 2314 BGB:

(1) Ist der Pflichtteilsberechtigte nicht Erbe, so hat ihm der Erbe auf Verlangen über den Bestand des Nachlasses Auskunft zu erteilen. Der Pflichtteilsberechtigte kann verlangen, dass er bei der Aufnahme des ihm nach § 260 vorzulegenden Verzeichnisses der Nachlassgegenstände zugezogen und dass der Wert der Nachlassgegenstände ermittelt wird. Er kann auch verlangen, dass das Verzeichnis durch die zuständige Behörde oder durch einen zuständigen Beamten oder Notar aufgenommen wird.

(2) Die Kosten fallen dem Nachlass zur Last.

Zugleich forderst Du ihn auf, den sich daraus ergebenden Pflichtteil (Hälfte des gesetzlichen Erbteils) an Dich zu zahlen.

Tust Du dies nicht, dann verjährt Dein Anspruch, er wäre nicht mehr durchsetzbar, wenn der Erbe die Einrede der Verjährung erhebt.

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Kommentar von ADMINlSTRATOR
17.09.2015, 15:10

aber wie finde ich denn heraus wo er jetzt wohnt? wie gesagt, das Haus steht bereits leer und hängt im schaufenster eines immobilienmaklers zum Verkauf aus (Makler gibt keine Auskünfte).

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Kommentar von imager761
17.09.2015, 19:06

Du musst ihn auffordern, ein Nachlassverzeichnis zu errichten und die Richtigkeit dieses Verzeichnisses an Eides statt zu versichern.

Nein: Zu letzterem wäre der Auskunfstverpflichtete tatsächlich nur dann verpflichtbar, wenn "Grund zu der Annahme, dass die (...) Angaben (...) nicht mit der erforderlichen Sorgfalt gemacht worden sind" bestünde. Rechtsgrund: § 260 I BGB.

Der Pflichtteilsberechtigte kann die eidesstattliche Versicherung gerade nicht von Anfang an verlangen, sondern dann, wenn es Anzeichen gibt, dass das Nachlassverzeichnis bisher unvollständig oder unwahr wäre.

Etwa nachträglich noch Werte auftauchen, die der Erbe auch unschwer gleich hätte „finden“ können, der Pflichtteilsberechtigte glaubhaft sicher weiß, dass es noch  im Verzeichnis unbenannte Nachlassgegenstände gäbe oder bestimmte Gegenstände mehr Wert sind als veranschlagt, indem etwa Händlereinkaufswerte denn Handelspreise bei online-Autionen angeben wurden.

G imager761

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Wende dich an das Nachlaßgericht. Das Haus kann auch nicht so ohne weiteres auf den Mann überschrieben werden. Dazu müsste der Ehepartner vor Gericht unterschreiben, dass es keine leiblichen Kinder der Frau gibt. 

Es ist aber sicher auch nicht geklärt, wie viel Geld deine Mutter mit in die Ehe/Haus gebracht hat. Ggf. sind noch Kredite auf dem Haus. Die müssen vorher verrechnet werden. 

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@ ADMINISTRATOR

Hier darf man dir keine Rechtsauskünfte geben.

Du wirst um einen anwaltlichen Rat nicht herumkommen. Den kannst du evtl. mit Raten bezahlen, einfach fragen.

Hier kennt keiner das Testament und normalerweise werden die Erben benachrichtigt.

Du hast doch die Aussage bekommen: ihr bekommt eueren Pflichtanteil und das wars!! Also werdet ihr nicht leer ausgehen.

Ein Anwalt kann dir sagen, ob da irgendwelche Fristen zu beachten sind, falls man das Pflichtteil bekommt.

Auch wenn es dir schlecht geht finanziell, finde ich es persönlich etwas merkwürdig, gleich nach der Beerdigung danach zu fragen.

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Kommentar von Ronox
17.09.2015, 13:02

Wann denn sonst, wenn er keinen Kontakt zu dem Mann hat?

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Kommentar von jurafragen
17.09.2015, 13:06

Hier kennt keiner das Testament und normalerweise werden die Erben benachrichtigt.

Der Fragesteller ist aber nicht Erbe ...

Du hast doch die Aussage bekommen: ihr bekommt eueren Pflichtanteil und das wars!! Also werdet ihr nicht leer ausgehen.

Das Problem ist nur, dass das Geld ja nun offensichtlich nicht gekommen ist. Und der Anspruch verjährt eben auch irgendwann.

Ein Anwalt kann dir sagen, ob da irgendwelche Fristen zu beachten sind, falls man das Pflichtteil bekommt.

Es sind eher welche zu beachten, wenn man den Pflichtteil nicht bekommt. Die kann man auch im Gesetz nachlesen, da braucht man also nicht unbedingt einen Anwalt für, der einem das Gesetz vorliest.

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