Erbrecht - Pflichtteil ablehnen

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2 Antworten

Also, erst einmal zur Begriffsklärung: als leibliches Kind wärst du derzeit - neben der Ehefrau - hälftiger Erbe des Nachlasses deines Vaters. Den kann er durch Testament ausschließen, dich damit auf den Pflichtteil (halbes Erbteil, also 25% seines Reinnachlasses) beschränken. Diesen Pflichtteilsanspruch kannst du gegen die gesetzlichen (Ehefrau) oder verfügten Erben (Frau und deren Kind) schriftlich fordern und ggf. auch gerichtlich durchsetzten.

Diesen Pflichtteilsanspruch kann er durch lebzeitige Schenkungen natürlich verringern: nach 10 Jahren fielen sie nicht mehr in seinen Nachlass, aus dem allein du Ansprüche hättest; innerhalb dieser Frist mit degressivem Übertragungswert, also jedes Jahr 10% weniger.

Nachteil: klappt es mit der neuen Famiie auch nicht, ist sein halbes Haus und die Frau weg :-O

Also will er lieber sein Hauswert halten und verlangt lieber, dass du auf einen möglichen Pflichtteilsanspruch gegen seine neue Familie verzichtest, soweit bestimmt erst einmal seine Sicht verständlich.

Da du allerdings diesen gesetzlichen Mindestanspruch hast, kannst du dem zwar zustimmen, aber nur gegen Abfindung.

Unterstellt, er besäße derzeit 100.000 (Hausanteil) plus X eigenes Vermögen, wäre dein Pflichtteil 25.000 EUR bzw. 12.500 EUR, wenn der Stiefbruder adoptiert würde.

Rechne mal mit 7% Kaufkraftverlust in 10 Jahren, bedenke, dass er bei überzogener Forderung trotzig alles verschenken kann, wäre deine VHB günstigstenfalls 20.000 EUR. Und man könnte hier, durch Renovierung eher nicht flüssig, auch monatliche Ratenzahlung (50 x 400 EUR) vereinbaren.

Das ganze wäre zwingend notariell zu erledigen (Erbverzichtserklärung).

Mein Rat: suche ein vertrauensvolles, ruhiges Gespräch mit ihm allein. Zeige Verständnis für seine Überlegungen und die Forderungen seiner Frau, weise aber auf deinen unabdingbaren Rechtsanspruch und die möglichen Folgen (Hausverkauf) hin (das stimmt zwar nicht zwangsläufig, weil dein Ansprcuh 10 Jahre lang ausgesetzt werden kann, wenn sie dort wohnen bleiben und verkaufen müssten, aber ist ja ein Argument). Erkläre ihm die Folgen einer Schenkung, wenn die Ehe in die Brüche geht und komme dann mit deinem Angebot. Mit Ratenzahlung und Kostenübernahme des Erbverzichtsvertrages könnte es klappen :-)

Viel Erfolg

G imager761

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Es wurde bereits angedeutet, dass sollte ich nicht einwilligen, das Haus welches zu gleichen Teilen Ihr und meinem Vater gehört (inkl Schulden) notariell an Ihren Sohn zu einem günstigen Preis verkauft oder wie auch immer übertragen wird um meinen Pflichtteil zu umgehen.

Diese "Umgehen" funktiniert nicht, es handelt sich bei einen zu günstigen Preis dann um eine gemischte Schenkung, d.h. es wird zwischen den Schenkungsteil und dem Kaufteil unterschieden. Er könnte das Haus also auch gleich verschenken. Für den Schenkungsanteil gilt dann, das er beim Pflichtteil berücksichtig wird. Der zu berücksichtigende Wert wird dabei pro vollem Jahr um 10% reduziert. Nach 10 Jahren spielt er beim Pflichtteil dann keine Rolle mehr.

So eine Schenkung ist für ihren Vater extrem nachteilig. Im Falle einer Scheidung würde das Haus dann dem Sohn gehören.

Mein Vater befindet sich wohl in einer Zwickmühle, kann/oder will sich jedoch wohl aus mir unbekannten Gründen nicht gegen seine jetzige Frau durchsetzen.

Sie sollten ihren Vater auffordern sich von einen unabhänigen Anwalt beraten zu lassen. ggf geben sie ihm halt die 250€ für die Erstberatung.

Seine Ehefrau hat hier finanziell stark mitgewirkt, Ihr Sohn hat sich umfangreich an Renovierungsarbeiten beteiligt.

Das war ein Fehler zu ihren Gunsten. Hier sollten sie der Gegenpartei aber insoweit entgegenkommen, das man das neutralisiert. D.h. das man es so regelt, das die von der Frau und den Sohn geschaffenen Werte nicht mitzählen.

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