Epoche "Expressionismus"

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Expressionismus heißt so viel wie „Ausdruckskunst“. Gemeint sind Dichtungen, denen es um den leidenschaftlichen Ausdruck innerlich gesehener Wahrheiten und Erlebnisse geht. Da diese Wahrheiten umstürzlicher Natur sind, werden sie in entsprechend übersteigerter, die gewohnten Formen oft durchbrechender und veränderter Sprache vorgetragen. Diese Wahrheiten sind die von den Dichtern mit Empörung zur Kenntnis genommene Saturiertheit und Spießigkeit des Wilhelminischen Zeitalters. Hurrapatriotismus und Materialismus, religiöse Verflachung, künstlerisches Epigonentum und genießerisches Ästhetentum sowie nationale Überheblichkeit (statt Wahrheit, Tiefe und Innerlichkeit, die bisher die deutsche Kultur geprägt habe) hätten das geistige Leben in Deutschland verdorben. Gegen diese ungeistigen Entwicklungen (Nietzsche: „1871 bedeutet die Extirpation des deutschen Geistes zugunsten des deutschen Reiches“) begehrt der Expressionismus auf, ja er läuft dagegen in leidenschaftlichem, übersteigertem, die äußeren Formen verändertem Gefühlsausdruck Sturm. Die besten Leistungen hat der deutsche Expressionismus in der Lyrik vollbracht. Hier sind zu nennen: Georg Heym, Georg Trakl, Gottfried Benn. Georg Heym weiß in seinen Gedichten um die Dämonie der Städte („Der Gott deer Stadt“ und um die Furchtbarkeit zerstörerischer Gewalt („Der Krieg“) Hinter den äußeren Formen, die gesprengt werden, suchen die Dichter die Wahrheit, die sie als furchtbar wahrnehmen und entsprechend mit starker, übersteigerter Metaphorik „ausdrücken“. So Trakl in „Grodek („Alle Straßen münden in schwarze Verwesung...“). In „De Profundis“ heißt es: „Auf meine Stirne tritt kaltes Metall, Spinnen suchen mein Herz. Es ist ein Licht, das in meinem Mund erlöscht.“ G.Benn zeigt in drastischen Bildern aus Sektionssaal und Leichenschauhaus („Mann und Frauen gehen durch die Krebsbaracke“) „Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch“). Andere Expressionisten sind weniger bedeutend, eventuell noch Alfred Döblin, der hinter dem Zerrbild des Menschlichen das reine Antlitz des Menschen, den Geist der Liebe sucht (in seinem Roman "Berlin Alexanderplatz")

Eine Ergänzung: in Zeile 4 muss es heißen: ...die gewohnten Formen der Wirklichkeit oft durchbrechender und verändernder Sprache...

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Eine Ergänzung: in Zeile 4 muss es heißen: ...die gewohnten Formen der Wirklichkeit oft durchbrechender und verändernder Sprache...

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