Enttäuschungen auflösen, aber wie?

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Wenn jemand, dem ich Wohltaten erwiesen habe und in den ich große Hoffnungen setzte, mir schrecklichen Schaden zufügt, werde ich ihn als meinen heiligen, spirituellen Freund ansehen. Dalai Lama

Wenn dir das zu spirituell ist, kannst du ihn auch als Lehrer fürs Leben betrachten. Schau dir mal all die Enttäuschungen an, die du bisher in deinem Leben ertragen hast, und schau, was vllt auch gut an ihnen war. Wenn du dich auf etwas freust und es tritt nicht ein, dann hast du dich wenigstens gefreut. Wenn du jemand liebst und er ver*rscht dich, dann hast du wenigstens geliebt. Wenn du mit wilder Begeisterung ins Leben stürzt und dich dabei verletzt, dann kann dir trotzdem niemand diese Begeisterung und dieses Gefühl des Lebendigseins nehmen, das du all jenen Menschen voraushast, die sich aus Angst vor Enttäuschungen lieber ins Schneckenhaus zurückziehen. Gerade die Gefahr, enttäuscht zu werden, gibt unserem Leben doch erst eine besondere Bedeutung- wenn alles immer abgesichert wäre, es keine Risiken gäbe, alles letztlich immer so käme, wie wir es uns wünschen würden, wäre das ein Leben, das wir uns wünschen würden? Wenn es keine Risiken gäbe, könnten wir nie wieder mutig sein. Wenn wir immer das bekämen, was wir uns wünschen, gäbe es nichts, um das es sich zu Kämpfen lohnt. Wenn alles immer perfekt wäre, dann gäbe es nicht mehr diese ganz besonderen Momente, z.B. mit einem Freund oder sogar mit jemandem, in den wir verliebt sind, einfach nur irgendwo dazusitzen und miteinanderzuschweigen, die das Leben so lebenswert machen. Genauso wie die Vergänglichkeit des Lebens, das Wissen um unseren Tod, erst dazuführt, dass wir unser Leben ausschöpfen wollen, genauso ist es das Risiko der Enttäuschung, dass uns die Liebe und die Freundschaft so wertvoll und so wichtig macht. Und haben deine Enttäuschungen dich nicht auch vorangebracht? Du hast so viele Enttäuschungen überstanden und trotzdem bist du daran nicht zerbrochen oder verbittert- du stehst hier und sagst, dass du dich immer noch nach Liebe und Vertrauen sehnst. Was für ein unglaublich starker Mensch du bist! Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, dass du kein Opfer, sonder eine Überlebende bist? Eine, die mutig genug ist, immer wieder aufzustehen und weiterzugehen? Eine Kämpferin, deren zahlreiche Narben von ihrer Stärke und ihrem Mut und ihrer ungebrochenen Sehnsucht erzählen? Die Enttäuschungen sind vergangen, aber du bist immer noch hier und gehst deinen Weg und wirst damit sicherlich auch immer irgendwo ankommen- vllt nur kurze Zeit, aber dann weißt du eben auch, dass du noch nicht auf der Bergspitze angekommen bist und dass dein Weg dich noch weiterführt... und aus der Erfahrung weißt du ja bereits, dass du genug Kraft hast, um weiterzugehen. Solange, bis du dann irgendwann wirklich angekommen bist.

Jeder hat sein Leben selbst in der Hand. Es aus Furcht oder Schwäche immer wieder in die Hände anderer zu legen, ist weder mutig noch fair. Stärker wird, wer sich den Schwierigkeiten des Lebens, erhobenen Kopfes stellt. Aus den überstandenen Schlachten, wächst das Selbstvertrauen und es kann möglich werden, sich selbst zu mögen. Tamara Kolb

Danke. Und das meine ich genauso wie ich es schreibe, als Dank!

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Jetzt komme ich nochmal dazu etwas mehr zu Deiner Antwort zu schreiben. Ich war länger unterwegs und habe nocheinmal über das Thema nachgedacht, bevor ich Deine Antwort las...schon da wurde mir klar, dass wir überall im Leben Erwartungen haben. Im Grunde fängt es morgens an: wir erwarten dass die Sonne aufgeht. Wir erwarten dass uns der Tag keinen Kummer bringt. Wir erwarten dass uns das Frühstück schmeckt usw. Natürlich kann man diese Erwartungen auch ab und zu mal hinterfragen, so wie ich es nun getan habe und das ist sicher auch gut und richtig so. Nichts desto trotz ist es irgendwann so dass man sich nur noch im Kreise dreht und das ist auch nicht sinnvoll. Ich habe schon öfter gemerkt, dass ich mich irgendwann selbst so unter Druck setze dass sich erstrecht nichts verändern kann, ganz einfach, weil in dieser Enge gar kein Platz mehr für Veränderungen bleibt. Und erwarte ich nicht da WIEDER etwas? Wenn auch nur von mir selbst? Auch ich selbst kann mich nämlich enttäuschen. ...Und dann frage ich mich woher kommt eigentlich dieser Begriff: Enttäuschung? Joergbauer (einer, der Antwortenden) hat es ja schon ganz richtig erklärt es wird einem die Täuschung genommen oder vielmehr hat sie sich aufgelöst. Die Frage bleibt nun noch woraus diese Erwartungen entstehen? Dazu hat froschkuh2(eine(r), der Antwortenden) geschrieben dass man sich an Vergangenem orientiert, also erwartet das Vergangenes wieder genauso (oder ähnlich) eintrifft. Da ist etwas Wahres dran. Aber ich denke, dass wir uns auch an etwas orientieren MÜSSEN um zu leben. Vermutlich ist es das Mittelmaß was es zu finden gilt, dieses Ausbalancieren ist das was das schwierigste im Leben ist. Wir kippeln und versuchen uns irgendwie zu halten und sind dankbar für jede Hand die uns Halt gibt. Du hast mir Deine Hand und den Halt heute gegeben, dafür danke ich Dir. Die Balance gilt es nun wieder alleine zu halten. Es ist merkwürdig, in Deiner Antwort habe ich mich selbst wiedergefunden. Hätte jemand Anderer meine Frage gestellt hätte ich viele von Deinen Sätzen wahrscheinlich sehr ähnlich formuliert. Antwort für sich selbst zu finden ist viel schwerer, obwohl ich eigentlich das Gefühl habe, dass ich mich ganz gut selbst reflektieren kann, aber irgendwo hört es dann eben doch auf und wir brauchen den besagten Spiegel. Danke fürs hinhalten;-)

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Enttäuschungen gehören zum Leben dazu und im Grunde ist das im Sinne des Wortes etwas positives. Wenn man von einer Täuschung befreit wird, ist das eben eine Ent-Täuschung. Hast du es schon mal so gesehen? Sicherlich kann man solche Enttäuschungen durch eigenes Fehlverhalten auch provozieren indem man (wie du schriebst) zu hohe Erwartungen hat oder den anderen auch einfach überfordert. Um die Dinge so wahrzunehmen wie sie sind, muss man Erfahrungen machen und die Dinge auch aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Dazu verhilft einem auch der Austausch und der Dialog mit anderen. Letztlich liegt es an dir selbst aus deinen Erfahrungen das herauszulesen und zu definieren, was dir hilft erwachsener zu werden und dich als Mensch prägt. Wenn du den Eindruck hast oft enttäuscht zu sein, dann könnte es wirklich an deinen unrealistischen Vorstellungen liegen. Andererseits kannst du auch versuchen deinen Gegenüber zu motivieren sein Bestes zu geben (so wie du selbst) damit ihr euch beide gut fühlt. Weniger kann auch mal mehr sein. Manchmal hilft es aber auch, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Alles Gute und Gottes Segen!

Danke...und vielen Dank für Deine lange Antwort!

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Für alles was einem passiert ist man selber verantwortlich... Psychotherapie. Unter Betroffenen kann man sich nur hineinsteigern.

Ich möchte dem noch etwas hinzufügen, weil es so missverständlich klingt: Wir sind nicht Schuld daran, dass unser Leben so ist, wie es ist, aber wir sind verantwortlich dafür, es so zu ändern, wie wir es uns wünschen.

Ich gebe mal ein Beispiel: Jemand fährt mit einem großen Wagen voll Mist an deinem Garten vorbei. Der Wagen holpert über einen Stein und der Mist auf der Ladefläche fällt in deinen Garten. Da niemand hingesehen hat, macht sich der Wagenbesitzer schnell aus dem Staub. Du kommst nach Hause und da liegt Mist in deinem Garten, aber niemand fühlt sich zuständig. Du bist natürlich nicht Schuld daran, dass der Mist in deinem Garten liegt. Aber wenn du ihn einfach da liegen lässt und dich selbst bemitleidest, dann wird der Mist dort liegen bleiben und dein Garten, dein Haus und schließlich du werdet anfangen zu stinken. Wenn du aber sagst "ich bin zwar nicht Schuld daran, aber es ist mein Leben und wenn ich glücklich werden will, dann muss ich es selbst in die Hand nehmen", dann kannst du den Mist als Blumendünger verwenden oder aber zum nächsten Komposthaufen bringen- wenn du Hilfe brauchst, kannst du Freunde, Nachbarn und Profis darum bitten, aber die Initiative muss von dir ausgehen, denn niemand anderes wird sich darum kümmern, dein Leben auf die Reihe zu bringen- das ist nun mal die Aufgabe jedes Einzelnen.

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Danke für Deine Antwort!

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