Entstehung der Sprache?/Herder

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1 Antwort

HI. Also Herder hat gewissermaßen die Sprache und die Vielfalt der Sprache durch die "Besonnenheit" des Menschen definiert. Also da kommt ein Urmensch daher und sieht irgendwas. Seine Intelligenz verrät ihm, dass er das schonmal gesehen hat. Dann untersucht er den Gegenstand und stellt fest: Er ist kalt und spitz. Dann denkt er sich beim nächsten mal: "Oh das kalte, spitze".. So oder so ähnlich meint das Herder.

Das ist allerdings ziemlich problematisch. Denn es gibt sehr interessante sprachphilosophische Ansätze, die besagen, dass Sprache nunmal eben nicht unsere Gedanken repräsentiert. Es ist auch fraglich, warum die Worte in verschiedenen Regionen für ein und dasselbe Ding unterschiedlich sind. Die müssten ja alle gleich sein. Es gibt die Theorie von Sapir und Whorf, die besagt, dass unsere Gedanken in Worte sortiert sind. Aber dem ist leider nicht so. Das belegen gute fundierte Studien im Rahmen der Kognitionswissenschaft und der Kommunikation.

Sprache ist deswegen ein so schwierig zu beschreibendes Phänomen, weil es eben nicht eine singulare Sache ist. Sprechen ist eben nicht "Senden, Zuweisen, Empfangen" von Sprache, sondern ein Akt der Gemeinsamkeit- ein Resonanzphänomen. Humberto Maturana beschreibt Kommunikation und Sprache als Akt der Orientierung im Rahmen einer autopoietischen systematischen Ausrichtung. Daran halte ich mich auch. Gebhard Rusch beschreibt in seinem konstruktivsitischen Ansatz Kommunikation als Akt der Orientierung. Also keine Form von Senden und Empfangen, sondern von Annahme und Reorientierung von Kommunikatbasen.

In Deutsch: Wenn ich was sage, dann sage ich Dir was, in der Hoffnung, dass Du das verstehst (vgl. Recipient Design). Du verstehst mich, in der Hoffnung, dass Du das darunter verstehst, was ich gemeint habe. Aber DU hast möglicherweise ein ganz anderes Muster im Kopf, als ich eigentlich vorhatte. Du hast DIch meiner Äußerung bedient, warst aufmerksam (eine Grundvoraussetzung) und hast Dir soz. Deinen eigenen Teil gedacht. Erst der Dialog macht eine Verifikation der Übereinstimmung unser beider Muster im Kopf deutlich. Allerdings gelingt es mir, wie Peter Kruse das auch sehr schön sagte, niemals durch die Evaluation des Gesagten: Denn mir wird es niemals gelingen, die Muster in meinem oder in Deinem Kopf durch Sprache definieren zu können- niemals. Von daher ist Sprache und KOmmunikation nichts anderes als ein Vehikel zur Orientierung von Kommunikatbasen.

Das Problem ist also die enge Definition von Sprache- Keine singuläre Sache, sondern stets ein MIttel der Zwei- sprich Mehrsamkeit.

Gruß!

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