Emser Depesche Zusammenhang?

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Moin,

das deutsche Herrscherhaus der Hohenzollern hatte durchaus Ansprüche auf den spanischen Thron, in der Geschichte des HRRDN wurde dieser teils vom dt. Kaiser in Personalunion regiert, hat aber mit diesem Fall direkt nicht unbedingt zu tun.

Das es da durchaus Ansprüche auf die Thronfolgerschaft gab, kannst du ja mal recherchieren, ist aber nicht der Punkt ;-)

Es ging hier vorerst sogar nur um Verhandlungen darüber, als die Franzosen jedoch mit ihrer Aufforderung auf Verzicht durch den Kaiser als Familienoberhaupt der Hohenzollern und Staatsoberhaupt der Deutschen die Möglichkeit einer "Umklammerung" durch die Nachbarn ausschalten wollten. Diese Situation gab es wie gesagt im HRRDN, daran hatte Frankreich eher schlechte Erinnerungen.

Man hätte die Angelegenheit wohl diplomatischer lösen können, aber machtpolitisch ging es wohl nicht allein um diese. Bismarcks verkürzte Version besaß wesentlich schärferen Charakter und führte bei den Deutschen zur Volksempörung. Der französische Kaiser sah sich über diese Demütigung dazu veranlasst, den Krieg erklären zu müssen/können.

Meiner Ansicht nach war diese jedoch nur der Anlass, ein Kräftemessen zwischen beiden Staaten lag schon länger in der Luft, und ein Krieg hängt von mehr ab als so einem diplomatischen Rüffel.

mfg Nauticus

Danke für den Stern!

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Bismarcks Ziel war aber kein Kräftemessen. Sonst würde der Krieg gegen Frankreich nicht unter die Einigungskriege fallen. Durch die Empörung der "Deutschen" damals gab es noch kein geeintes Deutschland, es bestand (vereinfacht dargestelt) aus dem Norddeutschen Bund, dem Königreich Bayern und Württemberg. Durch diese Volksempörung rückte die Bevölkerung über die Landesgrenzen hinweg zusammen und ein wichtiger Schritt zur Einigkeit Deutschland (1871) war getan.

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@Ciodfui

Ja, so stehts im Geschichtsbuch. "Die deutschen Staaten" war aber letztendlich Preußen, nachdem es Österreich militärisch den Platz als führende Macht abgenommen hatte. Die deutsche Einheit war von Bismarck durchaus angestrebt, wobei ein siegreicher Krieg gegen den Erzrivalen eine bessere Einigung für die militaristisch-konservativen Kreise bot als eine liberale nationale Einheit, wie sie 1848 angestrebt und zerschlagen wurde - und zwar von eben jenen militaristisch-konservativen Kreisen über die (Militär-)Macht Preußes...

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Hei Kerberus1, die Spanier suchten einen neuen König und hatten an den Hohenzollern gedacht. Das gefiel Frankreich nicht, weil es sich dann von Preußen umzingelt sah. Wilhelm sollte das Angebot ablehnen (was er ja auch tat). Der franz.. Botschaft hat deshalb in Bad Ems mit dem preußischen König geredet bzw. reden wollen. Bismarck formulierte sodann für die Öffentlichkeit den Inhalt der Emser Depesche über die Unterredung derart schroff, dass Frankreich tödlich beleidigt war und seinem Kaiser als einzige Antwort die Kriegserklärung blieb. Der Krieg hatte aber zur Folge, dass alle deutschen Länder Preußen zur Seite standen ... Auf der Woge patriotischer Hochstimmung kam es dann zur deutschen Kaiserproklamation in Versailles. Grüße!

Nicht Frankreich war "tödlich" beleidigt. Der mit Staatsstreich zum Kaiser gewordene Napoleon III fühlte sich angeblich beleidigt. Und stark genug, Preußen anzugreifen. In Wahrheit hatte Napoleons Kriegserklärung innerfranzösische Ursachen.

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Hier ist eine frühere Antwort von mir: "Die Veröffentlichung der überarbeiteten Emser Depesche war nicht der Kriegsgrund. Es war vielmehr so, dass Frankreich zu diesem Zeitpunkt schon zu weit vorgeprescht war. Die genaue Entwicklung kann man dem Buch von Benedetti, Ma mission en Prusse, Paris 1871, entnehmen. In seiner Depesche nach Paris berichtete Benedetti, er habe in der Nacht das Telegramm aus Paris erhalten und morgens keine Zeit verloren, sich dem König zu nähern und die Forderung aus Paris zu übermitteln: " ... j'ai demandé á sa Majesté, de me permettre de vous annoncer que, le cas écheant, elle interdirait au Prince de poser de nouveau sa candidatur." Das war also die Forderung an den König Wilhelm, dem Thronanwärter zu untersagen, eine neue Kandidatur zu unternehmen. Wilhelm war überrascht, weil er selbst noch gar nicht die offizielle Nachricht des Thronanwärters bzw. dessen Vaters über den Verzicht auf die aktuelle Kandidatur erhalten hatte. Er sah auch keinen Anlass, sich mit zukünftigen, rein spekulativen Kandidaturen zu beschäftigen. In der französischen Kriegserklärung wurde in diesem Zusammenhang von einem Hintergedanken des Königs (une arrière-pensée) gesprochen und dieser Hintergedanken sei bedrohlich für Frankreich und für das allgemeine Kräftegleichgewicht in Europa. Dieser Punkt werde verstärkt durch die Weigerung, dem Botschafter eine erneute Audienz zu geben und ihm die Sache zu erklären. Frankreich habe die Verpflichtung, sofort für die Verteidigung seiner Ehre und seiner kompromittierten Interessen zu sorgen. Der Wortlaut der Kriegserklärung (in Französisch) befindet sich im Band 14 (Anhang) der Verhandlungen des Reichstages des Norddeutschen Bundes (kann im Internet unter Reichstagsprotokolle abgerufen werden)."

Die Hohenzollern-Familie teilt sich in zwei Linien (ursprünglich sogar mehr, aber das ist unerheblich) eine katholische, die Grafen von Hohenzollern-Sigmaringen waren und die protestantische, die die Markgrafen von Brandenburg, die Herzöge und später Könige von Preußen, und damit auch die deutschen Kaiser stellte. Der spanische Thron war dem Oberhaupt der katholischen Linie in Sigmaringen, Leopold von Hohenzollern, angeboten worden, nicht König Wilhelm I., der war ja schließlich Protestant. Und warum ein Hohenzollern-Fürst? Der Name war damals einfach angesehen, Preußen hatte schließlich gerade zwei Kriege kurz hintereinander gewonnen. Von daher wollte man wohl einfach etwas Prestige ernten.

Den rest hat zehnvorzwei ganz gut erklärt.

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