Was sind Empirismus und Rationalismus in der Philosophie?

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Empirismus kommt vom griechischen "empeirismos", und bedeutet "der Erfahrung folgend". Das Gegenprogramm ist der Idealismus, der Idee folgend. Die Idee, die reine Vorstellung ist das Wahre und die Erfahrung nur eine zeitlich gebundene ungenügende Existenzform. Dagegen setzt der Empirismus, dass wir in der Erfahrung das Wahre vorfinden, die Idee oder Begriffe davon abgeleitet sind.

Vertreter des Empirismus waren im alten Griechenland Demokrit und Epikur. Vertreter des Idealismus sind Platon und Aristoteles. Von manchen Philosophiehistorikern werden Formen des Idealismus und Rationalismus gleichgesetzt. Das ergibt aber keinen Sinn. Denn auch bei den Empiristen spielt die Ratio, der Verstand eine große Rolle.

Für Epikur z.B. war der Verstand ein Instrument der menschlichen Wahrnehmung, das erst die unterschiedlichen Wahrnehmungsformen miteinander in Bezug gesetzt und bewertet hat. Oder wer der unglaublichen Ableitung des Atomismus bei Demokrit (und Epikur) die Ratio absprechen will, der muss sich schon verrenken. Denn dieses System ist lediglich durch Rückschlüsse aus der konkreten Erfahrung entstanden und ist dennoch ohne unsere modernen Forschungsmethoden zur Theorie der Atome durchgestoßen. Das ist eine perfekte Leistung der Rationalität.

Meiner Meinung nach gibt es Rationalität in beiden Systemen (Idealismus, Empirismus), aber mit unterschiedlichen Grundannahmen. So wurde in der Scholastik "rational" auf Basis des Idealismus diskutiert, wieviele Engel auf eine Messerspitze passen. Das Gegenstück zu Rationalismus ist Intuition. Das aber - wenn auch nicht nur - findet sich in stärkerem Maße in der Kunst. Die Kunst ist also die intuitionsgeprägtere Gegenwelt zur rationalistischen Wissenschaft und Philosophie. Wenn man will, kann man Rationalismus als eine Übertreibung der Rationalität betrachten. In Wirklichkeit sind Intuition und Zufall auch in der Wissenschaft wie in der Philosophie wirksam, doch Rationalität dominiert. Genauso falsch wäre es, der Kunst jede Rationalität abzusprechen, denn auch Romane haben eine "innere Logik", Bilder ihre mehr oder weniger strengen Proportionen.

Ist dieser Gedankengang eher dem Empirismus oder dem Rationalismus zuzuordnen?

Eine Freundin fragte heute in einer Chatgruppe was wir zu den Themen Nihilismus, Existenzen usw. denken. Sie erläuterte ihre Gedanken, nämlich dass sie momentan alles im Leben anzweifle, selbst Gegenstände usw. bei denen es für uns selbstverständlich erscheint, dass diese existieren. Sie meinte es könne ja sein, dass wir alle nur getäuscht werden und diese Sachen eigentlich gar nicht wirklich existieren. Dasselbe bezog sie dann auf Gott und meinte man kann zwar nicht beweisen dass ein Gott existiert, man kann aber auch nicht beweisen dass er nicht existiert, folglich bezeichnet sie sich als Nihilistin bzw. Agnostikerin.

Auf die Frage wie wir darüber denken antwortete ich spontan, ohne länger drüber nachzudenken, dass ich ihre Gedanken nachvollziehen kann, ich aber nicht der Meinung bin dass wir nicht sicher sein können dass Dinge existieren. Schließlich hat jeder Mensch eine ähnliche Wahrnehmung, die auf den Sinnen beruht, und diese macht es uns möglich für uns selbst zu beweisen und die Erkenntnis zu bekommen, dass Dinge existieren. Mit dieser Methode kann man auch ausschließen, dass ein Gott existiert. Deshalb bezeichne ich mich als Atheistin.

Sie meinte dann, was ich sage klingt "sehr empirisch". Ich dachte allerdings immer, ich wär eher so auf der Seite des Rationalismus, da ich insbesondere den Gedankengang von Descartes bezüglich der Erkenntnistheorie sehr gut nachvollziehen kann. Da ich in dem Thema nicht mehr so drin bin, wollt ich euch (Hobby-)Philosophen fragen, wo ihr mich eher einordnen würdet und warum.

Danke.

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